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Pálffy Pál

Ein ungarischer Aristokrat am Wiener Hof des 17. Jahrhunderts

INHALT, VORWORT


Inhalt

Einleitung
Vorwort

Ein ungarischer Aristokrat am Wiener Hof des 17. Jahrhunderts
  Die Geschichte einer hochrangigen Freundschaft
  Die Pálffys - lukrative Eheschließungen und vornehme Verwandtschaften
  Der mächtige Schwager
  Der Wiener Patron und sein ungarischer Klient
  Pálffy versus Lippay und Szelepchény
  Deutsche Söldner in den ungarischen Grenzfestungen
  Die siebenbürgische Frage
  Trauttmansdorffs Rolle in der ungarischen Politik

Editionsrichtlinien

Schriften

Quellen und Literatur
Register


Vorwort

Forschungen über die Aristokratie des Königreichs Ungarn gehörten in Ungarn in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht zu den bevorzugten Themen. Dasselbe galt aber - ausgenommen von Österreich - auch für die Nachbarländer (Kroatien, die Slowakei und Rumänien), wo teilweise die Archive jener Familien des hohen Adels aufbewahrt werden, die eine bedeutende Rolle in Ungarn im 16. bis 18. Jahrhundert hatten. Während seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über ein Jahrhundert lang eine Reihe von bedeutsamen Quelleneditionen und Monographien über die wichtigsten Aristokratenfamilien und ihre Familienangehörigen (insbesondere über die Familien Balassi, Batthyány, Csáky, Esterházy, Forgách, Illésházy, Nádasdy, Pálffy, Rákóczi, Thurzó, Zrínyi usw.) vor allem auf Ungarisch erschienen ist, setzte sich seit den 1940-er Jahren sich vor allem die Wirtschaftsgeschichte mit dem hohen Adel auseinander. Seit der Mitte der 1980-er Jahre sind jedoch zahlreiche grundlegende Monographien, Aufsatzsammlungen, Ausstellungskataloge und Quelleneditionen veröffentlicht worden. Neben Monographien über einzelne Persönlichkeiten (z.B. Adam I. Batthyány, die Palatine Nikolaus und Paul Esterházy, Valentin Török, Thomas und Franz Nádasdy, Georg Thurzó, Georg Zrínyi/Juraj Zrinski usw.) wurden die hochadeligen Hofhaltungen, das Mäzenatentum, die Eheschließungen und Bekleidungsgewohnheiten und die Tafelund Buchkultur der Aristokraten in ungarischer, deutscher, kroatischer und slowakischer Sprache behandelt.

Aus der Sicht des Gegenstandes dieser Quellenedition soll betont werden, dass in den vergangenen Jahrzehnten von den Aristokratenfamilien der ungarischen politischen Elite nur über die Pálffys, Batthyányis und Zrínyis umfassende und interdisziplinäre Publikationen, genauer gesagt: Tagungsbände erschienen sind. Zum erstgenannten Geschlecht ist im Jahre 2003 in Pressburg (Bratislava, Pozsony) ein slowakisch-ungarisches Workshop veranstaltet wurden, zum zweiten eine Konferenz zu Körmend in Westungarn und zum dritten ist ein Band als Ergebnis einer ungarisch-kroatischen wissenschaftlichen Tagung in Budapest, die im Jahre 2007 stattgefunden hat, veröffentlicht worden. Die drei Bände befassen sich mit der frühneuzeitlichen Geschichte dieser drei Familien aus politischer, militärgeschichtlicher, wirtschaftlicher sowie aus kirchen-, literatur- und kulturgeschichtlicher Perspektive. Seitdem ist eine Reihe von internationalen Kooperationen über die Geschichte der Familien Batthyány, Báthory, Esterházy, Nádasdy, Révay und Thurzó entstanden. Die daraus resultierenden neuen Forschungsergebnisse werden aber erst in den kommenden Jahren publiziert werden.

Trotz dieser wichtigen neuen Ergebnisse werden es auch künftig noch zahlreiche Forschungsdesiderate über die ungarische Aristokratie bestehen bleiben. Das heißt, dass noch weitere kooperative Forschungsprojekte und Einzelforschungen notwendig sind, um über die Hochadeligen des Königreichs Ungarn im 16. und 17. Jahrhundert eine solche zusammenfassende Monographie zu verfassen, wie das Buch von Petr Mata über die böhmische Aristokratie aus dem Jahre 2004. Für die ungarische Aristokratie gibt es aus mehreren Gründen noch keine derartige große Synthese. Außer der jahrzehntelangen Vernachlässigung der Forschungen bereiten sowohl die große Anzahl und Vielschichtigkeit der Angehörigen des ungarischen Hochadels als auch die sprachliche Vielfalt der Archivquellen und der Fachliteratur (Ungarisch, Latein, Deutsch, Kroatisch, Slowakisch, Rumänisch usw.) erhebliche Schwierigkeiten bei der Forschungsarbeit. Nicht zu vergessen ist auch die außerordentlich große Zersplitterung der ehemaligen Familienarchive in verschiedenen Ländern Mitteleuropas. Neben den Familien Esterházy und Erdődy ist dafür das beste Beispiel die Familie Pálffy, deren Archive heute in Wien (Haus-, Hof- und Staatsarchiv), in Pressburg (Slovenský národný archív), in Sankt Pölten (Niederösterreichisches Landesarchiv), in Budapest (Magyar Országos Levéltár) und zu einem kleinen Teil auch in Brünn (Brno) (Moravský zemský archív) aufbewahrt werden.

Im Lichte dieser Tatsachen verwundert es nicht, dass über die bedeutendsten Familien und Angehörigen der ungarischen Aristokratie nur einzelne neue Monographien erschienen sind. Sogar über die ungarischen Obersten Landeswürdenträger und die Palatine gibt es kein Handbuch, das eine Übersicht ihrer Biographien, Karrieren und Besitztümer bieten würde und anhand dessen man diese Daten bei den einzelnen Persönlichkeiten bzw. Familien vergleichen könnte. Gleichermaßen gibt es kein umfassendes Verzeichnis der ungarischen Magnaten und Grafen im16. und 17. Jahrhundert. Es fehlt an einer systematischen Forschung über die Besitzverhältnisse der Aristokratie, ihre Rolle innerhalb der ungarischen Stände und ihre politischen Gruppen bzw. über ihre Fluktuation, die im Laufe der Frühen Neuzeit mehrmals eingetreten ist. Und nicht zuletzt, obwohl das Ungarische Königreich nach 1526 zu einem bedeutenden Teil der Habsburgermonarchie wurde, fehlt auch die Erforschung der Kontakte der ungarischen Aristokratie innerhalb der Monarchie.

Die Quellenedition von Dr. Anna Fundárková, der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Instituts für Geschichte der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Pressburg, bedeutet gerade in diesem letzten Forschungsgebiet einen wichtigen Schritt nach vorne. Die Kollegin, die gleichzeitig ausgezeichnet Slowakisch, Ungarisch und Deutsch spricht, veröffentlicht zum ersten Mal eine solche Quellenedition, welche die Korrespondenz zwischen einem der führenden Politiker der Monarchie (dem kaiserlichen Obersthofmeister) und einem Angehörigen der ungarischen weltlichen Elite aus einem bestimmten Zeitraum vor die Öffentlichkeit trägt. Die Veröffentlichung der im Familienarchiv Trauttmansdorff in Wien verwahrten etwa 80 Briefe des Obersten Landesrichters (1646-1649) und Palatins Ungarns (1649-1653) Paul Pálffy an den Obersthofmeister und Präsidenten des Geheimen Rates (1637-1650) Maximilian von Trauttmansdorff ist aus diesem Grund nicht nur für die ungarische und slowakische, sondern auch für die österreichische Geschichtsforschung ein großer Gewinn. Die Publikation ist weiterhin sehr wichtig für die Erforschung der Geschichte der von der Casa Austriaca regierten Habsburgermonarchie um die Mitte des 17. Jahrhunderts.

Die vorliegende Quellenedition und die einleitende Studie, welche auch als eine kleine Monographie betrachtet werden kann, bietet nicht nur einen interessanten Einblick in das Leben einer wichtigen ungarischen aristokratischen Familie des 17. Jahrhunderts, sondern behandelt auch die Beziehungen und die Rolle eines der bedeutendsten Politiker des Königreichs Ungarn und der ungarischen Stände am Wiener Kaiserhof. Die Sache ist um so interessanter, als Maximilian von Trauttmansdorff und Paul Pálffy verwandt waren, sie waren nämlich Schwäger. Dazu kommt noch, dass Letzterer seit dem Jahre 1646 als Oberster Landesrichter nicht nur "nomineller" Geheimer Rat war, sondern er nahm tatsächlich und aktiv an den Sitzungen des wichtigsten Beratungsgremiums der Habsburgermonarchie teil.

Neben dem Einblick in die außergewöhnlichen politischen und persönlichen Kontakte des österreichischen und des ungarischen Hochadeligen bieten die veröffentlichten Briefe eine Übersicht über die Kämpfe zwischen den politischen Parteien und Gruppen der ungarischen Stände bzw. der ungarischen Aristokratie. Über diese Problematik wurde noch nie eine solche bedeutende Quellensammlung und eine umfassende Studie in deutscher Sprache veröffentlicht. Die vorliegende Publikation belegt also die Auffassung, dass für eine gründliche Erforschung der Beziehungen zwischen dem politischen und höfischen Zentrum der Habsburgermonarchie und dem Königreich Ungarn sowohl gründliche Kenntnisse über die sich politisch und zeitlich - abhängig auch von den jeweiligen politischen Fragen - ständig ändernden Gruppen am Kaiserhof als auch über jene der ungarischen politischen Elite unabdingbar sind. Die Korrespondenz behandelt auch die Beziehungen zwischen Palatin Pálffy und den Fürsten von Siebenbürgen bzw. der Familie Rákóczi. Dies bietet auch eine unentbehrliche Hilfe für das Verstehen der Ostpolitik der mitteleuropäischen Habsburgermonarchie um die Mitte des 17. Jahrhunderts.

Angesichts der oben aufgeführten Tatsachen begrüßen wir die Veröffentlichung dieses wichtigen wissenschaftlichen Unterfangens, und wir hoffen, dass die Publikation von Dr. Anna Fundárková einen wichtigen Ansporn für die ungarischen, kroatischen, slowakischen, österreichischen und tschechischen Kollegen für die Edition ähnlicher Korrespondenzen zwischen Politikern der verschiedenen Länder der Habsburgermonarchie bieten könnte. Von ihr erwarten wir allerdings mit großem Interesse die Fertigstellung der Biographie von Palatin Paul Pálffy.

Dr. Géza Pálffy


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