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CÍMLAP

Janus Pannonius Gedichte : Auswahl

TARTALOM, ELŐSZÓ


Einleitung

IN ITALIEN GESCHRIEBENE GEDICHTE

Epigramme

Über die Änderung seines Namens

Über die Künste

An den Dichter Martial

An Leonello, Herzog von Ferrara

Über einen Liebhaber alter Bücher

Über sich selbst

An Paolo

An Guarino da Verona

Über einen Scheingebildeten

Über denselben

Auf einen Plagiator Vergils

Gegen Gryllus

An Ugo

Auf einen Plagiator seiner Gedichte

An Gryllus

An Prosper

An Agnes

Als er mit einer Frau schlafen wollte

Über seine Freundin

Über Silvia

Als ihn seine Freunde ins Freudenhaus schleppen wollten

An Libera

Über Ambrosio

Gegen den Ehebruch

An Lucia

Eine peinliche und schwierigh Frage

Über sein Lebensalter

An Pindola

Verspottung der Pilger zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in Rom

Über Ambrosio

An Paolo

An Ovillus

An Hodus

An Laurus

Wo man Eseln die Last abnimmt

Klage des Janus Pannonius über die Zerstörung Konstantinopels (a. Analecta 121)

Epitaph für Johannes Hunyadi, den Vater des Königs Matthias

An Rufus

An Marcello

Über Sigismund Malatesta, den Tyrannen von Rimini

Über denselben

Rom an seine Besucher

Auf einen Vogel, der ohne Kopf weiterflog

Über Laurentius Valla

Über eine Wandlung seiner selbst

Verspottung der Pilgerfahrt Galeottos

Panegyrikus auf Guarino da Verona

Lob des Malers Andrea Mantegna aus Padua

Preislied auf die Göttin Feronia, die Fürstin unter den Najaden Italiens,
verfaßt von janus Pannonius bei seiner Rückkehr aus Rom am 9. Juni anno 1458



IN UNGARN GESCHRIEBENE GEDICHTE

Epigramme

Lob Pannoniens

Rechtfertigung deines Fernbleibens von der Schlacht

An König Matthias

Gebet an die Götter für König Matthias

Antwort an Vitus

An Kaiser Friedrich

Über Papst Paul

Über denselben

Warum jetzt nicht mehr wie voreinst die Geschlechtsteile der Päpste überprüft werden

An Galeotto

Über das Los der Höflinge

Über einen pannonischen Mandelbaum

Bitte um Frieden

Über die Löwen, welche die Florentiner dem König Matthias übersandt haben

An Galeotto von Narni

Bitte an Mars um Frieden

Janus Pannonius in der Stunde seines Todes

Janus im Fieber an Blasius im Felde

Auf einen Kometen, der an einem Sommermittag erschien

Als er im Feldlager krank darniederlag

Wehklage über den Tod seiner Mutter Barbara, 1463

Wehklage über seine Krankheiten im Monat März anno 1466

An den Schlaf

An seine Seele

Die Überschwemmung

Auf einen Baum, der allzu üppig Frucht trug

Abschied von Várad


JANUS PANNONIUS 1434-1472

Daß diese - mengenmäßig bescheidene - Auswahl, in der sechs Dichter in Einzelbändchen, die Höhen der ungarischen Lyrik repräsentieren, mit Janus Pannonius beginnt, der ausschließlich lateinisch schrieb, bedarf einer Begründung. Zeitlich ist er der früheste große Lyriker, den Ungarn - nach humanistischer Benennung: Pannonien - hervorbrachte. Geboren und gestorben ist er auf dem Boden Pannoniens, brachte es in diesem Land zu höchsten kirchlichen und politischen Würden, und doch schrieb er nie in der Landessprache. Die wäre damals für den subtilen, verfeinerten Stilkünstler ein zu rauhes Organ gewesen. Es war das Jahrhundert der Humanisten, und er hatte die glänzendste Ausbildung auf den Hochschulen Italiens, in Ferrara und Padua genossen. Natürlich in der elegantesten Sprache der damaligen Dichter, der lateinischen.

Von seiner Kindheit und seinen Familienverhältnissen wissen wir nur, daß er als Sohn eines wenig bemittelten Adligen namens Johan von Csezmice am 29. August 1434 in einer Ortschaft, wo die Drau in die Donau mündet, geboren wurde. Die Mutter scheint früh Witwe geworden zu sein, war aber die Schwester von János Vitéz, Bischof von Großwardein, der unter Johannes Hunyadis Regentschaft Kanzler, Privatsekretär und auch Erzieher des Sohnes Matthias Hunyadi, dem nachmaligen König von Ungarn war. Der Onkel, namhafter Humanist und Bibliophile auch selbst, nahm sich seines Neffen an, zumal dieser sehr bald außerordentliche Fähigkeiten zeigte. Der Bischof schickte den Dreizehnjährigen auf die Schule von Guarino da Verona nach Ferrara; hier verbrachte Janus sieben Jahre und erwarb seine außergewöhnlich hohe, klassische griechisch-lateinische Bildung. Der Jüngling aus Ungarn erwies sich als ein Wunderknabe, der schon auf der Schulbank Verse schrieb, Epigramme, zum Spott und Lob seiner Kameraden und Freunde. Die Epigramme, in denen er auf Tagesereignisse des Studentenlebens genauso wie auf Gelesenes und Gehörtes einging, immer mit etwas Spott oder Gesellschaftskritik ein wenig in der Art des Martial, machten ihn in kurzer Zeit in weitem Umkreis bekannt. Sehr bald konnte er sich des Mißtrauens, das man dem von weither über die Berge gekommenen Barbaren entgegenbrachte, erwehren: Größen wie Guarino, Ficino und Enea Silvio Piccolomini erkannten ihn als ihresgleichen an - allerdings erst später. Zunächst verspottete er die Pilger, die zum Heiligen Jahr nach Rom gingen, und er verschonte auch den Papst nicht. Früh erwachten auch die sexuellen Begierden bei dem Jüngling, und er schrieb eine ganze Anzahl erotisch-obszöner Epigramme. Der Sechzehnjährige, der nicht duldet, daß man ihn für einen Unreifen halte (Über sein Lebensalter), beklagt sich in einem anderen Epigramm, daß die Kameraden ihn ins Freudenhaus mitgeschleppt haben. Schon in dieser italienischen Frühzeit schrieb er auch ernste Gedichte, unter denen der (später ergänzte) Panegyrikus auf Guarino da Verona hervorragt. In diesem Gedicht ist ebensoviel von kindlicher Anhänglichkeit wie von schwärmerischer Bewunderung für den Meister, und dabei soviel menschliche Aufrichtigkeit, daß man die Zeilen auch heute nur mit Ergriffenheit lesen kann. Nicht ohne Stolz erwähnt er im Gedicht, daß er dazu auserwählt wurde, die Musen der antiken Welt in seinem pannonischen Vaterland heimisch zu machen; durch diesen Satz erhöht sich das konventionelle Lobgedicht zu einem gewaltigen dichterischen Programm, das Janus auch ausgeführt hat, denn seine schöpferische Tätigkeit war entscheidend für den Einzug der Renaissance und des Humanismus in die ungarische Kultur (s. Lob Pannaniens).

Nach sieben Jahren Studiums verließ er auf Wunsch seines Onkels Ferrara und Guarino, um an der Universität von Padua Jura zu studieren, denn der Onkel Bischof wollte den Neffen zum Diplomaten erziehen. Mit dem Doktorhut versehen, gewappnet mit allen Vorzügen der Renaissancekultur, kehrte er 1458 nach Ungarn zurück; es war das Jahr, in dem König Matthias Corvinus den Thron bestieg. Der Heimgekehrte machte rasch Karriere, wurde zunächst Domherr an der Seite des Onkels in Várad (Großwardein), kurz darauf Bischof von Pécs (Fünfkirchen) und Leiter der königlichen Kanzlei, der auch wichtige diplomatische Missionen (z. B. in Rom beim Papst) ausführte. Nun erst wurde Janus zum großen Dichter, nachdem die Zeit und die Gelegenheiten für die verspielten Epigramme vorbei waren; an ihre Stelle traten monumentale, an Personen gerichtete Gedichte, auch Epitaphe; seine eigentliche Gattung fand er jetzt in der Elegie, und man kann wohl die in Ungarn entstandenen - obgleich der Dichter hier die in Italien selbstverständliche Schicht der Gleichgesinnten und Gleichgebildeten entbehren mußte -, für die Hochleistungen seiner Dichtkunst ansehen. Janus Pannonius war kein weltfremder Literat, kein Stubengelehrter, wie viele seiner humanistischen Zeitgenossen, vielmehr nahm er am Leben seiner Umwelt, an allen großen und kleinen, politischen und privaten Ereignissen Anteil und faßte sie in ergreifende oder humorvolle Gedichte: Lagerleben, Reisen, Bekanntschaften, Liebe, ein im Winter blühender Mandelbaum, Tod der Mutter, eine Überschwemmung, der Fall Konstantinopels -, alles verwandelte sich in brillante lateinische Verse. Erwähnt sei vor allem Abschied von Várad, mit den überraschend modern wirkenden Kehrreimen, dann Die Überschwemmung, An den Schlaf u. a.

Dem erfolgreichen Dichter, Kirchenfürsten und Staatsmann blieben schwere Schicksalsschläge nicht erspart: 1460 starb sein angebeteter Meister Guarino da Verona, und drei Jahre später seine über alles geliebte Mutter. Das Andenken an sie bewahrt ein Klagelied (Thrénos), in dem der untröstliche Dichter in aufrichtig schmerzvollen Worten, jedoch in gedämpft würdevoller Lyrik seiner Trauer Ausdruck gibt. Ein Humanist, der nicht in der unermeßlichen Flut antiker Mythologie untergeht, aus ihr vielmehr nur großen Dichtern eigenen persönlichen Ton schöpft. Ein Jahr später erkrankte auch er selbst und konnte nicht mehr an den Feldzügen des Königs teilnehmen; wahrscheinlich hatte er ein Lungenleiden, das seinen frühen Tod verursachte. Nun folgen erschütternde lyrische Gedichte (etwa: Als er im Feldlager krank darniederlag), ganz im Gegensatz zu den früheren lebensfrohen, militanten Versen. Nun kann er seine Sorgen immer weniger verschweigen, Todesangst plagt ihn (Janus im Fieber an Blasius im Felde), er klagt über schlaflose Nächte, schreibt seine eigene Grabschrift; dazu kommen auch noch die Sorgen wegen der bedrohlichen Türkengefahr, und dieses Zusammentreffen: Sorgen um Heimat und Eigenleben finden in manchen Gedichten hinreißenden Niederschlag. Zum Beispiel in der Allegorie Über einen pannonischen Mandelbaum, der zur Zeit des größten Winters wie durch ein Wunder erblühte, und den der Frost gewiß bald verbrennen wird. Das kurze Gedicht ist als ein Bekenntnis zur Heimat aufzufassen. In seinen späten Gedichten kommt auch die Sorge um die eigene Dichtung zum Ausdruck, er glaubt nicht an den Bestand der durch ihn verwirklichten humanistischen Poesie in der Heimat. Gegen den Kummer um den körperlichen und geistigen Schwund sucht der katholische Bischof Trost nicht in der Religion, sondern in der humanistischen philosophie, in der von christlichen Motiven durchsetzten Neuplatonik, wie sie der Florentiner Zeitgenosse, Marsiglio Ficino, lehrte.

1467 hatte Janus seine Plutarch-Übersetzung ins Lateinische beendet und sie mit einer Widmung König Matthias zugeschickt. In dieser Widmung erlaubte er sich, Kritik über die Innen- und Außenpolitik und die autokratischen Gesten des Königs zu üben. Um diese Zeit wurde auch sonst im Lande Unzufriedenheit über den autokratischen Regierungsstil des Königs laut, die einige Oligarchen und humanistische Politiker in ein gemeinsames Lager brachten. Es entstand eine Verschwörung gegen den König, man wollte ihn absetzen und einen polnischen Prinzen auf den Thron erheben. Dieser Verschwörung stellten sich Erzbischof János Vitéz und sein Neffe, Janus Pannonius an die Spitze. Ein sehr bedenklicher Abfall vom Hause Hunyadi, wenn man den Lebenslauf dieser beiden Männer, besonders den des älteren noch unter János Hunyadi kennt. Matthias sprengte die Verschwörung, Janus Pannonius mußte flüchten und starb unterwegs in einer Burg bei Agram (Zagreb) am 27. März 1472. Der greise János Vitéz überlebte ihn nur um wenige Monate, starb aber immerhin in seiner erzbischöflichen Residenz in Esztergom.

König Matthias versöhnte sich mit dem toten Dichter. Er genehmigte ihm ein glänzendes Begräbnis in seiner Bischofsstadt Pécs. Die literarische Hinterlassenschaft ließ Matthias von seinem humanistisch gebildeten Kanzler, Péter Váradi, sammeln und in der Königlichen Bibliothek, der berühmten Corvina, unterbringen.

Géza Engl


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