
CÍMLAP
Semmelweis Ignác Fülöp
Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers
INHALT, VORWORT
Inhalt
Einleitung
Die Sterblichkeit war an der I. Gebärklinik zu Wien in dem durch die Tabelle Nr. I. repräsentirten Zeitraume durchschnittlich dreimal so gross als au der II. Gebärklinik
Dieses Plus der Sterblichkeit kann durch die bisher giltige Aetiologie des Kindbettfiebers nicht erklärt werden
Nicht durch endemische Einflüsse
Gründe gegen epidemische Einflüsse im Allgemeinen
Nicht durch endemische Einflüsse
Nicht durch die übrigen bisher giltigen ätiologischen Momente des Kindbettfiebers
Nebstdem, dass das Plus der Sterblichkeit aus der bisher giltigen Aetiologie des Kindbettfieber nicht erklärt werden konnte, waren an der I. Gebärklinik Erscheinungen zu beobachten, für welche die Erklärung fehlte
Diese Erscheinungen waren:
Das Erkranken der Mütter und deren Kinder in Folge verzögerter Eröffnungsperiode
Das Nichterkranken der Gassengeburten
Das Nichterkranken der Wöchnerinnen nach vorzeitigen Geburten
Das reihenweise Erkranken der Wöchnerinnen
Die nichtandauernde Verminderung der Sterblichkeit in Folge Verminderung der Zahl der Schüler
Entdeckung des ätiologischen Momentes des Plus der Sterblichkeit der I. Klinik
Beobachtungen, welche unsere Aetiologie des Kindbettfiebers erweiterten
Die Rapporte des Wiener Gebärhauses vom Tage der Eröffnung bis in die neueste Zeit bestätigen die Richtigkeit meiner Aetiologie das Kindbettfiebers
In der von mir entdeckten Aetiologie des Kindbettfiebers liegt die Erklärung, warum In Folge verzögerter Eröffnungsperiode Mutter und Kind am Kindbettfieber erkranten
Dr. Benar
Warum die Gassengeburten seltener erkrankten
Warum die Wöchnerinnen nach vorzeitigen Geburten seltener erkrankten
Warum die Wöchnerinnen reihenweise erkrankten
Warum die Verminderung der Zahl der Schüler die Sterblichkeit minderte, und warum trotz der Verminderung der Zahl der Schüler die Sterblichkeit sich wieder steigerte
Versuche au Thieren
Die geburtshilfliche Abtheilung des St. Rochus-Spitals zu Pest
Die geburtshilfliche Klinik der Universität zu Pest
Begriff des Kindbettfiebers
Der zersetzte tierisch-organische Stoff, welcher das Kindbettfieber hervorbringt, wird den Individuen entweder von anssen eingebracht, oder er entsteht in ergriffenen Individuen
Quelle des zersetzten thierisch-organischen Stoffes, welcher die Infection von aussen bedingt
Träger des zersetzten thierisch-organischen Stoffes
Stelle wo der zersetzte thierisch-organische Stoff resorbirt wird
Zeit, wann der zersetzte thierisch-organische Stoff resorbirt wird
Quellen für die Selbstinfection
Das Kindbettfieber ist keine den Wöchnerinnen ausschliesslich zukommende Krankheit
Das Kindbettfieber ist eine Varietät der Pyaemie
Das Kindbettfieber ist keine contagiöse Krankheit
Das Kindbettfieber ist eine übertragbare Krankheit
Wie viele Wöchnerinnen werden immer in Folge unverhütbarer Selbstinfection sterben
Nochmalige Beurtheilung der bisher giltigen Aetiologie des Kindbettfiebers, den Massstab des zersetzten thierisch-organischen Stoffes au selbe angelegt
Die endemischen Einflüsse
Die endemischen Ursachen des Kindbettfiebers
Prophylaxis das Kindbettfiebers
Correspondenzen und Stimmen in der Literatur für und gegen meine Lehre
Die Redaction der Zeitschrift der k. k. Gesellschaft der Aerzte zu Wien
Haller
Simpson
Routh
Michaelis
Litzmann
Levy
Dietl
Tilanus
Skoda
Brücke
Scanzoni
Silberschmidt
Bamberger
Hamernik
Liebig
Seyfert
Kiwisch
Silberschmidt
Lebert
Zipfl
Hayue
Lumpe
Arneth, die Academie der medicin zu Paris und Dubois
Schmidt
Everken
Virchow
A. Martin
Carl Braun
Vorwort
Nach zweimal beendetem Curse der praktischen Geburtshilfe an der ersten
Gebärklinik zu Wien meldete ich mich unterm 1. Juli 1844 beim Vorstande
dieser Klinik, weiland Professor Dr. Klein, als Aspiranten für die einstens
zu besetzende Stelle eines Assistenzarztes besagter Klinik, und wurde als
solcher mittelst Decret ddo. 27. Februar 1846 provisorisch angestellt.
Am 1. Juli 1846 übernahm ich die Stelle eines Assistenten der ersten
Gebärklinik definitiv, musste aber selbe am 20. October desselben Jahres
wieder an meinen Vorgänger Dr. Breit abtreten, da Dr. Breit inzwischen eine
zweijährige Dienstesverlängerung erhielt. Wir wollen im Verlaufe dieser
Schrift diese vier Monate, nämlich: den Juli, August, September, October
des Jahres 1846, zum besseren Verständnisse, meine erste Dienstzeit nennen.
Die Dienstzeit eines Assistenten, bei welch' immer Lehrkanzel, war in Wien
auf zwei Jahre fixirt, bei allen übrigen Lehrkanzeln war es aber Sitte,
nach Ablauf von zwei Jahren die Dienstzeit, desselben Assistenten abermals
für zwei Jahre zu verlängern, nur bei den geburtshilflichen Lehrkanzeln war
diese Sitte nicht im Gebrauche, und die Assistenten wechselten regelmässig
alle zwei Jahre. Dr. Breit war der erste, dem eine solche Begünstigung zu
Theil wurde.
Inzwischen wurde Dr. Breit zum Professor der Geburtshilfe an der Hochschule
zu Tübingen ernannt, und ich übernahm zum zweiten Male definitiv die Stelle
eines Assistenten den 20. März 1847, und fungirte als solcher durch zwei
Jahre, nämlich bis zum 20. März 1849. Diese zwei Jahre wollen wir meine
zweite Dienstzeit nennen.
Die Aufgabe dieser Schrift ist: dem Lehrer geschichtlich die Beobachtungen
vorzuführen, welche ich an dieser Klinik in diesem Zeitraume gemacht,
ihm zu zeigen, wie ich zum Zweifler an der bisherigen Lehre über die
Entstehung und den Begriff des Kindbettfiebers geworden, wie sich mir meine
gegenwärtige Ueberzeugung unwiderstehlich aufgedrungen, damit auch er zum
Heile der Menschheit dieselbe Ueberzeugung daraus schöpfe.
Vermöge meines Naturels jeder Polemik abgeneigt, Beweis dessen ich auf so
zahlreiche Angriffe nicht geantwortet, glaubte ich der Zeit überlassen zu
können, der Wahrheit eine Bahn zu brechen, allein meine Erwartung ging in
einem Zeitraume von 13 Jahren nicht in dem Grade in Erfüllung, wie es für
das Wohl der Menschheit nöthig ist.
Das Unglück wollte noch, dass in den Schuljahren 1856/7 und 1857/8 auf
meiner eigenen geburtshilflichen Klinik zu Pest die Wöchnerinnen in solcher
Anzahl starben, dass meine Gegner diese Sterblichkeit als Beweis gegen mich
benützen könnten: es drängt zu zeigen, dass diese zwei Unglücksjahre gerade
so viele traurige, unabsichtliche, directe Beweise für mich seien.
Zu dieser Abneigung gegen jede Polemik kömmt noch hinzu eine mir angeborne
Abneigung gegen alles, was schreiben heisst.
Das Schicksal hat mich zum Vertreter der Wahrheiten, welche in dieser
Schrift niedergelegt sind, erkoren. Es ist meine unabweisbare Pflicht für
dieselben einzustehen. Die Hoffnung, dass die Wichtigkeit und die Wahrheit
der Sache jeden Kampf unnöthig mache, habe ich aufgegeben. Es kommen nicht
mehr meine Neigungen, sondern das Leben derjenigen in Betracht, welche an
dem Streite, ob ich oder meine Gegner Recht haben, keinen Antheil nehmen.
Ich muss meinen Neigungen Zwang anthun, und nochmals vor die Oeffentlichkeit
treten, nachdem sich das Schweigen so schlecht bewährt, ungewarnt durch die
vielen bitteren Stunden, die ich desshalb schon erduldet, die überstandenen
habe ich verschmerzt, für die mir noch bevorstehenden finde ich Trost in
dem Bewusstsein, nur in meiner Ueberzeugung Gegründetes aufgestellt zu haben.
Pest, den 30. August 1860.
Der Verfasser