CÍMLAP
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TARTALOM, ELŐSZÓ |
Antwort an Petőfi
An meinen Freund Petőfi
Was machen wir?
Knechtsseelen
Jahrestag
Toldi
Ich lege meine Laute nieder
Meine Hoffnung
Im Herbst
Familienkreis
Was ist die Welt?
Auf dem Friedhof
Rückblick
Gedenkverse
Aufklang zu Prinz Csaba
Klara Zách
Szondi's Pagen
Die Barden von Wales
In der Einsamkeit
Brief der Redaktion
Zynismus
Epilog
Auf dem Jahrmarkt
Der alte Herr und seine Zither
Stirb singend
Nach dreißig Jahren
Die alte Klage
Unter Eichenbäumen
Generalsekretariat
In fruchtloser Stunde
Brückenweihe
Zivilisation
Formzwang
Dieses Leben
Ein Philosophe
Ahnung
Alter Schauspieler
Vorahnung
JÁNOS ARANY (1817-1882)
Fragt man nach dem größten Dichter Ungarns, wird Arany an erster Stelle genannt. Höchstens Petőfi wird ihm den ersten Platz streitig machen, dann ist ihm der zweite sicher. Petőfi ist in der ganzen Welt bekannt; dazu machte ihn sein eruptives Dichtergenie, das wie eine Rakete aufschoß und nach 26 Jahren auf dem Schlachtfeld für die Freiheit erlosch. Arany lebte 66 Jahre und hinterließ ein bedeutendes Werk, das vielseitig mehrere Gattungen einschloß. Trotzdem ist sein Weltruhm bei weitem nicht so sicher, wie er es verdiente, und es ist keine Frage, daß daran auch dieses Bändchen, das hauptsächlich den Lyriker vorstellt, nicht viel zu ändern vermag. Schon allein der Umfang beschränkt die Möglichkeiten, wobei auch die Problematik der Übersetzbarkeit ein Faktor ist, der die Hoffnungen nicht allzu hoch sthrauben läßt.
Wer war dieser Arany? Er selbst sagte dazu in seiner Antwort an Petőfi:
Fragst du, wer ich bin? Ein Sproß des Volks, ein schlichter,
einer, der nur mit und in dem Volksstamm lebt,
der sein Schicksal teilt, und singt er was als Dichter,
in das Lied des Volkes Wohl und Weh einwebt.
Dieses Gedicht schrieb Arany zum Dank an Petőfi, als dieser ihn, den Unbekannten, mit einem Brief und einem Gedicht beglückwünschte zu seinem Epos Toldi, mit dem der namenlose Dorfschreiber als Gewinner eines von der Kisfaludy-Gesellschaft ausgeschriebenen Preises in die Literatur hineinplatzte. Allerdings hatte er bereits zwei Jahre vorher mit der satirischen Dichtung Die verlorene Verfassung, der Persiflage eines Wahlkampfes, einen Preis gewonnen. Damit und dann erst recht mit Toldi, dem entzückenden, geschichtlich-heroischen und bäuerlich unmittelbaren Heldengesang und dann diesem nach zwei jahren folgenden bedenklicheren Toldis Abend hat sich Arany für die Epik verpflichtet, eigentlich für sein ganzes Leben. Davon zeugen die großen Epen Budas Tod und das Alterswerk Toldis Liebe, der überreife mittlere Teil der Toldi-Trilogie. Außerdem schrieb Arany noch einige kürzere, teils unvollendete epische Dichtungen (Istók der Nari, Der Dorfnarr), und hier sei noch das mit Herzblut geschriebene tragikomische Epos genannt, Die Zigeuner von Nagyida, eine Persiflage der überstandenen Ereignisse der Revolution und des Freiheitskampfes. Die höchste Stufe als Epiker erreichte Arany aber mit seinen Balladen. Wenn Aranys Vorhaben, das nicht existente oder nicht erhalten gebliebene ungarische Nationalepos neu zu schaffen - eine Hunnentrilogie, basierend auf der angenommenen Verwandtschaft der Ungarn mit den Hunnen, Budas Tod sollte ein Teil davon sein - hinter seiner Zeit, die Epen nicht mehr wünschte, zurückgeblieben war, so gilt das gewissermaßen auch für die Balladen; nun erreichte Arany aber gerade in seinen Balladen die höchste Stufe, eine Kunst, tragische Stoffe mit Atmosphäre und markanten Charakteren zu gestalten, die ihn unbedingt in seiner ganzen Größe erscheinen läßt. Davon sollen vier Balladen in diesem Band überzeugen (Klara Zách; Die Barden von Wales; Szondis Pagen; Brückenweihe). Unvergänglich und immer wieder gelesen werden die Balladen und die lyrischen Gedichte, von denen eine Auswahl ebenfalls in diesem Bändchen enthalten ist.
Also war Arany auch Lyriker? Gewiß war er das. Man braucht nur in diesem Band zu blättern, um sich davon zu überzeugen. Auffallend ist dabei nur eins: Die Liebeslyrik ist bei Arany soviel wie nicht vorhanden. Ist das denkbar? Bei einem Dichter, der als Lyriker gelten will? Diese Frage provoziert eine andere: Wollte Arany "gelten"? Sicherlich wollte er das, aber bei der Strenge gegen sich selbst strebte der tiefsinnige Grübler sicher nicht den Rang des Nationaldichters an. Und dennoch wurde er der Nationaldichter, der "ungarische Goethe", aber gleichsam ungewollt: Ehrung, Förderung, Rang, Titel flossen ihm zu. Zuerst mit Toldi, einer Dichtung, die, an sich vollkommen, zur richtigen Zeit mit seinem volkstümlichen Realismus ins Schwarze der Sehnsucht eines Volkes, eines bäuerisch-adligen Volkes traf -, Toldi ist und bleibt unübertroffen. Der Bauernsohn Arany wurde aus seinem bescheidenen dörflichen Milieu herausgerissen; natürlich sei nicht vergessen: Er hatte sich eine außerordentliche Bildung angelernt und angelesen. (Er übersetzte Shakespeare und Aristophanes, Byron und Burns, Goethe und Béranger usw., alles meisterhaft.) So ist er dann aus seinem Dorf Nagyszalonta zum Mittelschullehrer in die Stadt Nagykőrös berufen worden; auf seinen Dichterruf hin wählte ihn die Kisfaludy-Gesellschaft, die Vereinigung der literarischen Elite, zu ihrem Leiter, und zum Herausgeber einer literarischen Zeitung; die Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitglied, dann zu ihrem Sekretär und schließlich Generalsekretär. Da wohnte Arany bereits seit einiger Zeit in Pest und bezog nun im neuen Palais der Akademie eine Dienstwohnung. Arany erfüllte als Beamter mustergültig die Amtsgeschäfte, auch wenn das auf Kosten seiner Schaffenskraft ging. In all diesen Jahren schrieb er an seinen großen Epen, Balladen und zwischendurch flossen, fast ungewollt, lyrische Gedichte aus seiner Feder. Wieder eine Frage: Tat Arany, ein so bewußter, sorgsamer Dichter, solch ein Meister der Sprache - je etwas ungewollt? Wohl kaum. Aber man muß schon seine Lyrik lesen, um die besinnliche, von Zweifeln geplagte Art dieses ewig mit sich unzufriedenen Dichters kennenzulernen, der sein Leben, seine Werke als Bruchstücke ansah. Wie konnte er dennoch den hohen, ja höchsten Rang in der ungarischen Literatur erlangen? Durch die Sprache, möchte man zu allererst sagen, wobei man Sprache nicht als äußeres Gewand auffaßt. Wie könnte sonst die Sprache Aranys die Wirkung auf seine Zeit und auf Generationen hinaus haben, wenn sie nicht von Geist, einem schillernden, tiefgründigen, obgleich humorvoll volkstümlichen, aber doch nicht simpel realistischen Geist erfüllt gewesen wäre; Arany ist nicht der Dichter, weder in seiner persönlichen noch in seiner Gedankenlyrik, der ohne jede Schwierigkeit dem Leser zugänglich ist. Aranys Gedichte - vielleicht die dramatischen Balladen ausgenommen - eignen sich nicht zum rezitieren. Bei weitem nicht so wie die Petőfis, mit dem er "ein Leib und eine Seele" war, und der ihm auch "Nach dreißig Jahren" unvergeßlich gegenwärtig blieb, und mit dem er sich, im Gegensatz zu den Vorgängern, im Volkstümlichen identisch wußte. Er war es aber nur bedingt. Ihn beherrschte statt der Spontaneität Selbstbesinnung, unbeugsame Moral und ein Hauch Romantik. Allerdings war ihm eine längere Lebens- und Entwicklungszeit beschieden. Er machte mit Petőfi die Revolution von 1848 durch, mußte sich dann aber nach dem Zusammenbruch des Freiheitskampfes mit der absolutistischen Habsburger Herrschaft abfinden. Als dann 1867 mit dem sogenannten Ausgleich die verfassungsmäßige Ordnung in der Monarchie wieder hergestellt wurde, konnten deren Halbheiten Arany nicht passen, er schwieg und vergrub sich in seine Arbeit. Aber der Lyriker schwieg nur zum Schein, der Frühgealterte schrieb seine Herbstblüten in ein verschließbares Buch und ließ nur dann und wann auf Drängen das eine und andere drucken. In Kenntnis dieser Tatsache lese man in diesem Band: In fruchtloser Stunde; Auf dem Jahrmarkt; Unter den Eichenbäumen; Der alte Herr und seine Zither. Und all dem setzt Epilog die Krone auf.
Arany galt und gilt als Klassiker der ungarischen Literatur. Als Vorbild und Maßstab. So wirkte er fördernd auf die nachfolgenden Dichtergenerationen, aber allmählich wirkte er mit seiner Autorität auch hemmend. Erst mit dem Anfang des folgenden Jahrhunderts vermochte sich die ungarische Dichtkunst über Aranys Horizont hinauszuwagen.
Géza Engl