Nádasdy, Tamás (1498 - 2. Juni 1562, Egervár)

Nádasdy, Tamás in Rüstung
Der bedeutendste ungarische Politiker und großzügigste Mäzen der Mitte des 16. Jahrhunderts. Entstammte einer Adelsfamilie niederen Ranges. Studierte in Italien (Bologna, Rom) und diente dann bei König Ludwig II. als Sekretär. Seine Begabung, sein ausgezeichnetes diplomatisches Gespür und eine hervorragende Heirat ebneten ihm den Weg zu den höchsten ungarischen Ämtern und verhalfen ihm zu beträchtlichem Reichtum. Seine Frau, Orsolya Kanizsai, brachte die Herrschaftsgüter von Nagykanizsa, Sárvár und Kapuvár mit in die Ehe. Er war zunächst Schatzmeister (1536-1543), dann Ban von Kroatien (1537-1548), Hauptkapitän von Transdanubien (1542-1546 bzw. 1548-1552) bzw. Landesrichter (1543-1554) und ab 1554 bis zu seinem Tode Palatin von Ungarn. Kurze Zeit unterstützte er zwar die Partei von János Szapolyai (1529-1533). Doch danach war er bis an sein Lebensende einer der einflußreichsten Anhänger König Ferdinands I. Er gehörte zu den wenigen ungarischen Politikern, auf deren Wort man in Wien etwas gab. Daneben trat er auch für die Reformation ein und förderte die Buchdruckerei. Ursprünglich wollte er Mönch werden, sympatisierte dann auf Einfluß Luthers mit dem Gedanken der Glaubenserneuerung, hat sich aber der Reformation niemals offen angeschlossen. Größter Förderer der ungarischen Erasmisten. Schon mit deren erster Generation stand er in freundschaftlicher Verbindung, z.B. mit Miklós Oláh und Jacobus Piso. Später wurde sein Hof in Sárvár-Újsziget zur Werkstatt der ungarischsprachigen Bibelübersetzung im Geiste Erasmus'. In seiner Schule beschäftigte er János Sylvester und Mátyás Bíró Dévai, in seiner Druckerei Benedek Abádi, und auch Sebestyén Tinódi verbachte seine letzten Lebensjahre an diesem Hof. Sein Sohn, Ferenc Nádasdy, der als berühmter Türkenbesieger den Namen "schwarzer Bei" erhielt, unterstützte die lutheranische Kirche. An seinem Hof war István Magyari Prediger, der Ende des Jahrhunderts bedeutende Kirchenschriften verfaßte.

GP-PÁ-JúSz