| I. Urzeit und Antike | INHALT | 2. Das dakische Königreich |
Inhaltsverzeichnis
Die an Entwicklungen reiche Urgeschichte des von Bergen umgebenen Siebenbürgischen Hochlandes kann man nicht von der Geschichte der umliegenden Gebiete trennen. Das Tal des Samosch, des Alt und des Mieresch waren der gewohnte Weg der Händler und der Völker, die neue Siedlungsgebiete suchten. Um die Mineralschätze dieses Gebietes auszubeuten, scheuten die Menschen auch die Berge nicht, manchmal jedoch wurden selbst unbedeutende Gebirge zu dauerhaften Grenzen. Der geographischen Gliederung und der häufigen Einwanderungen wegen ist kaum eine Periode zu nennen, in der man von einer kulturellen und ethnischen Einheit ausgehen kann.
Mit der Ansiedlung von Menschengruppen in diesem Gebiet ist schon im Altpaläolithikum zu rechnen, erste sichere Anzeichen menschlichen Lebens in Siebenbürgen stammen aus dem mittleren Paläolithikum. Zu Beginn der Nacheiszeit siedelten paläanthrope (frühmenschliche) Gruppen in den Höhlen des mittleren Mieresch-Gebietes. Ein Teil dieser Fundorte weist Verbindungen zu den früher oder zur gleichen Zeit auf der westlichen Hälfte der Balkanhalbinsel bestehenden Höhlensiedlungen auf. Ihre Geräte sind ausschließlich aus Quarzit gefertigt. Die Menschen dieser als Charentien bezeichneten Kultur jagten auf dem Gebiet Ungarns noch junge Höhlenbären, wenig später bereits aber im Gebiet Hatzeg (Wallenthal) bevorzugt das Wildpferd. Die Charentien-Kultur war außer im Gebiet Hatzeg im gesamten Gebiet der Südkarpaten verbreitet, so auch in Peştera, am Törzburger Paß und in Baia de Fier an der Südseite des Gebirges.
Am Ende des mittleren Paläolithikums erschienen in Siebenbürgen Gruppen, die zweiseitig bearbeitete, auf der ganzen Oberfläche behauene Werkzeuge herstellten. Diese werden weitläufig mit dem Szeleta-Kreis in Verbindung gebracht. Mit der früheren lokalen Kultur können sie keinen Kontakt gehabt haben, im späten Charentien ist ihre Auswirkung bestenfalls an den beidseitig bearbeiteten Spitzen erkennbar.
Erst in einer entwickelteren Phase, in der zweiten kalten Periode der letzten Eiszeit, stößt man auf die Aurignacien-Kultur. Von den zur Zeit der interstadialen Phase Würm 1/2 an die Stelle der Höhlenbärenjäger tretenden Menschen des Aurignacien sind nur zeitweilig besiedelte Höhlen bekannt. Unter den Werkzeugen fehlt von der spätaurignacienzeitlichen Spitze aus Baia de Fier abgesehen gerade die nur kurze Zeit existierende Neuerung {4.} der Aurignacien-Kultur, die aus Knochen geschliffene Spitze. In Cioklovina waren ihre Feuersteinspitzen den Höhlenbären jagenden Gruppen bekannt, die aufgrund eines hier gefundenen Schädeldaches zum protonordischen anthropologischen Predmost-Typ gehört haben können.
Die Mammut- und Rentierjägergruppen der östlichen Gravettien-Kultur der Würm 2/3-Phase gelangten ebenfalls nicht in das von den Südostkarpaten umgebene Gebiet. Nur im Quellgebiet der Dîmboviţa zeugen zwei Fundstellen von der zeitweiligen Niederlassung der Jäger aus dem Flachland in Höhlen. Auch Szitabodza mit seinen Werkstattfunden liegt bereits an der Grenze Siebenbürgens.
Nachdem sich die Eisdecke der Karpaten zurückgebildet hatte, vollzog sich die Besiedlung des Siebenbürgischen Hochlandes nur sehr langsam. Nur aus Südostsiebenbürgen, vom Oberlauf des Flusses Bodsau sind Epigravettien-Tardenoisien-Fundorte bekannt. Außer kleinen Klingen, Spitzen, Klingen- und Nagelschabern kommen an diesen Fundorten die charakteristischen trapezförmigen Werkzeuge des Tardenoisien zum Vorschein. Zur gleichen Zeit domestizierten protoeuropide romanello-aziliene Gruppen in den Südwestkarpaten und in der Gegend des Eisernen Tors den Hund und versuchten sich mit dem Getreideanbau und der Schweinezucht.
Diesen Prozeß stoppten die einwandernden südbalkanischen Gemeinschaften, das Volk der Starčevo-Körös-Kultur, das noch an seinem ursprünglichen Siedlungsort den Anbau von Weizen und Hafer sowie die Ziegen- und Schafhaltung von den anatolischen Eindringlingen gelernt hatte. Ein Ergebnis ihrer „eigenen“ Arbeit könnte die Domestizierung von Hirse und Rind sein.
Ihre Siedlungen legten sie an den Ufern von Seen und Flüssen, manchmal an unteren Flußterrassen an, ihre Häuser bestanden aus einer Pfahlkonstruktion mit Flechtwerk, das mit Lehm bestrichen wurde. Neben den Bauten auf der Erdoberfläche sind von ihnen auch in die Erde vertiefte Hütten bekannt. Ihre Toten begruben sie in ihren Dörfern. Die in der Mehrheit aus protomediterranen Typen bestehende Bevölkerung der Starčevo-Körös-Kultur bestattete ihre Toten auf der Seite liegend, in Hockstellung und in der Regel ohne Beigaben. Die zur cromagnoiden Gruppe gehörende mittelsteinzeitliche Bevölkerung bestattete ihre Toten in der Rückenlage.
Das Fundmaterial der Siedlungen deutet auf eine ständige Nahrungsmittelproduktion hin, weist aber bei den einzelnen Fundorten starke Abweichungen auf. An einigen Stellen kommen die Überreste erjagter und gezüchteter Tiere in fast gleichem Verhältnis vor, anderswo machen letztere mehr als das Sechsfache der erjagten Arten aus. Gegenüber den zuerst domestizierten Schafen und Ziegen spielte die Rinderzucht eine größere Rolle. Manchmal wurden auffallend viele Schweine gehalten. Es gab aber auch Siedlungen ohne Schweine.
Ähnliche Abweichungen zeigen sich auch bei der angebauten und gesammelten pflanzlichen Nahrung. Die an mehreren Fundorten zum Vorschein gekommenen Mahlsteine wurden aller Wahrscheinlichkeit nach zum Zermahlen von Körnern benutzt, die aber nicht ausschließlich Getreide gewesen sein müssen. Unter den Steinwerkzeugen sind kurze Klingen, die als Sensen benutzt wurden, selten. Jedenfalls bestand das Volk der Starčevo-Körös-Kultur aus einer Nahrung produzierenden Gemeinschaft, auch wenn die Jagdbeute nicht von zweitrangiger Bedeutung war. Wahrscheinlich hatten sich einige Gruppen in Siebenbürgen auf die Aufarbeitung von Erzgestein {5.} spezialisiert, jedenfalls würde das die Besiedlung der seit dem späten Pleistozän, der späten Eiszeit, nicht mehr benutzten Höhlen klären.
Die Starčevo-Körös-Bevölkerung ist möglicherweise über das Banat nach Siebenbürgen vorgedrungen. Die älteste Siedlung ist aus Klausenburg bekannt. Einige Gruppen übersiedelten in den ostungarischen Raum und vermischten sich mit der örtlichen Bevölkerung des Epipaläolithikums. So ist zu erklären, daß in Bácstorok Menschen alpinen und cromagnoiden Äußeren bestattet wurden, dem allgemeinen Brauch der Zeit entsprechend in und zwischen den Häusern.
Um 5000 v. Chr. kamen längs des Mieresch jüngere Gruppen dieser Bevölkerung nach Siebenbürgen: Besonderheiten ihrer materiellen Kultur kommen auch in Fundorten der südlichen Großen Ungarischen Tiefebene zutage. Ihre älteste Hinterlassenschaft stellt die Siedlung von Honigberg dar, wo außer mit Spreu vermischten groben Gefäßen aus Lehm und feineren rot überzogenen Schalen auch Schalen mit weißer Punktbemalung aus der vorhergehenden Periode vorkommen. Diese Bemalung ist sonst wie in der südlichen Tiefebene selten in Siebenbürgen. Eine Ausnahme bildet der Fundort Lécfalva, wo sogar mehrfarbige Bemalung vorkommt. Im ältesten Material sind sehr starke Verbindungen zu bulgarischen Funden zu erkennen, das Ende dieser Siedlung wiederum kann in die späteste Phase der Starčevo-Körös-Kultur datiert werden.
Nach einer sehr kurzen Übergangsperiode endete im mittleren Neolithikum, der mittleren Jungsteinzeit, die für das frühe Neolithikum charakteristische Einheit. Neue Völker drangen aus fast allen Richtungen nach Siebenbürgen ein: Entlang des mittleren Mieresch, zwischen den Südkarpaten und dem Siebenbürgischen Erzgebirge, im Osten bis nach Fogarasch trat das Volk der Vinča-Tordos-Kultur auf, nach Südostsiebenbürgen, nordwestlich bis zur Siebenbürgischen Heide, kam aus der Moldau das Volk der Linienbandkeramiker. Entlang des Kleinen Samosch sind Spuren der im Südosten der Tiefebene verbreiteten Szakálhát-Gruppe zu finden, etwas nördlicher davon lebten die Gruppen mit bemalter Keramik, die mit denen in der nordöstlichen Tiefebene verwandt waren.
Die Bevölkerung des mittleren Neolithikums bestimmt bis zum Ende der Kupferzeit, für eine verhältnismäßig lange Zeit also, die Geschichte Siebenbürgens. Ausgerechnet das am besten bekannte Volk der Vinča-Tordos-Kultur gab nach einiger Zeit einen großen Teil seiner Siedlungen in Siebenbürgen auf. Das im Zentrum der Balkanhalbinsel siedelnde Volk hat sich wahrscheinlich nicht zufällig im Siebenbürgischen Erzgebirge niedergelassen, sind doch hier sehr früh Kupferwerkzeuge bekannt. Das nahegelegene Kleinschlatten gehört zu den ältesten Goldfundstätten.
Besonders erwähnenswert sind die 1961 in Alsótatárlaka (Tărtăria) gefundenen piktographischen Tafeln, die den protoelamischen und protosumerischen Stücken überraschend ähneln. Eine Verbindung zwischen diesen beiden Gebieten ist äußerst unwahrscheinlich, liegen doch wenigstens 1000 Jahre zwischen den Stücken aus Siebenbürgen und Mesopotamien, von der geographischen Entfernung gar nicht zu reden. Auch ähneln sich die frühen geometrischen und Strichschriften in jedem Fall unabhängig voneinander. Die Tafeln jedenfalls machen es möglich, einen Teil der Zeichen auf der Keramik der Vinča-Tordos-Kultur als Schriftzeichen zu bestimmen. So wurde um 4000 v. Chr. am Mieresch der Versuch unternommen, die Schrift {6.} einzuführen, was sehr viel bedeutet. Deshalb ist in diesem Gebiet mit einem einfachen, auf einem Heiligtum als Zentrum aufbauenden staatsähnlichen Gebilde zu rechnen. All das ist darauf zurückzuführen, daß einzelne Gruppen mit der Nutzung des Metalls begonnen hatten und so auf das Getreide und die Rinder anderer angewiesen waren, wir also die Anfänge einer arbeitsteiligen Gesellschaft zu verzeichnen haben.
In Siebenbürgen ist der Versuch gescheitert, eine produzierende Gesellschaft mit zentraler Organisation zu verwirklichen. Diese Entwicklung wurde durch neuere Bevölkerungsbewegungen unterbrochen. Im Südosten drangen in das Gebiet der Linienbandkeramiker, das die primitive Ackerwirtschaft und Tierzucht fortsetzte, die Menschen der Boian-Kultur ein, die sich in der Moldau und in Ostmuntenien (Ostwalachei) mit der Rinder-, Schaf- und Ziegenhaltung befaßt hatten. Aus dem Altgebiet gelangten einige kleine Gruppen auch an den mittleren Mieresch, wo in den Siedlungen des Volkes der Vinča-Tordos-Kultur die großen Töpfe und Schalen mit Verzierungen aus eingeritzten Dreiecken und Linienbündeln aufkommen.
Der eigentliche Bruch aber wurde durch die Wanderung der nordsiebenbürgischen Gruppen mit bemalter Keramik entlang des Mieresch verursacht. Gefäße mit roter, manchmal auch schwarzer Bemalung auf weißem oder orangefarbenem Grund erscheinen bereits in der oberen Schicht der Vinča-Tordos-Siedlungen, und so kann man das teilweise Verschmelzen der autochthonen und eingewanderten Bevölkerung annehmen. In den späteren Funden sind aber nur geringe Spuren dieser Integration zu finden. Darum kann man vermuten, daß der größere Teil des Volkes der Vinča-Tordos-Kultur vom Mieresch abgewandert, ja sogar geflüchtet ist.
So war der größere Teil Siebenbürgens um die Wende von der mittleren zur späten Jungsteinzeit kurzfristig von einer einheitlichen Bevölkerung bewohnt, das Hochland von Südostsiebenbürgen ausgenommen, wo das Volk der Boian-Kultur siedelte. Die Gemeinschaften der Petreşti-Kultur, die aus den Gruppen mit bemalter Keramik hervorgegangen sind, hielten sich lange Zeit in Süd- und in einem Teil Mittelsiebenbürgens. Durch die Inbesitznahme der Metallfundstätten war es ihnen möglich, die Verbindung mit entfernteren Gegenden mit Muntenien, der Dobrudscha und vielleicht auch südlicheren {7.} Gebieten aufzunehmen. Ihre Gefäße waren gut durchgebrannt und mit schwarzen, roten und braunen Mäandern und Spiralen bemalt. Die technische Ausführung ihrer Schalen, Schultertöpfchen und zylinderförmigen Gefäßuntersätze zeugt von der Möglichkeit der Metallschmelzung, wie sie auch die Kupferfunde bestätigen. Ihr bis nach Bulgarien, nach Griechenland und im Norden bis ins Kaschauer Becken gelangender Schmuck aus Blattgold bzw. Nachahmungen verweist auf die Nutzung der Goldfundstätten.
Die Petreşti-Kultur entwickelt sich nur bis zum Ende der Kupferzeit, allerdings ausschließlich auf dem einst von der Vinča-Tordos-Bevölkerung bewohnten Gebiet. In das von den Gruppen der bemalten Keramik bewohnte Gebiet am Kleinen Samosch zogen über die Ostkarpaten herdenhaltende protoeuropide Reitergruppen aus der Pontussteppe. Sie besetzten deren Siedlungen und nahmen ihre Bestattungen abweichend von den bisherigen neolithischen Bräuchen in von ihrem Wohnsitz entfernteren größeren Gräberfeldern vor, wie z. B. in Marosdécse. Ihre Toten legten sie in der Rückenlage mit leicht angezogenen Beinen ins Grab und gaben ihnen pontische Steinmesser, Streitkolben aus Stein und einfache Tassen bei. Auf einen orientalischen Ritus ist es ebenfalls zurückzuführen, daß sie auch Ocker, rote Farbe mit ins Grab gaben.
Zur gleichen Zeit siedelte sich in Südostsiebenbürgen auf dem Gebiet der Boian-Kultur das Volk der Cucuteni-Tripolje (Erõsd)-Kultur an. Diese Migrationsbewegungen im östlichen Karpatenbecken führten zu einem fortwährenden Bevölkerungsaustausch; die Verschmelzung mit den Einwanderern änderte die Lebensverhältnisse und in deren Folge auch die materielle Kultur.
Das sich als Ergebnis dieses Prozesses darstellende Volk der Tiszapolgár-Kultur siedelte in der Theißgegend, im nördlichen Siebenbürgen und im Banat; einige Gruppen gelangten auch nach Südostsiebenbürgen und aus dem Banat an den mittleren Mieresch. Die aus einfachen Hütten bestehenden Siedlungen der Herden haltenden und Ackerbau treibenden Bevölkerung und die Dörfer der Cucuteni-Tripolje (Erõsd)-Kultur umgab das Siedlungsgebiet der Petreşti-Kultur, dessen Volk auch in dieser bewegten Periode sein friedliches Leben forstsetzte wahrscheinlich, weil die umliegenden Siedler auf seine Metallkunst angewiesen waren.
Das Volk der Cucuteni-Tripolje (Erõsd)-Kultur lernte von seinem neuen Nachbarn, der Petreşti-Kultur, die Keramikbemalung. Ein bedeutender Fundort der vor dem Brennen mit zwei oder drei Farben (Schwarz, Weiß und Rot) bemalten Keramik ist die Siedlung Erõsd-Tyiszkhegy mit einer mehr als 4 Meter dicken Schichtenfolge. In diesen Siedlungen standen Häuser aus Pfostenkonstruktion und dick mit Lehm ausgeschmiertem Geflecht sowie Herdstellen mit Lehmeinfassung. Die Bewohner lebten teilweise von der Feldbestellung, allgemein verbreitet war der Dinkelanbau. Der Viehbesitz bestand hauptsächlich aus Rindern, ein bedeutender Teil der Fleischnahrung stammte aber von der Jagd. Ihre Werkzeuge waren zum größten Teil aus Stein und Knochen (Beile und Hacken aus Geweih), zum Teil fertigten sie Ahlen und Schmuck. Kleine Lehmfiguren und der Körperbemalung dienende {8.} Lehmstempel bewahren die Erinnerung an ihre Riten und ihre Gentilorganisation.
Das Volk der Cucuteni-Tripolje (Erõsd)-Kultur gelangte im Norden bis zum oberen Mieresch. Hier geriet es mit dem Volk der Tiszapolgár-Kultur in Kontakt. Sein Siedlungsgebiet eroberte später das Volk der Bodrogkeresztúr-Kultur, das sich auch in einigen Dörfern des Volkes der Tiszapolgár-Kultur niederließ. Da die Bedingungen für intensive Ackerwirtschaft und Viehhaltung im Banat und in der Großen Ungarischen Tiefebene günstiger waren, ist ihr Auftreten und ihre Ansiedlung am Rande Siebenbürgens schwerlich anders zu erklären, als daß sie an den Mineralschätzen dieser Gegend interessiert waren. Bezeichnenderweise steigt in den Gebieten der Bodrogkeresztúr-Kultur von Siebenbürgen aus gesehen die Zahl der Kupferwerkzeuge in Richtung ihres Siedlungszentrums sprunghaft an. Streitäxte, Beile, Querbeile gelangten aus den Kupferbergwerken in die Tiefebene. Ebenso sind auch kleine Goldschmuckstücke häufig in den Gräberfeldern des Theißgebietes zu finden. Es ist kein Zufall, daß diese Goldgegenstände in Siebenbürgen kaum vorkommen. Das einzige Stück stammt aus Neumarkt am Mieresch, einem Fundort der Bodrogkeresztúr-Kultur.
Die Funde aus dieser Kultur unterscheiden sich in Siebenbürgen übrigens kaum von denen in der Tiefebene. Die in Gräbern in Hockstellung bestatteten Toten sind von zweihenkligen Gefäßen (sog. Milchtöpfen), blumentopfförmigen Gefäßen und Tassen umgeben. Ihre Dörfer bestanden wahrscheinlich aus Häusern über der Erdoberfläche. Eine Teilgruppe, die zwischen der Cucuteni-Tripolje-Bevölkerung siedelte, errichtete kleine lehmverschmierte Häuser mit Balkenboden.
Zu der Zeit, als das Volk der Bodrogkeresztúr-Kultur in das Gebiet des Drei-Stühle-Beckens gelangte, begann ein spezieller Integrationsprozeß in Siebenbürgen. Am östlichen Rand der Siebenbürgischen Heide erscheinen miteinander verschmolzene Hinterlassenschaften der Völker der Bodrogkeresztúr-, Petreşti- und Cucuteni-Tripolje (Erõsd)-Kultur, am mittleren Mieresch der Bodrogkeresztúr- und der Petreşti-Kultur. Am Ende dieses Prozesses steht die gemeinsame Hinterlassenschaft der Kultur der südwestsiebenbürgischen, oltenischen Volksgruppen. Einige Gruppen der vermischten siebenbürgischen Bevölkerung gelangten in die Tiefebene, ein anderer Teil wanderte wahrscheinlich den Samosch entlang in die Karpatoukraine und in die Ostslowakei.
Das Volk der Băile-Herculane (Herkulesfürdõ)-Cheile-Turzii (Tordai hasadék)-Gruppe wohnte oft in Höhlen. Man kann kaum annehmen, daß sich die Ackerbauern, Tierzüchter, Erzbergleute und Goldhändler freiwillig in entlegene trostlose Höhlen zurückgezogen hatten. Zu dieser Zeit weideten bereits in der Walachei und in der Moldau die Herden der Hirtenvölker aus den östlichen Steppen. Ihre über die Karpaten eindringenden Truppen vertrieben die autochthonen Gemeinschaften. Mit der ersten Welle der Eindringlinge versuchte die autochthone Bevölkerung zwar noch zusammenzuleben, mit dem immer neuen Einströmen der Hirtenvölker aus dem Osten wurde sie aber auch aus den Bergen vertrieben.
In der Geschichte Siebenbürgens wie ganz Ostmitteleuropas beginnt damit und das nicht zum ersten Mal eine neue Epoche. An der unteren Donau verschmolzen die Eindringlinge aus dem Osten, denen sich auch Gruppen aus {9.} dem Südbalkan, vielleicht auch aus Anatolien anschlossen, mit der ansässigen Bevölkerung. Die sich entwickelnde neue Bevölkerung, das Volk der Cernavoda-III-Kultur, drang auch in das Miereschgebiet ein. Sein Viehbestand setzte sich überwiegend aus Schafen, Ziegen, Schweinen und Pferden, aber auch aus Rindern zusammen. Unter den Rinderfunden dominieren Knochen von alten und männlichen Tieren, was auf eine große Zahl von Ochsen deutet wie allgemein bekannt ein Zeichen für die Ackerbearbeitung mit der Egge, für die Holz-, seltener Geweiheggen benutzt wurden.
Die nur langsam beginnende Entwicklung fand bald ein Ende. Um 2000 v. Chr. wurde durch erneute Migrationsbewegungen in Siebenbürgen wieder ein Bevölkerungsaustausch hervorgerufen. Aus dem Gebiet Makedoniens und aus dem Balkangebirge wanderten Hirtengruppen in den südöstlichen Karpatenraum, das Volk der Coţofeni-Kolozskorpád-Kultur. Sie siedelten fast überall, in großen Höhen genauso wie in der Ebene an Seen und Flußläufen; häufig zogen sie sich in die Höhlen der Berge zurück. Ihre Toten verbrannten sie als erste in Siebenbürgen, aber in ihren Grabhügeln aus der Frühphase finden wir auch noch Skelette, oft mit Ocker bestreut. Das war ein von den östlichen Nachbarn übernommener Brauch, kann aber letzten Endes auch eine bei den Bevölkerungsgruppen osteuropäischen Ursprungs überlieferte Sitte gewesen sein. Die häufigen Siedlungen und deren Umgebung fügen sich gut in das Bild eines halbnomadischen Hirtenvolkes.
Obwohl diese Bevölkerung aus der Nähe der Cernavoda-III-Kultur stammt, ist ihre Keramik von dieser völlig verschieden. Ihre Schöpfgefäße mit hochgezogenem Henkel und schiefem Rand, ihre kugelförmigen Töpfe, Urnen und Askoi (kleinformatige Gefäße schlauchartiger flacher Form mit breiter Standfläche, Ausguß und Henkel) sind in der Frühphase nur mit kurzen Linien oder Linienstreifen bedeckt, wie sie das Volk der Cernavoda-III-Kultur bei seinen auch in der Form ähnlichen Gefäßen benutzt hat; später zieren auch linsenförmige Verzierungen die Gefäße. Wir finden hauptsächlich auf siebenbürgischem Gebiet auch die gestochene Linie für die Kalkinkrustation.
In der Zeit der Coţofeni-II-Kolozskorpád-Kultur fielen in Südostsiebenbürgen Hirtenstämme von jenseits der Karpaten ein. Das Volk der Folteşti-III-Zăbala (Zabola)-Kultur gelangte aus dem Drei-Stühle-Becken und der Gegend um Kronstadt auch in das Gebiet des mittleren Mieresch. Über ihre Siedlungen ist kaum etwas bekannt. Ihre Toten bestatteten sie in Hockergräbern, manchmal in einfachen Grabgruben, manchmal in mit Erdhügeln bedeckten Steinsärgen. Ihre Funde sind hin und wieder mit denen der Cotofeni-Kultur vermischt, weshalb eine ortsweise Verschmelzung beider Völker angenommen werden kann.
An die Stelle der Folteşti-III-Zăbala-Kultur gelangten bald neue Einwanderer nach Südostsiebenbürgen und ins gesamte Gebiet der Walachei. Um die Mitte der frühen Bronzezeit war es das Volk der Glina-III-Schneckenberg-Kultur. Es errichtete seine Dörfer auf herausragenden Höhen. An Tieren hielten seine Angehörigen vor allem Schafe; die Eggen aus Geweih waren primitiv, deuten aber immerhin auf eine Feldbearbeitung hin.
{10.} Das aus Lehm gefertigte Wagenmodell aus Kucsuláta bezeichnet den Einsatz einer Bespannung. Außer krummen Steinmessern und geschliffenen Steinäxten gab es nur wenige Kupferwerkzeuge: Ahlen und Meißel, manchmal auch Flachbeile, Beile und Dolche. Das Material der groben Gefäße ist mit Sand und zerriebenen Muschelschalen vermischt, die Oberfläche der ein- und zweihenkligen Töpfe sowie kleinen Henkeltassen ist geglättet. Die Toten sind in Hockstellung in Steinsärgen bestattet, selten findet man Gebrauchsgegenstände als Beigabe.
In der Zeit, als entlang des Alts das Volk der Glina-III-Schneckenberg-Kultur lebte, befanden sich alle anderen Gebiete Siebenbürgens weiterhin im Besitz der Coţofeni-Bevölkerung. Die Hauptverzierungen ihrer Gefäße aus dieser späten Phase sind vertiefte Linien, die früher allgemein verbreitete Linsenverzierung wird seltener, wenn sie nicht sogar verschwindet. In Kelling bestanden die Häuser aus lehmverschmiertem Geflecht bereits aus zwei Räumen und besaßen eine Feuerstelle eine Folge der veränderten Lebensweise. Wahrscheinlich besteht zwischen dem längeren Verbleib an einem Ort und der größeren Dichte der Siedlungen der Cîlnic-Kultur im Siebenbürgischen Erzgebirge ein Zusammenhang. In diesem Gebiet treten die sogenannten östlichen Kupferbeile, deren Vorläufer bereits aus der Zeit der Cernavoda-III-Kultur bekannt sind, häufig auf. Natürlich wurde diese in Ostmitteleuropa allgemein verbreitete Waffe nicht nur auf dem Gebiet der Cîlnic-Kultur gefertigt, doch besagt es viel, daß ein bedeutender Fund von mehr als 40 Beilen hier, in Bányabükk ans Licht gekommen ist.
Um die Wende von der frühen zur mittleren Bronzezeit wanderten Gruppen aus der Moldau nach Südostsiebenbürgen ins Drei-Stühle-Becken ein. Das ist das mit der Monteoru- und Costişa-Kultur verwandte Volk der Ciomortan-Kultur. Sie umgaben ihre auf dem Burghügel von Csíkcsomortány errichteten Siedlungen mit einem Schutzwall. Von ihren zweihenkligen Krügen, kugelförmigen Schalen und ihren Tassen wurden auch einige den in Hockergräbern bestatteten Toten beigegeben.
In einigen ihrer befestigten Siedlungen können sie nicht lange gelebt haben. Sie konnten dem Einströmen neuer Gruppen der Monteoru-Kultur nicht standhalten und zogen sich in die westlichen Gebiete Siebenbürgens zurück. Ihre Gefäße, die mit charakteristisch eingeritzten Dreiecken und mit durch eingestochene Punkte ausgefüllten Linienpaaren verziert sind, sowie ihre breitmündigen Töpfe erscheinen später noch einmal in der Wietenberg-Kultur.
Die ältesten Funde aus der materiellen Kultur der Wietenberg-Bevölkerung sind im Norden (auch außerhalb Siebenbürgens) zum Vorschein gekommen. Die ältesten Teile sind in vieler Hinsicht mit der frühbronzezeitlichen Ottomány-Kultur im Gebiet jenseits der Theiß verwandt, Einflüsse der Ciomortan- und der Tei-Kultur machen sich erst später bemerkbar. Wie die Menschen der Ottomány-Kultur äscherten auch die Bewohner Siebenbürgens in der mittleren Bronzezeit ihre Toten ein, während ihre Nachbarn in der Großen Ungarischen Tiefebene und außerhalb des Karpatenbeckens ihre Toten bestatteten. Anscheinend ist zu Beginn der mittleren Bronzezeit die Bevölkerung aus dem Gebiet jenseits der Theiß nach Siebenbürgen vorgedrungen, deren Funde auch in Desch und in Bágyon am Aranyos vorkommen. Sie hat sich dort mit der Bevölkerung der Ciomortan- und ganz im Süden mit der der Tei-Kultur vermischt.
{11.} Das Volk der Wietenberg-Kultur eroberte mit Ausnahme des Gebietes jenseits des Hargitagebirges ganz Siebenbürgen. Im Drei-Stühle-Becken ließ sich das Volk der Monteoru-Kultur nieder. Die Siedlungen der Wietenberg-Kultur kommen an den unteren Terrassen der Flüsse, in den Hochebenen und an gut zu verteidigenden Gipfeln vor. Ihre Bauten waren Block- oder Sohlenbalkenhäuser, aber auch in die Erde vertiefte Hütten. Auffallend selten sind mit dem Ackerbau verbundene Gegenstände belegt, bedeutend jedoch war die Jagd und die Tierzucht, in erster Linie die Rinderhaltung. Da die Menschen der Wietenberg-Kultur die ausschließlichen Besitzer der Metallfundstätten in Siebenbürgen waren, haben sie Getreide wahrscheinlich im Tausch gegen Gold und Bronze bekommen.
Alle Arten von Bronzegegenständen und Goldschmuck, die in Ostmitteleuropa bekannt waren, sind auf ihrem Gebiet zum Vorschein gekommen, aber nur sehr selten als versteckte Schatzfunde, obwohl Hortfunde an ihren Grenzen eine Art Ring bilden. Deshalb und ihrer „Hochburgen“ wegen können wir eine zahlenmäßig starke Krieger-Aristokratie annehmen. Außer den Bronzebeilen des östlichen Typs und Nackenscheibenäxten benutzten sie die gleichen Dolche als Waffen wie die Achaier Mykenes. Der Langdolch als Kampfwaffe ist in Ostmitteleuropa ebenso ungewöhnlich wie abweichend von den umliegenden Gebieten das Fehlen von Hinweisen auf die Benützung von Pferden als Reittier.
Da auch andere Züge die Wietenberg-Kultur mit der Mykene-Kultur verbinden, ist es nicht ausgeschlossen, daß die im 16.15. Jahrhundert v. Chr. von Süden her nach Siebenbürgen eingedrungenen Krieger über die ansässige Bevölkerung herrschten. Der Reichtum dieser Aristokratie wurde noch durch die zunehmende Erzförderung und den Verkauf der hergestellten Metallgegenstände vergrößert. Die Produkte der Metallhandwerker werden meistens außerhalb des Gebietes der Wietenberg-Kultur gefunden, wo die Händler leicht in die Hände beutehungriger Fremder fallen konnten. So sind möglicherweise die Hortfunde von Cófalva auf dem Gebiet der Monteoru- Kultur mit Goldäxten, -scheiben und anderem Schmuck oder von Perşinari in Muntenien (aus dem Besitz des Volkes der Tei-Kultur) mit Goldschwertern und -dolchen zusammengekommen. Aus ähnlichem Grund können mehrere andere Hortfunde außerhalb des Gebietes der Wietenberg-Kultur versteckt worden sein.
Der durch das Gold bedingte Wohlstand zeigte sich auf allen Lebensgebieten. Die nicht an die Feldarbeit gebundenen Frauenhände schufen reich verzierte Haushaltsgegenstände, von denen nur die Lehmgefäße bekannt sind. Die kugelförmigen Töpfe, Henkeltassen und Schalen schmückten sie durch Einritzen, Stempeln und Stechen mit Mäandern und Spiralen. Um die Zeremonien auch äußerlich zu unterscheiden, fertigten sie Askoi, Rührgefäße mit mehreren Mundöffnungen und Wagenmodelle. In den Kultbauten gab es verzierte, heilige Feuerstellen wie z. B. auf dem der Kultur den Namen gebenden Wietenberg bei Schäßburg.
Ende des 14. Jahrhunderts v. Chr. fielen von Norden mitteleuropäische Hirtenstämme in das Karpatenbecken ein. Diese eine Kettenreaktion auslösende Völkerbewegung brachte mittel- und unmittelbar die wirtschaftliche Basis der Schmiede, Händler und Kriegsleute Siebenbürgens ins Wanken. Auf den gut bekannten Straßen, auf denen sie vordem ihre Waren transportiert hatten, zogen bisher nie gesehene Menschen. Flüchtende {12.} Gruppen kamen auch nach Siebenbürgen, die lokale Bevölkerung sah sich gezwungen, ihre Wertgegenstände zu vergraben.
Am Mieresch nahm die nachdringende Bevölkerung der „Hügelgräber“-Kultur Südsiebenbürgen in Besitz, ihre Hinterlassenschaft kommt in der Umgebung von Hermannstadt, in der Siebenbürgischen Heide und jenseits des Hargitagebirges zum Vorschein. Zusammen mit der einstigen Bevölkerung der Großen Ungarischen Tiefebene besetzten sie auch Südwestsiebenbürgen. Ein Teil des Volkes der Wietenberg-Kultur zog sich in die Berge zurück und baute Bergsiedlungen, die Mehrheit aber verzog sich nach Norden. Hier, am Samosch, in Marmarosch und in der Karpatoukraine verteidigten sie sich zusammen mit dem Volk der Gyulavarsánd-Kultur gegen das sie von Süden und Westen her bedrängende Volk der „Hügelgräber“Kultur bzw. die mit diesem Volk vermischten Gruppen (Felsõszõcs-Gruppe).
Unter diesen Bedingungen wurde Siebenbürgen wegen der fehlenden Bevölkerungseinheit auf einem größeren Gebiet in der Frühphase der späten Bronzezeit eine leichte Beute der aus den östlichen Steppen einfallenden Hirtenvölker. Diese Bevölkerungsbewegung wird nicht durch vergrabene Schätze angezeigt, da die autochthone Bevölkerung nichts mehr zu verstecken hatte. Die über die Karpatenpässe vorstoßenden neuen Herren, das Volk der Noua-Kultur, drangen im Norden bis zum mittleren Samosch, im Westen bis zum Siebenbürgischen Erzgebirge vor.
Die Siedlungen dieses Rinder und Schafe haltenden Volkes sind kaum bekannt. In der Moldau wohnten sie in Holzbauten leichter Konstruktion, wahrscheinlich existierten diese auch in Siebenbürgen. Ihre Toten bestatteten sie in Hockstellung in Gräberfeldern oder in Urnengräbern. Der Großteil ihrer mit Rippen verzierten Gefäße, zweihenklige Töpfe, stammt von den in der Monteoru-Kultur aufgegangenen Gruppen. Ihre dreispitzigen Pfeilspitzen aus Knochen, die knöchernen Trensenglieder ihrer Pferdezügel mit drei Löchern, ihre bronzenen Warzenhalsnadeln und Hakensicheln führen weit nach Osten, zu der zwischen Dnjestr und Dnjepr lebenden Sabatinowka-Kultur. Diese Protoeuropiden (in Siebenbürgen tauchen auch alpine und mediterrane Typen auf) sprachen wahrscheinlich eine altiranische Sprache. So bedeutet die Ansiedlung des Volkes der Noua-Kultur im Karpatenbecken das erstmalige Erscheinen von Iraniern in diesem Raum.
Irgendwann zu Beginn des ersten Jahrtausends v. Chr. waren die Bewohner Siebenbürgens und des Samosch-Theiß-Gebietes gezwungen, ihre angesammelten Schätze zu verstecken. Die Mehrheit des Volkes der Noua-Kultur flüchtete nach Osten, um nicht in Knechtschaft zu fallen.
Die neuen Eroberer, die Gemeinschaften des Volkes der Gáva-Kultur, besetzten nach und nach das Gebiet entlang der Kokel, das Tal des Alt, die Siebenbürgische Heide und das Samosch-Gebiet. Ein Teil ihrer Siedlungen war befestigt, man wohnte in Block- oder Sohlenbalkenhäusern, in ovalen oder viereckigen in die Erde vertieften Hütten mit einer Feuerstelle aus Lehm in der Mitte. Sie züchteten hauptsächlich Rinder und besaßen einen bedeutenden Pferdebestand. Trotz der zahlreichen gefundenen Bronzesicheln war der Ackerbau von geringer Bedeutung, der Großteil ihrer Fleischnahrung stammte aus der Jagd.
Mit ihrer Ansiedlung blühte erneut das Bronzehandwerk in der Gegend des Siebenbürgischen Erzgebirges auf. Fast alle Werkzeuge, Geräte, Waffen und Schmucksachen fertigten sie aus Bronze. Äxte, Sicheln, Schwerter, Lanzen, {13.} Gürtel, Nadeln und Kessel gerieten in großer, kaum feststellbarer Zahl als Fundbestände in die Erde, so in Ispánlak, Felsõmarosújvár, Großschenk und Prenzendorf.
Das seine Toten verbrennende und in Urnen bestattende Volk der Gáva-Kultur und die mit ihm verwandten Gruppen besetzten zum Ende der Bronzezeit immer weitere Gebiete. Außerhalb Siebenbürgens sind ihre Siedlungen und Gräberfelder im Banat und im Gebiet jenseits der Theiß, östlich der Karpaten in Galizien und Bessarabien zu finden. Einige ihrer Gruppen gelangten bis ins Dnjepr-Gebiet. Südlich der Karpaten, in der Walachei und in Nordbulgarien, lebte in dieser Zeit eine Bevölkerung, die, nach den Überresten ihrer materiellen Kultur zu urteilen, eine dem Volk der Gáva-Kultur ähnliche Sprache gesprochen haben könnte. Dieses Gebiet ist im großen und ganzen mit den späteren bekannten Wohnorten der Daker, Geten und Mösier identisch.
Zwischen dem Ende der späten Bronzezeit und der Erwähnung der Völker in den antiken Quellen sollte man keine bedeutenden Bevölkerungsbewegungen annehmen, die auf diesem ausgedehnten Gebiet zu einem Austausch eines Großteils der Bevölkerung geführt hätten. Darum ist es wahrscheinlich, daß die Gáva-Kultur und die Überreste verwandter Gruppen die Relikte der Vorfahren von Dakern, Geten und Mösiern ist. Ihr Ursprung ist klar: Ein langsamer Verschmelzungsprozeß der autochthonen Bevölkerung aus der mittleren Bronzezeit mit dem Eroberervolk der „Hügelgräber“-Kultur führte schließlich zur Entstehung von Völkern mit gemeinsamer oder ähnlicher Sprache am Ende der Bronzezeit.
Das ruhige Leben der Bergleute und Händler nahm in der ausgehenden späten Bronzezeit ein Ende. Im Donauraum und im Karpatenbecken tauchten zu dieser Zeit erneut asiatische Reitergruppen auf, die dem friedlichen Leben in den Bauerndörfern ein Ende machten. Die sich aus verschiedenen Völkern zusammensetzenden oftmals sich auch bekämpfenden Invasoren verlegten ganze Dörfer, entvölkerten sogar in einigen Fällen größere Gebiete. Nachdem sich die Wellen dieser Bevölkerungsbewegungen wieder gelegt hatten, sind entlang der Donau verschiedene Gemeinschaften festzustellen, die zum Teil sehr klein waren, sich in den meisten Fällen jedenfalls aus vermischten Ethnien gebildet hatten. Auf dem Gebiet der Gáva-Kultur und ihr verwandten Gruppen erfolgte ein interner Bevölkerungsaustausch: Ein Großteil der spätbronzezeitlichen Bewohner Siebenbürgens wanderte wahrscheinlich in das Gebiet jenseits der Karpaten ab. Ihre verlassenen Dörfer besetzten zusammen mit den Eindringlingen Siedler aus dem Gebiet der unteren Donau, zum kleineren Teil aus dem südlichen Transdanubien (dem westlich der Donau gelegenen Teil des heutigen Ungarns).
Die ältesten Denkmäler des Volkes der Basarabi-Kultur tauchen am mittleren Mieresch auf. Dieses Volk hat sich später im gesamten Siebenbürgischen Hochland niedergelassen. Im Gegensatz zu ihren Verwandten in der Walachei hatten ihre Siedlungen eine größere Kontinuität, oft waren diese auch befestigt. Zwischen ihren Häusern aus lehmverschmiertem Geflecht errichteten sie auch luftige Hütten. Dieses Volk lebte hauptsächlich von der {14.} Viehzucht; ein bedeutender Teil der Bevölkerung widmete sich der Metallkunst. Kennzeichnend dafür sind Funde aus dem Grenzgebiet, die Bronzegegenstände enthalten, die bei der Bevölkerung Siebenbürgens nicht oder nur sehr selten, dafür aber in den umliegenden Gebieten in Gebrauch waren.
Es existierte auch ein entwickeltes Eisenhandwerk; neben Waffen und Werkzeugen fertigten sie auch Teile des Pferdegeschirrs und Kleiderzubehör immer häufiger aus Eisen. Anstelle des früheren Zaumzeugzubehörs aus Bronze begannen sie, Eisentrensen derselben Form herzustellen. Ihre Waffen Schwert und Akinakes, das zweischneidige Kurzschwert sind häufig von ähnlicher Form wie die spätbronzezeitlichen Antennenschwerter. Es kommen auch einschneidige Krummdolche mit T-förmigem Knauf vor, wie bei den Waffen ihrer Nachbarn, der Balta-Verde-Gruppe.
Über die Goldbearbeitung ist nicht viel bekannt, es ist aber anzunehmen, daß mehrere Goldgegenstände des Karpatengebietes hier ihren Ursprung haben, weil in dem Fund von Michelsdorf unter anderem die Analogie zu dem Armreifen aus dem Fund von Dalj und der Flügelperle aus dem Fund von Michałkovo zum Vorschein gekommen ist. Auch aus späterer Zeit tauchen nur vereinzelt Goldgegenstände auf; darum ist anzunehmen, daß zumeist für den Handel gearbeitet wurde.
Zu dieser Zeit herrschte in Siebenbürgen ein einheitlicher Bestattungsritus. Die Toten wurden in Rückenlage, mit ausgestreckten Beinen begraben, den Kopf nach Westen oder Osten. Außer ihrer Bekleidung und ihrem Schmuck wurden ihnen auch ihre Waffen und Werkzeuge ins Grab gelegt, als Speisebeigaben Rindfleisch und in den Gefäßen sicherlich auch Getränke. Als Folge des strengen Ritus gelangten nur drei Gefäße ins Grab, eine Urne, eine Henkeltasse und eine Schale mit eingezogenem Rand. Aus der Frühphase unmittelbar nach der Spätbronzezeit existieren auch Angaben über Hügelgräber und Reiterbestattungen, die Gefäße zeigen aber auch damals schon die Merkmale späterer Zeit. Als im Gebiet der unteren Donau und in der Großen Ungarischen Tiefebene die scheibengedrehten Gefäße immer häufiger wurden, gelangten in Siebenbürgen noch immer Gefäße, die eher den früheren glichen, in die Gräber.
Diese früheisenzeitliche Bevölkerung, die sich streng an das Ritual hielt, war zweifellos nahe mit den osteuropäischen Skythen verwandt. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot wußte im ausgehenden 5. Jahrhundert v. Chr. in seinen „Historien“ unter Benutzung der Aufzeichnungen des Hekataios vom Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr., daß der Mieresch, von den Agathyrsen kommend, in die Donau fließt (IV, 48). Die Agathyrsen waren die Nachbarn der Neurer (IV, 125), letztere wiederum lebten am Bug, im Quellgebiet des Tyras, d. i. der Dnjestr (IV, 17, 51). Diese Angaben beziehen sich nicht nur auf Siebenbürgen, sondern auf die gesamte östliche Hälfte des Kapatenbeckens oder sogar das ganze Karpatenbecken.
Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr., zur Zeit des Feldzuges des persischen Königs Dareios gegen die in Europa ansässigen Skythen, wandten sich auch die Agathyrsen gegen die Skythen. Das weist auf persisch-agathyrsische Kontakte, auf ein potentielles „Bündnis“ hin, und in diesem Licht erscheint es beachtenswert, daß eine Inschrift des Dareios gerade in Siebenbürgen, in Neuschloß, gefunden worden ist.
Herodot (bzw. Hekataios) schreibt, daß die Agathyrsen sich mit Gold schmückten und in Frauengemeinschaften lebten (IV, 104). Letzteres kann {15.} sich auf Gruppenehen oder wahrscheinlicher Vielmännerei beziehen. Auf alle Fälle treffen die Angaben des Hekataios kaum auf die Spätphase der Gräberfelder in Siebenbürgen, die Csombord-Periode, zu. Sie beziehen sich also auf eine frühere Zeit.
Die Siebenbürger Agathyrsen dehnten ihr Siedlungsgebiet um 500 v. Chr. weiter aus. Ihre charakteristischen Produkte sind auch im östlichen Teil der Großen Ungarischen Tiefebene zu finden. Als sich zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. in diesem Gebiet Gruppen aus der Walachei und dem mittleren Balkan ansiedelten, gaben sie jedoch ihre Niederlassungen in der Tiefebene auf, ihre Siedlungen in Siebenbürgen blieben aber unbehelligt. Ihre innerhalb und außerhalb des Karpatenbogens verbreiteten Metallarbeiten (Spiegel, Akinakes, Köcher u. a.) bezeugen, daß sie auch weiterhin die Nachbargebiete und entferntere Gegenden mit den allgemein beliebten skythischen Gegenständen beliefert haben.
Sie verschwanden allerdings aus dem griechischen Blickfeld. Herodot erwähnt noch einen ihrer Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. herrschenden Könige, Spargapeithes (IV, 78). Als letzter schreibt Aristoteles, der Lehrer Alexanders des Großen, daß sie ihre Gesetze achteten und diese gesangsweise vortrugen (Probl. 19, 28). Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. lebten sie noch in Siebenbürgen. Dann aber bestatteten sie wie die archäologischen Funde belegen nicht mehr in den agathyrsischen Gräberfeldern. Die Bewohner Siebenbürgens verließen ihre Toten und zogen fast ausnahmslos in andere Gebiete. Der Grund für ihre Flucht war das Erscheinen der Kelten. Diese hatten sich bereits Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. im östlichen Teil des Balkans ausgebreitet. 335 v. Chr. schickten sie Friedensboten an Alexander den Großen, dann aber schlug Kassandros in der Gegend des Balkangebirges ihre Angriffe zurück.
Das entvölkerte Siebenbürgen gelangte eine Zeitlang in die Hand von Gruppen, die eine neue Heimat suchten. Archäologische Spuren der Ansiedlung sind hauptsächlich erst wieder vom Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr. anzutreffen. In der Zwischenzeit sind nur einige Bestattungen von Kriegern, die durch den Balkan zogen, durch Grabfunde bekannt geworden. Funde des frühen keltischen Stils, die abweichend von der Mehrheit des latènezeitlichen Materials als keltische Hinterlassenschaft betrachtet werden können, kommen in der Nähe des Siebenbürgischen Erzgebirges sowie am Sajó und am Großen Samosch vor. Unter den Bewohnern des Teils Siebenbürgens, der später zu Dakien gehörte, ist nur eine einzige ethnische Gruppe keltischen Ursprungs bekannt, die Kotiner-Kotensier (Ptolemäus III, 8, 3, Inscriptiones Latinae Selectae 8965). Über den in der westlichen Hälfte des nördlichen Mittelgebirges angesiedelten Teil dieser ethnischen Gruppe schreibt Tacitus, daß sie zu ihrer Schande sei es gesagt Eisen schürften (Germania 43). Der Kontext der Angaben gestattet es, in den dakischen Kotinern die Nachfolger der Kelten des 3. Jahrhunderts v. Chr. zu vermuten. Ihre Zahl war gering, sie bildeten aber eine bedeutende Minderheit der keltenzeitlichen Bevölkerung Siebenbürgens.
Die Mehrheit der sich jetzt in Siebenbürgen niederlassenden Bevölkerung waren Daker aus dem Theißgebiet der Großen Ungarischen Tiefebene. Die frühen Merkmale ihrer materiellen Kultur wurden durch die dominierende keltische „Mode“ überdeckt. Es kamen die einfarbigen Produkte der über weite Räume liefernden Handwerksindustrie auf: robuste Töpfe, Urnen, {16.} einhenklige Töpfe und kleine Krummesser. Der Großteil der späteisenzeitlichen Gräberfelder Siebenbürgens bewahrte die Überreste der Toten dieses Volkes. Der Bestattungsritus ist so vielfältig wie in der Tiefebene. Die Toten wurden ins Grab gelegt oder ihre verbrannten Überreste auf den Boden des Grabes gestreut bzw. manchmal auch in Urnen beigesetzt.
Die allgemeine Verbreitung der scheibengedrehten Gefäße und die Metallkunst, die Werkzeuge aus Eisen für den Ackerbau und den Hausgebrauch herstellte, deuten auf die besondere Stellung einer sich ausschließlich mit dem Handwerk befassenden Schicht hin. In manchen Fällen ist auch wenn man z. B. die Kotiner in Betracht zieht eine ethnische Sonderstellung der Handwerker vorstellbar. Waffen, zahlreiche Pferdegeschirre und Streitwagen bezeugen bei gleichzeitigem Vorhandensein unbewaffneter Gemeinschaften die Existenz einer herrschenden Kriegerschicht. Diese gesellschaftliche Struktur ermöglichte auch die Herstellung einer bedeutend größeren Zahl von Produkten. Alle diese Faktoren bildeten die Voraussetzung dafür, in Siebenbürgen und den umliegenden Gebieten anstelle des unmittelbaren Tauschhandels neue Wertmaßstäbe in Form von Münzen einzuführen.
Für die als „ostkeltisch“ oder „dakisch“ bezeichneten Münzen dienten die Tetradrachmen Philipps II. und Alexanders des Großen als Vorlage. Anfangs wurden die Nachahmungen noch gemeinsam mit den Münzen der makedonischen Könige benutzt. Die Münzprägung folgte den politischen Ereignissen: Nach dem Auftauchen Burebistas wurden makedonische Münznachahmungen nicht mehr geprägt. Der Kontakt Siebenbürgens mit der „keltischen Welt“ war aber bereits früher unterbrochen. Seit 150 v. Chr. prägten die lokalen Münzstätten nur noch Münzen, die außerhalb der Karpaten und in der Tiefebene nicht oder nur sehr selten in Gebrauch waren.
| I. Urzeit und Antike | INHALT | 2. Das dakische Königreich |