Einführung

Johann Heinrich Bisterfelds Bedeutung im Geistesleben Europas im XVII. Jahrhundert, besonders im siebenbürgischen Schulwesen, sowie in der Theologie und Philosophie wird erst in den letzten Jahren erkannt. Obwohl die fünfundzwanzig Jahre, die er im Dienst in Siebenbürgen verbracht hat, in der zeitgenössischen Diplomatie und Wissenschaftlichkeit tiefe Spuren hinterlassen haben, fanden sie in der Kulturgeschichte unseres Jahrhunderts fast keinen Anklang. Die Historiker, Literaturwissentschaftler und Philosophiehistoriker teilen seine Tätigkeit aufgrund ihrer eigenen Gesichtspunkte auf, während sein große Wirkung ausübendes Traktat De uno Deo nie gewürdigt wurde. Allein Jan Kvaèalas einzige schriftliche Arbeit von größerem Umfang (1891) geht es um Bisterfeld. Heute wird diese Arbeit als Grundlage für jede neue Forschung angenommen. Die richtige Bestandsaufnahme seiner Werke und Korrespondenz wurde bis jetzt noch nicht vorgenommen. Es ist charakteristisch, dass seine in Siebenbürgen erschienenen Werke im Ausland überhaupt nicht bekannt sind. Das markanteste Beispiel dafür ist das im Jahre 2001 erschienene Handbuch für Philosophiegeschichte (Grundriss 2001), das sich in einem Einzelkapitel mit Bisterfeld beschäftigt, aber in der Bibliographie wird einerseits die Tätigkeit des Vaters Johann Bisterfeld und des Sohnes durcheinander gebracht, andererseits kommen die siebenbürgischen Werke gar nicht vor.

Was seine Werke anbelangt, ist es auffallend, dass dem Werk De uno Deo (Leiden, 1639) von keinen anderen Publikationen gefolgt worden war, obwohl es aus seinen Berichten bekannt ist, dass er schon in der ersten Hälfte der 40er Jahre abgeschlossene Manuskripte hatte. Auch auf den westeuropäischen Buchmärkten bestand angesichts dieser Handschriften der Anspruch: fast gleichzeitig zu den ungarischen Ausgaben sind seine Werke im Westen nacheinander erschienen, bis das große Bisterfeldius redivivus (Den Haag, 1661), das seinem Lebenswerk die Krone aufsetzt. In dem Buch, dessen Autograph dem Herausgeber von Studenten aus Siebenbürgen übermittelt worden ist, befinden sich vierzehn Traktate von ihm in verschiedenartigen Themenkreisen: die vollkommene Variante seines Buches Logica und die ersten Auflagen seiner sprachwissenschaftlichen, physischen, kombinatorischen und didaktischen Werke. Während die Herausgabe seiner Werke in Siebenbürgen nach seinem Tode abgebrochen worden ist, ist sein berühmtes Werk De uno Deo in Westeuropa noch in drei Auflagen erschienen. Das letzte Werk von ihm wurde 1702 herausgegeben, seitdem sind Bisterfelds Bücher der Vergessenheit anheim gefallen.

Seine heute erst unvollständig bekannte Korrespondenz war von imposantem Umfang: es sind 86 erschienene und 35 unveröffentlichte Briefe von ihm bekannt. Es kann anhand der erhalten gebliebenen Angaben festgestellt werden, dass er sowohl in politisch-diplomatischen als auch in wissenschaftlichen Sachen einen außerordentlich ausgebreiteten Briefwechsel führte. Die Adressaten der Briefe lebten in Mittel- und Westeuropa. Einige interessante Briefe verraten uns, wie hoch Bisterfeld in politischen und wissenschaftlichen Kreisen in Europa geschätzt wurde: Marin Mersenne, Ludwig Camerarius, Hugo Grotius, Andreas Rivetus, Friedrich Spanheim, Samuel Hartlib, Johann Amos Comenius, John Dury, von den Politikern Kardinal Mazarin und Axel Oxenstierna haben alle Briefe an den siebenbürgischen Gelehrten geschrieben. Die interessantesten unter den im Rákóczi-Archiv erhalten gebliebenen Briefen, derer Adressat der junge Herzog Sigismund Rákóczi war, wurden schon in den 1890er Jahren von Sándor Szilágyi herausgegeben: achtunddreißig Briefe, die zwischen 1649 bis 1651 geschrieben worden sind. Die Briefe von Sigismund Rákóczi an Bisterfeld sind verschwunden. Zahlreiche Briefe von ihm befinden sich in westeuropäischen Archiven noch unveröffentlicht und es wäre für die siebenbürgische Kulturgeschichte sehr nützlich, diese Briefe herauszugeben. Besonders wichtig sind die Briefe an Andreas Rivetus, da er als Theologe in Leiden, später als Hofprediger und Erzieher in den Haag beim Statthalter von Oranien Friedrich Heinrich eine bedeutende Rolle spielte. Mit Hilfe des unlängst in Hermannstadt (Nagyszeben, Sibiu) gefundenen Bisterfeld-Nachlasses ist es möglich, einen Teil der Namen seiner Korrespondenten zu rekonstruieren, von denen uns der Name des Amsterdamer Johann Rulitius auffällt, der als der Pfarrer der hiesigen deutschen Gemeinde tätig war. Zu seinen Freunden zählten der Danziger Pfarrer Albertus Niclasius und der Leidener Theologe Friedrich Spanheim, aber er hatte auch zu Claudius Salmasius aus Leiden und David Frölich aus Käsmarkt (Késmárk, Kešmarok) gute Beziehungen.

Ich bin bestrebt, in dieser Bibliographie einen möglichst umfassenden Überblick über die Tätigkeit von Bisterfeld zu geben. In Begleitung einer Studie veröffentliche ich die Liste seiner Briefe, das Verzeichnis seiner bekannten Disputationen und Werke, die Stücke der handschriftlichen Kopien seiner Vorträge und den unlängst gefundenen fragmentarischen Bibliothekskatalog von ihm und seinem Nachkommen. Die Zahl der Angaben vermehrt sich in der Zukunft hoffentlich, besonders von den unveröffentlichten Briefen und Albumeintragungen sind noch neue Ergebnisse zu erwarten.

Bei den Bezeichnungen bin ich dem Muster der Herausgeber der Alten Ungarischen Drucke (Régi Magyarországi Nyomtatványok, RMNy) gefolgt. Eine vollständige Beschreibung habe ich nur bei den Werken von Bisterfeld gegeben.




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