Gesetze, Goldene Bulle

Gesetze des hl. Ladislaus
Gesetze des hl. Stephan
Goldsiegel Andreas II.
Gesetze

Eines der wichtigen Gebiete des juristischen Schrifttums. Im Mittelalter bildete das ungeschriebenen Gewohnheitsrecht die Grundlage des Rechtslebens. Ein schriftliches Gesetz wurde dort notwendig, wo sich das Gewohnheitsrecht als mangelhaft erwies bzw. verändert werden mußte. Schriftlicher Regelung bedurften in erster Linie die Kirche und Religionsausübung sowie das Strafrecht betreffende Fragen. In diesen Fällen dienten karolingerzeitliche Konzilsbeschlüsse und Sammlungen das kanonischen Rechts als Quellenbasis der Gesetzgebung. Im 11. Jahrhundert erließen König und Kronrat die Gesetze, anläßlich von Konzilen mit gemischter Beteiligung, wo der gemischt zusammengesetzte Kronrat ebenso in weltlichen wie in Kirchenfragen entschied. Seit Beginn des 12. Jahrhunderts gab es eine unabhängige kirchliche Gesetzgebung, die im Rahmen reiner Kirchenkonzile erfolgte. Bei zahlreichen Anlässen kam es wohl nur zu prinzipiellen Entscheidungen, die man dann etwas später zu einheitlich konzipierten Gesetzbüchern zusammenfaßte. Die Überlieferung bindet im 11.-12. Jahrhundert an den Namen des hl. Stephan zwei, an den des hl. Ladislaus drei und an den Namen Kolomans zwei Gesetzbücher. Darüber hinaus blieben die Texte zweier Graner Konzile und kleinere Textfragmente aus dem 12. Jahrhundert erhalten. Im 13. Jahrhundert ersetzten die für größere gesellschaftliche Gruppen ausgestellten Freibriefe die Gesetze, doch vom Ende des Jahrhunderts sind auch zwei Denkmäler der Gesetzgebung sowie ein Ratsbeschluß aus der Zeit König Andreas III. überkommen. Bedeutend im Hinblick auf die Literatur ist das einen literarisch anspruchsvollen Prolog beinhaltende Gesetzbuch aus der Zeit Kolomans, das von Albericus zusamengestellt wurde. Im allgemeinen blieben die Gesetze nur in späteren Kopien des 15.-16. Jahrhunderts erhalten.

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Goldene Bulle

Der Begriff bezog sich anfänglich auf das zur Beglaubigung an der Urkunde angebrachte Goldsiegel, aber auch die mit diesem Siegel versehenen Freibriefe wurden so genannt. Als Goldene Bulle bezeichnet man in erster Linie das von König Andreas II. im Jahr 1222 erlassene Gesetz.

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