Sultan Suleiman I. (1494-1566)
Zur Herrschaftszeit Sultan Suleimans I. (1520-1566), der im Westen auch der "Prachtvolle" und bei den Türken der "Gesetzgeber" hieß, stand das Osmanische Reich auf dem Gipfelpunkt seiner Macht und wurde zu einem der Hauptakteure im Wettstreit der europäischen Großmächte. Für seinen Hauptgegner hielt er Karl V. bzw. das Haus Habsburg, weshalb er mit seinen ersten Kriegszügen dessen Herrschaft in Mitteleuropa beenden wollte. Nach den Niederlagen bei Wien und Güns eröffnete er am Mittelmeer eine neue Front, die ihm mehr Erfolg beschied: Am Ende seiner Herrschaft kontrollierte die osmanische Flotte den größten Teil des Mittelmeeres. Auf einen Krieg im Indischen Ozean, wo die Portugiesen die Routen des Fernhandels gefährdeten, ließ er sich jedoch nicht ein. Stattdessen gab er sich damit zufrieden, Mesopotamien, Ägypten und die Küstenregion am Roten Meer zu sichern. Führte mehrfach Krieg gegen Persien und gliederte seinem Reich dadurch vom Gesichtspunkt des Handels und der Strategie wichtige Gebiete an. In der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit gab er seine Weltherrschaftspläne auf und widmete sich dem inneren Aufbau seines Reiches. Unter seiner aktiven Mitwirkung entstand die einheitliche, islamisch geprägte Rechtsordnung, nahmen die öffentlichen Bauvorhaben einen gewaltigen Aufschwung, erhielt die osmanische Architektur ebenso wie die Literatur ihre spezifischen Stilmerkmale. Die Nachwelt hält Suleiman I. zurecht für einen der Begründer der klassischen osmanischen Zivilisation. Den letzten Abschnitt seiner Herrschaftszeit überschatteten Aufstände in Anatolien bzw. Thronkämpfe, die er nur zum Teil unter Kontrolle brachte. Er war der letzte Sultan, der stets an der Spitze seiner Heere in den Krieg zog.
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