Kirchliche Hierarchie, Kapitel, Archidiakon, Domherren

Kirche Sopronbánfalva, hl. Bischof
Graner Siegelabdruck
Kirchenverwaltung
Kirchliche Hierarchie

In mehrfacher Hinsicht gebräuchlicher Begriff, der in erster Linie die Wirkung der Weihe zum Priester, d.h. die seelische Macht bzw. deren einzelne Grade bezeichnet. Da es innerhalb der Priesterschaft ebenfalls mehrere Grade gibt, werden ihre Träger in der Reihenfolge von unten nach oben folgendermaßen genannt: Türsteher, Teufelsbanner, Vorleser, Kerzenträger, Hilfsdiakon, Diakon, Hilfsbischof und Bischof. Die Weihe zum nächsthöheren Grad erfolgte Schritt für Schritt. Doch gleichzeitig kann der Ausdruck kirchliche Hierarchie auch die Gesamtheit aller über diese Macht verfügenden Personen bedeuten, die seit der Spätantike identische Rechte und Privilegien von den übrigen Gruppen der Gesellschaft unterschieden und die sich im gesellschaftshistorischen Sinne des Wortes erstmals zu einem Gesellschaftsstand organisierten.

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Kapitel

Eine seit dem 6. Jahrhundert nach monastischem Muster gebildete Körperschaft von enger an den Bischof gebundenen, im Gegensatz zur Priesterschaft der Eigenkirchen nach festen Regeln (z.B. im Zölibat) lebenden Priestern. In Domkapiteln war die Priesterschaft der Bischofsdome zusammengeschlossen, während Kollegiatskapitel im allgemeinen von Privatpersonen gegründet wurden. Die Kapitelmitglieder lebten nach den vom hl. Chrodegang, Bischof von Metz, Anfang des 9. Jahrhunderts formulierten Regeln des hl. Benedikt; anfangs war für sie die gemeinsame Lebensführung charakteristisch. Später jedoch, bis zum 12. Jahrhundert, gründeten die Kapitulare eigene Haushalte (so entstanden in den Bischofsresidenzen die sog. Domherrenzeilen) und kamen nur noch zu den vom Kanon vorgeschriebenen gemeinsamen Gebetsstunden zusammen. Damals trennte man die bischöflichen von den Gütern des Kapitels, und in der Folgezeit teilten die Domherren auch die Kapiteleinkünfte untereinander auf. Im Kapitelsaal bzw. in der Kirche gebührte jedem Domherren sein eigener Platz (Stallum), und wer eine der Domherrenpflichten versah, erhielt aus den Einkünften der Kapitelgüter bzw. sonstigen Einnahmen des Kapitels regelmäßige Bezüge. Mit der Zeit organisierte sich die Priesterschaft des Kapitels hierarchisch: An ihrer Spitze stand der Propst (sofern es am Bischofssitz auch ein Kollegiatsstift bzw. eine Propstei gab, nannte man ihn Dompropst), ihm folgten die sog. Säulen- Domherren bzw. Würdenträger (Dekan, vorlesende bzw. singende Domherren), dann die Vorsteher der Ende des 12. Jahrhunderts an die Bischofssitze verlegten Archidiakonate, die Archidiakone, und schließlich die einfachen Domherren sowie die Benfiziare und Chorherren, die die Kapitulare vertraten. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war es bereits feststehendes Recht der Domkapitel, einen Bischof zu wählen. In Ungarn entstanden Domkapitel spätestens zur Herrschaftszeit Ladislaus des Heiligen, Kollegiatsstifte hingegen hatten schon König Stephan (Stuhlweißenburg) und König Peter (Altofen) gegründet. Im 12.-13. Jahrhundert waren die Kapitel als Zentren der authentischen Tätigkeit in den verschiedenen Gegenden des Landes auch für das Schrifttum zuständig, ihre Mitglieder konnten unter Verwendung ihrer Einkünfte im Ausland studieren. Nicht selten wurden Geistliche vom König für ihre Verdienste am Herrscher mit den Domherreneinkünften größerer Kapitel beschenkt, doch vom 13. Jahrhundert an behielt sich häufig der Papst dieses Schenkungsrecht vor.

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Archidiakon (griechisch-lateinisch, "Erzdechant")

Vom 4. Jahrhundert n. Chr. an Vorsteher der Diakone des Bischofsdomes. Sein Amt wandelte sich im Laufe der Zeit. Im 9.-13. Jahrhundert ist er als selbständiger Würdenträger Rivale des Bischofs und gleicht in nichts dem Archidiakon des ersten Zeitraumes. In einem Kirchenbezirk gab es mehrere Archidiakone mit eigener territorialer Zuständigkeit und an Pfründe gebundener Jurisdiktion, die nicht von der Regierung des Bischofs abhingen. Sein Amt war auf Lebenszeit mit einem Domherrenstallum verbunden, nicht der Bischof ernannte ihn, sondern er wurde vom Kapitel gewählt.

TK


Quelle: Magyar Katolikus Lexikon I. (Ungarisches Katholisches Lexikon I.). Chefred.: István Diós. Budapest 1993, 396.

Domherren

Domherren (clericus canonicus) nannte man ursprünglich diejenigen Kleriker, die nach den Gesetzen der Kirche (canon) lebten. Später bezog sich die Bezeichnung auf die in einer Gemeinschaft (communis vita) lebenden weltlichen Priester, die Mitglieder des Domkapitels (capitulum). Sie halfen dem Bischof bzw. Erzbischof bei der Ausübung seiner kirchlichen Verwaltungspflichten und nahmen gemeinsam an der Liturgie im Dom teil. Diese Gemeinschaften bestanden in Ungarn bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts, damals lebten die Domherren bereits in den in verschiedenen Straßen stehenden Häusern der Städte. Vorsteher der Domkapitel war der Dompropst.

GYS