Königshof, Königliche Kapelle

Greis
Gran, Burgberg 1
Stuhlweißenburg, Basilika
Aachen, Münster
Schenkungsurkunde Bélas II.
Gran, Burgkapelle 1
Königshof

Mit diesem Begriff pflegt man im allgemeinen die Gesamtheit der zur Umgebung des Monarchen gehörenden Personen zu bezeichen. Die am Hof beschäftigte Dienerschaft sorgte unter Anleitung und Aufsicht der Hofbeamten für die alltäglichen Bedürfnisse des Königs und seiner Familie. Gleichzeitig hielten sich die wichtigsten kirchlichen und weltlichen Würdenträger ebenfalls in der Nähe des Königs auf, weshalb man am Hof der höchsten Ebene der Staatsregierung Platz einräumte; hier fanden die Sitzungen des Kronrates statt. Darüber hinaus war der Hof auch das Zentrum der im Namen des Königs erfolgenden Urteilsfindung sowie der Elitekultur. Der Königshof war immer dort, wo sich der König gerade aufhielt, denn im arpadenzeitlichen Ungarn gab es, ähnlich wie in anderen europäischen Staaten des Zeitalters, noch keine Hauptsstadt im modernen Sinne; auch Gran und Stuhlweißenburg sind nicht als solche anzusehen.

AZS


Königliche Kapelle

Ursprünglich Name für die den königlichen Reliquienschatz (zur Zeit der Merowinger der Mantel - cappa - des hl. Martin) verwahrende Einrichtung. Später ging er auf die in den königlichen Güterzentren geschaffenen, der Seelsorge am Herrscherhof dienenden Oratorien bzw. die Priester des Hofes als Körperschaft über. Der königlichen Kapelle kamen in ganz Europa auch Regierungsaufgaben zu; die Hofpriester versahen diplomatische Aufgaben, sie fertigten die Urkunden des Monarchen aus. In Ungarn sprechen königliche Urkunden seit dem Ende des 11. Jahrhundert von Personen, die sie als Kaplane des Herrschers bezeichnen. An der Spitze dieser Körperschaft der Hofpriester stand vom 12. Jahrhundert an der Kapellengespan, der trotz des weltlichen Titels ein Geistlicher war. Ihm unterstanden alle, die in den Kapellen der königlichen Güter Dienst taten. Im 12. Jahrhundert wurde das Siegel des Königs vom Kapellengespan verwahrt, während die Mitglieder der Kapelle die mit dem königlichen Siegel versehenen Urkunden schrieben bzw. formulierten, und unter Béla III. trennte sich dann die Hofkanzlei als selbständige Institution von der Kapelle. Zum Ende der Arpadenzeit begann der Kapellengespan zwar in Form von Urkundenausgaben auch authentische Tätigkeit auszuüben, wichtigste Aufgabe der königlichen Kapelle blieb jedoch stets die Verrichtung der liturgischen Handlungen für den Herrscher und seine Umgebung.

KSZ