CÍMLAP
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INHALT, GELEITWORT ZUR SCHRIFTENREIHE |
Inhalt
István Monok: Geleitwort zur Schriftenreihe
Rolf Griebel: Ex Bibliotheca Corviniana - Vorwort
Ferenc Földesi: Bibliotheca Corviniana. Die Bibliothek und ihr Gedächtnis
Kerstin Hajdú: Mit glücklicher Hand errettet? Zur Provenienzgeschichte der griechischen Corvinen in München
Edina Zsupán: Die Bibliotheca Corviniana im Kleinen. Beschreibung der lateinischen Corvinen der Bayerischen Staatsbibliothek
Ulrike Bauer-Eberhardt: Italienischer Buchschmuck in den Münchner Corvinen
Marianne Rozsondai: Über die Einbände der in München aufbewahrten Corvinen
Geleitwort zur schriftenreihe
Es wird vielfach die Frage gestellt, ob es nicht anachronistisch sei,
zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine neue Schriftenreihe für die
Quellenpublikationen ins Leben zu rufen? Sicher denken viele, dass dem
so sei. Um eine größere Menge von Quellen, Verzeichnissen und Katalogen
publik zu machen, bietet das Internet ganz ausgezeichnete und schnelle
Möglichkeiten. Über die Archivierung von digitalisiertem Material wurde
bereits viel gesprochen, und wir sind nach bestem Wissen und in bester
Absicht bestrebt, die elektronisch erschlossenen Informationen in
irgendeiner Form auch für die nächsten Generationen zu erhalten.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schickten die einzelnen Länder
ganze Delegationen von Archivaren und Bibliothekaren an die größeren
Archive und Bibliotheken, mit dem Ziel, über die ihre Nationen bzw.
ihre Länder betreffenden Dokumente Verzeichnisse anzulegen und
diese in Schriftenreihen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die
positivistischen Historikergenerationen ließen später diese Dokumente mit
kürzeren oder längeren Erläuterungen tatsächlich veröffentlichen. Ungarn
erfuhr in dieser Zeit, d.h. nach dem Ausgleich mit dem Haus Habsburg
(1867), einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Gründerzeit - diesen
Ausdruck verwenden wir auch im Ungarischen zur Bezeichnung dieser Epoche.
Für wissenschaftliche Forschungsarbeit wird zu Zeiten des Kapitalaufbaus
in der Regel kein Geld aufgewendet, ist doch erst eine der späteren
Generationen der reich werdenden Familien bereit, "unnütze" Sachen zu
fördern. In solchen Zeiten ist auch der Staat immer arm, folglich stehen
ihm auch keine Mittel für wissenschaftliche Ziele zur Verfügung. Die
positivistische historiographische Periode in Ungarn brachte also nicht
mehrere hundert Meter an Dokumentationen hervor: wir müssen uns mit einigen
wenigen Metern zufriedengeben. Die Forschungsarbeiten in den verschiedenen
kulturellen Zentren Europas - so auch in München - wurden ausschließlich
von wenigen fleißigen und beherzten Gelehrten ausgeführt. Das erschlossene
Quellenmaterial wurde von Fachzeitschriften in Verzeichnissen
zusammengefasst, dabei kam es selten vor, dass die Dokumente einzeln
detailliert ausgewertet oder gar photomechanisch kopiert wurden.
Als späte Nachfahren haben wir in Ungarn das Klebersberg-Stipendium
gestiftet mit dem Ziel, die seit anderthalb Jahrhunderten unverrichtete
Arbeit fortzuführen.
Die Széchényi Nationalbibliothek hat nun mehrere Schriftenreihen ins Leben
gerufen oder finanziell unterstützt, um auf diese Weise von dem in Wien,
Rom, München, Halle, Berlin, Wolfenbüttel, Göttingen, Paris und an anderen
Orten aufbewahrten kulturellen Gedächtnis an Ungarn zu erfahren und unser
diesbezügliches Wissen zu bewahren und zu vertiefen.
Bayern und Ungarn pflegten seit der Ankunft der Ungarn im Karpatenraum enge
wirtschaftliche, kulturelle und wisschenschaftliche Kontakte. Es ist also
kein Wunder, wenn in den bayerischen Sammlungen sehr viele Quellen erhalten
sind, die diese Verflechtung dokumentieren. In Ungarn wiederum haben
die Forscher alle Hände voll zu tun, die sich mit der Erforschung der
bayerischen kulturellen Überlieferung in ungarischen Bibliotheken und
Archiven befassen.
Die Erforschung der Geschichte und Kultur des eigenen Landes ist Aufgabe
der aller nationalen Büchersammlungen. Buchgeschichtliche Forschungen
werden vor allem an ihrem natürlichen Ort, nämlich in den Bibliotheken,
betrieben. Die aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit mit anderen
wissenschaftlichen Institutionen ist vom gemeinsamen Interesse geleitet und
erschließt Synergien. Es ist also ein gemeinsames Interesse vorhanden, die
Möglichkeiten sind gegeben, und wir haben Fachleute, die die Arbeit
ausführen können. Was wir brauchen, sind also bestimmte Anlässe, um die
ersten Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit öffentlich zeigen zu können.
Die Bayerische Staatbibliothek, das Ungarische Institut München und die
Ungarische Nationalbibliothek können gemeinsam vor allem eines tun: ihre
gemeinsamen Forschungsprojekte zu den Hungarica in ihre allgemeinen
Aufgaben und Veranstaltungen zu integrieren. Es genügt nämlich nicht, die
erschlossenen Quellen in Augenschein zu nehmen und Inventare anzufertigen.
Die Auswertungen der Forschungsergebnisse erfordern regelmäßige Treffen,
einen ständigen Dialog unter den Wissenschaftlern und nicht zuletzt
Ausstellungen, damit auch das breitere Publikum erfährt, wofür die
staatlichen Institutionen das ihnen zur Verfügung gestellte Geld verwenden.
Im Jahr 2008 feiert die Bayerische Staatsbibliothek das 450-jährige
Jubiläum ihres Bestehens. In Ungarn hat man 2008 zum Renaissance-Jahr
erklärt. Einer der großen Vertreter der Renaissance in Ungarn, János Vitéz,
wurde vor 600 Jahren geboren. So ist das Jahr 2008 ein hervorragend
geeigneter Anlaß, unsere neue Schriftenreihe "Bavarica et Hungarica" mit
ihrem ersten Band zu begründen, bei der sich die drei bereits gennanten
Institutionen gemeinsam als Herausgeber profilieren wollen.
In der Schatzkammerausstellung im Februar 2008 in München werden die acht
heute in der Bayerischen Staatsbibliothek befindlichen Bände aus der
Bibliothek des Matthias Corvinus erstmalig gemeinsam ausgestellt. In
Budapest werden wir - größtenteils durch Heranziehen der in München
aufbewahrten Codices als Leihgaben - den in Großwardein (Nagyvárad/Oradea)
und in Gran (Esztergom) residierenden Hof des János Vitéz in einer
Ausstellung der Öffentlichkeit präsentieren.
Der erste Band dieser neuen gemeinsamen Reihe ist gleichsam als Katalog
der Münchener Ausstellung zu betrachten, haben wir doch die völlige
Neubewertung der acht Codices für dieser Veröffentlichung geleistet. Die
Beiträge geben einen genauen Einblick, welche Bedeutung die Hofbibliothek
von Matthias Corvinus in jener Epoche hatte, und was sie im Hinblick auf
die bayerisch-ungarischen Beziehungen damals und heute bedeutet. Die
Technik des 21. Jahrhunderts macht es mittlerweile auch möglich, dass die
bildliche Wiedergabe der Dokumente, die den Originalbildern weitgehend
identisch ist, allen, die diesen Band in die Hand nehmen, einen
authentischen Eindruck von den wertvollen Originalen vermittelt.
Die beiden nächsten Bände, die demnächst in dieser Schriftenreihe
erscheinen werden, werden weitere Handschriften der Bayerischen
Staatsbibliothek mit Bezug zu Ungarn und eine in München aufbewahrte
ungarische Plakatsammlung erschließen.