Gewohnheitsrecht, Avitizität, Blutbann, Neuschenkung

Gesetz von 1351
Bestrafung
Heinrich
Ofner Stadtrecht
Bolondóc
Csejte
Gewohnheitsrecht

Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die sich spontan herausgebildet haben und deren Nichteinhaltung die Gesellschaft ahndet. Anfangs nicht schriftlich festgelegtes Recht, an dessen Charakter auch die schriftliche Fixierung nichts ändert. Im wesentlichen handelt es sich um ein altes, seit langem existierendes, bewährtes und durch Gewohnheit verbindlich gewordenes Recht. Auch das Dekret oder Privileg kann nach entsprechender Zeit zum Gewohnheitsrecht werden. Ebenso kann man das Gewohnheitsrecht mit der Zeit in ein Gesetz fassen.

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Avitizität

Gewohnheitsrechtliche Richtlinien, durch die im Interesse der Aufrechterhaltung des Geschlechterbesitzes die Erbfolge der angestammten Adelsgüter geregelt bzw. deren Veräußerung eingeschränkt wurden. Eigentlicher Eigentümer des Gutes war im Sinne dessen das Geschlecht, d.h. alle männlichen Nachkommen des besitzlegenden Ahnen, selbst wenn zwischen der Anschaffung des Besitzes und seiner Vererbung mehrere hundert Jahre verstrichen waren. Die Söhne der Familie erbten das Gut zu gleichen Teilen, und anschließend dann deren Söhne. Doch wenn es keine männlichen Erbe gab, ging der Besitz an die Söhne der Nebenlinie väterlicherseits, und zwar zu so vielen Teilen, wie es überlebende Nebenlinien gab. Angestammter Adelsbesitz konnte, gleich wie, nur dann veräußert werden, wenn dazu das ganze Geschlecht seine Zustimmung gab. Die Avitizität erstreckte sich lediglich auf der zeitgenössischen Rechtsauffassung entsprechende Immobilien. Mit dem Gesetz des Jahres 1351 wurde sie nicht eingeführt, sondern nur auf alle Vertreter des nunmehr einheitlichen Adelsstandes ausgedehnt.

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Blutbann

Gerichtsbarkeit über Leben und Tod. Das vom König einzelnen Grundherren als Privileg übertragene Recht, innerhalb der Grenzen ihrer Güter gefaßte Straftäter ohne Einbeziehung eines anderen Gerichts festzunehmen, zu foltern und hinzurichten. Wer mit diesem Privileg ausgestattet war, durfte es auf allen seinen Gütern ausüben. Im übrigen gebührte es nur der Komitatsbehörde, dem Gespan. Daher kommt auch der zu dieser Zeit gebräuchliche ungarische Name: Freigespanschaft. Den über dieses Recht verfügenden Personen stand es frei, zum Zeichen dafür auf ihren Gütern einen Galgen, ein Rad oder andere Foltergeräte aufzustellen. Mit der Tätigkeit der Patrimonialgerichte, wo nur über die Leibeigenen und nur in sog. geringeren Angelegenheiten geurteilt wurde, war der Blutbann nicht verbunden. Erstmals erhielten Grundherren dieses Privileg zur Herrschaftszeit Karls I.

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Neuschenkung

Bis zum Jahr 1343 die Bestätigung einer bereits erfolgten Güterschenkung. Ab 1343 bis in die 1420er Jahre eine neue Art der königlichen Donation. Demnach erbten das geschenkte Gut nur diejenigen direkten männlichen Nachkommen, deren Name in der Schenkungsurkunde verzeichnet war. Das System der Neuschenkungen brach mit der herkömmlichen Praxis, bei der auch die Geschwister des Begünstigten und deren Nachkommen als Erben in Frage kamen. Nach dem Ende der Sigismundzeit wurde der Begriff erneut in dem vor 1343 gültigen Sinne verwendet.

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