
CÍMLAP
Jakab Emil Wiesner
Der ungarische Buchhandel
EINFÜHRUNG
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Der heutige ungarische Buchhandel kann um so eher mit Stolz auf seine Vergangenheit zurückblicken, da er im Kampfe für das ungarische Buch den Erfolg ausgefochten hat und damit hat er - wenn wir die heutigen 10.000,000 ungarischen Bürger betrachten (wir verstehen hierunter die ungarisch sprechende Bevölkerung) - dem ungarischen Buche eine starke Phalanx geschaffen, welche ihn berechtigt, mit den schönsten Hoffnungen in die Zukunft zu blicken. Der Grund ist gelegt, das Terrain vorbereitet. Ich will mich nun mir der Vergangenheit des ungarischen Buchhandels beschäftigen und in die Ergebnisse unserer Tätigkeit während der letzten 50 Jahre hineinleuchten. Das erste, was mir hierbei in die Äugen fällt, ist, dass die Bahnbrecher des ungarischen Buchhandels zum grössten Teil Deutsche waren, dass das deutsche Buch, der deutsche Geist unseren ganzen Organismus lange Jahrzehnte hindurch beherrscht haben. Die meisten unserer buchhändlerischen Institutionen, die Organisation unseres Vereines, die Paragraphen unserer Statuten, sie alle sind nach deutschem Muster aufgebaut. Ich nehme keinen Anstand, dies einzubekennen, denn zur Zeit, als unseren Vorfahren das deutsche Muster vorschwebte, haben wir zugleich gesehen, dass wir in unseren eingewanderten Kollegen treue Verbündete gefunden haben, die die Interessen des ungarischen Buchhandels mit den edelsten Intentionen förderten.
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Im Jahre 1841 gab es in Ungarn - wie bereits erwähnt - kaum mehr als 30 Buchhändler, aber selbst vor 50 fahren waren ihrer nicht viel mehr im Lande. Während der folgenden zwei Jahrzehnte hat sich die Situation kaum verändert. Von einem Handel mit ungarischen Büchern kann vor den sechziger Jahren eigentlich kaum die Rede sein. Es gab wohl ungarische Buchhändler, aber ungarische Bücher wurden selbst für die damaligen Verhältnisse nur in überaus geringer Anzahl herausgegeben. Zur Zeit des Freiheitskampfes geriet die von Wiegand, Heckenast, Landerer und Emich inszenierte Bewegung ins Stocken. Inmitten der Flut grösser politischer Ereignisse, welche auf die Zukunft des Landes wirkten, hatte ein grosser Teil der Gebildeten keine Zeit, sich mit Büchern zu befassen. Man nahm statt des Buches das Schwert zur Hand. In der Bachschen Ära aber, in der Zeit der Unterdrückung, haben die Vexationen der Zensur das Erscheinen und das Verbreiten ungarischer Bücher gewaltsam unterdrückt. Der ungarische Buchhandel, als Verbreiter der nationalen Kultur, bekam die Unterdrückung des Absolutismus am schwersten zu fühlen, denn hier musste man ja in erster Reihe das Wiedererwachen des Freiheitsgeistes befürchten.
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