Die Zips
Eine kulturgeschichtliche Region im 19. Jahrhundert
A Szepesség
Egy kultúrtörténeti régió a 19. században
Inhalt
VorwortFriedrich Gottas: Die Zips - Geschichte, Kultur, Besonderheiten
Ivan Chalupecký: Die Zips in der zweiten Hälfte des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts
János Sólyom, Jenő Sólyom, István Sólyom: Das Leben und Schaffen von Johann Genersich
Ernst Seibert: Johann Genersich - Graue Eminenz der ungarischen Jugendschriftsteller im biedermeierlichen Wien
János Ugrai: Im Zeichen des Philantropismus - Johann Genersichs pädagogisches Konzept
Karl W. Schwarz: Von Käsmark nach Wien - Der Zipser Literat und Pädagoge Johann Genersich (1761-1823) als Theologieprofessor an der Protestantisch-Theologischen Lehranstalt
Márton Szilágyi: Sonnenfels und Genersich
Gertraud Marinelli-König: Johann Genersich und Öffentlichkeit: die zeitgenössischeWiener Presse und der oberungarische protestantische Raum
Robert Schelander: Jakob Glatz als Pädagoge der Aufklärung
Miklós Czenthe: Die Entwicklung des Leutschauer Evangelischen Lyzeums und der Evangelischen Gemeinde - Lutheraner in der Zips und in Leutschau und die Familie Genersich
Peter Káša: Von Kesmark nach Neusatz. Der Genersichschüler Pavol Jozef Šafárik
Ladislav Simon: Pavol Jozef Šafárik (1795-1861) als Literaturtheoretiker und -historiker
Appendix
Iveta Drzewiecká: Pädagogisch-didaktische und theologische Ansichten von Johann Genersich in seinem Werk "Alfred. Ein Lesebuch für Jünglinge von fünfzehn bis zwanzig Jahren, zur Bildung des Herzens und des Geschmacks"
Mikuláš Lipták: Professor Johann Genersich und sein Weltbild aus seiner Erbauungsliteratur - Schwerpunkte seinerWeltanschauung
Milan Choma: Johann Genersich und die Hohe Tatra
Astrid Kostelníková-Zwilingová: Der evangelische Friedhof zu Leutschau (Levoča) - Eine national-kulturelle Gedenkstätte
Attila Tankó: Grußwort des Sekretärs der Dr. Antal Genersich Stiftung
Abbildungen
Benützte Archive
Literatur
Register
Verzeichnis der häufigeren Ortsnamen
Mitarbeiterverzeichnis
Publikationen der ungarischen Geschichtsforschung in Wien
Vorwort
Als vor einigen Jahren eine Lehrveranstaltung an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien über die "Zips" angekündigt wurde, konnten die wenigsten Studenten etwas damit anfangen, sie hielten den Namen für einen Begriff aus der Computersprache. Dass es eine deutsche Sprachinsel am Fuße der Hohen Tatra gab, war ihnen unbekannt geblieben, ebenso dass der Name eines Komitates im Königreich Ungarn so lautete. Man hat sich dafür geschämt, dass in Wien die Kenntnis der Nachbarschaft so auslässt.
Die "Zips", auf Slowakisch "Spiš" und auf Ungarisch "Szepes", spielte im evangelischen Wien in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine besondere Rolle. Die beiden Konsistorialräte Johann Wächter und Jakob Glatz stammten von dort. Sie waren beide verantwortlich für den Aufbau der 1821 eröffneten Protestantisch-theologischen Lehranstalt. Unter den Professoren dieser Schule stammten die meisten aus der Zips. Einer von ihnen war der erste Kirchenhistoriker der Lehranstalt, Johann Genersich (1761-1823). Er war Theologe und Pädagoge, er hat vor allem aber als Literat Ansehen und Ruf erworben, ja er galt als "graue Eminenz" der Zipser Literatenschule, insbesondere der Kinderliteratur. Als Professor am Käsmarker Lyceum hat er jedenfalls großen Einfluss ausgeübt. Er war dort Lehrer nicht nur des erwähnten Jakob Glatz, sondern auch des slowakischen Literaten Pavol Jozef Šafárík, des Namenspatrons der Universität in Kaschau/Košice/Kassa. Dass ausgerechnet der bereits im hohen Alter stehende Genersich berufen wurde, hing wohl mit seiner ausgesprochen habsburgtreuen Haltung zusammen, die in der Zips die Ausnahme gewesen ist, denn die Mehrheit der "Zipser Sachsen" blickte eher nach Budapest als nach Wien.
Am 8./9. Mai 2012 fand inWien eine Konferenz statt, in deren Mittelpunkt die Region Zips und der Zipserdeutsche Professor Johann Genersich standen. Vorbereitet und durchgeführt wurde die Konferenz durch das Institut für Ungarische Geschichtsforschung in Wien, zusammen mit dem Balassi Institut - Collegium Hungaricum Wien, dem Slowakischen Institut Wien, dem Institut für Kirchengeschichte im Donau- und Karpatenraum, Bratislava und der Dr. Antal Genersich Stiftung, Budapest.
Der vorliegende Band enthält die redigierten Vorträge des wissenschaftlichen Symposiums anlässlich des 250. Geburtstages von Johann Genersich und erscheint dank der finanziellen Unterstützung seitens des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten (BMeiA), des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK), des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e. V. (IKGS) und der Dr. Antal Genersich Stiftung, Budapest. Die Herausgeber dieses Bandes möchten sich bei Vince Szalay-Bobrovniczky, Botschafter von Ungarn und Juraj Macháč, Botschafter der Slowakei für die großzügige Unterstützung der wissenschaftlichen Konferenz in Mai 2012 bedanken.
Wien, 6. Dezember 2012
István Fazekas, Karl W. Schwarz, Csaba Szabó