Burg- und Festungsbaukunst

Lindva
Erlau 3
Durch die rasche Verbreitung der immer moderneren Feuerwaffen (Kanonen und Gewehre) im 16.-17. Jahrhundert wurden die hohen, dünnen Mauern der mittelalterlichen Burgen und Schlösser ihrer Wehrfunktion nicht mehr gerecht. Deshalb kam es zunächst in Italien und von dort ausgehend in nahezu ganz Europa zu einem bedeutenden Wandel in der Burgarchitektur, der sich natürlich auch in Ungarn, dem Schauplatz der Kämpfe zwischen dem habsburgischen und osmanischen Reich, vollzog. Anstelle der mittelalterlichen Höhenburgen mit hohen und leicht zerstörbaren Mauern baute man nun moderne, hauptsächlich fünf- oder sechseckige Festungen mit niedrigen, aber starken Steinmauern, die gewaltige Wehranlagen aus Erde und mächtige Basteien umgaben. Die Basteien wurden von den im Festungsbau bewanderten italienischen und niederländischen Kriegsingenieuren so entworfen, daß sie der benachbarten Burgmauer und Bastion mittels Kanonen möglichst leichte Deckung boten. Bis Mitte der 1550er Jahre baute man in Ungarn Burgen nur gelegentlich und in schnellem Tempo. Doch später wurden Burgbauten planmäßig durchgeführt und von den hervorragendsten italienischen Meistern beraten. Die bedeutendsten dieser Festungen waren, Neuhäusel, Karlowitz, Raab, Szatmár, Erlau und Wardein.

GP