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Gubcsi Lajos - Tarafás Imre

Das unsichtbare Geld

INHALT, GELEITWORT


Inhalt

Geleitwort von Mátyás Timár
Vorwort zur zweiten ungarischen Auflage

I. Das System der Geldschöpfung
1. Das Geld entsteht - ein Geist in der Flasche
2. Das Geld verschwindet
3. Gewöhnliche Gelder und Supergeld
   Der Wirkungskreis des Supergeldes
   Supergeld und Geldschöpfung
4. Das Geld der Notenbank
   ... seine Vorgeschichte
   und seine Konsolidierung

II. Die Geldpolitik und ihre Ziele: Prinzipien und Praxis
1. Die Geldmenge erweitert sich
   Unsicherheiten bei der Erweiterung der Geldmenge
2. Indirekte Mittel der Geldpolitik
   Die Rediskontierung
   ... und die Offenmarktpolitik
   Zur Wirksamkeit des Zinsfußes
3. Direkte Mittel der Geldpolitik
   Mindestreservequoten
   Rediskontkontingente
4. "Hintergrundtechniken" auf dem Geldmarkt
5. Ziele der Geldpolitik
   Die antizyklische Politik
   Geld im Dienste der Wirtschaftspolitik
   Die Alternative Inflation - Arbeitslosigkeit
   Die Politik der Vollbeschäftigung
   Zur inflationären Funktionsweise des Systems
6. Und endlich: die angelsächsische Praxis
   Die Geldpolitik in Großbritannien
   Die Geldpolitik in den USA

III. Geldpolitik und Geldtheorie
1. Die Dichotomie von Real- und Geldtheorie in der Wirtschaftslehre
   Die klassischen bürgerlichen Ökonomen
   Die Realtheorie der Neoklassiker
   Die Geldtheorie der Neoklassiker
2. Keynes: Die Integration von Real- und Geldtheorie in der Wirtschaftslehre
   Der starre Nominallohn
   Geld und Realprozesse
   Die Liquiditätspräferenz
   Bestimmung des Zinsfußes
   Bedeutung und Grenzen der Geldpolitik
3. Die "Konterrevolution" der Monetaristen
   Friedman und die Konterrevolution der Theorie
   Ist die Wirtschaftspolitik nur eine Illusion?
   Der Transmissionsmechanismus
   Die Bedeutung des Geldbegriffes
4. Schlußfolgerungen

IV. Wie steht es um die Lehre vom inneren Zusammenhang in der Wirtschaftspolitik?
1. Die Budgetpolitik
2. Die Politik der Staatsverschuldung
   Kreditaufnahme von der Notenbank
   Kreditaufnahme vom Bankensystem
   Kreditaufnahme von der Wirtschaft
3. Der innere Zusammenhang der Wirtschaftspolitik
   Noch einmal zu den Lehrmeinungen
   Die Wirtschaftspolitik als System

V. Der neueste konservative Ansturm
1. Die große Wende
2. Die angebotsorientierte Wirtschaftslehre - Die Laffer-Kurve
3. Die "neue Lehre" in der Praxis: Provokante soziale Auswirkungen

VI. Theorien zur Zahlungsbilanz
1. Der Goldstandard und die Spielregeln
2. Bürgerliche Strömungen zur Zahlungsbilanztheorie
   Der interregionale Handel
   Monetäre Einheit und monetäre Unabhängigkeit
   Die "Elastizitäts"-Philosophie
   Anwendung der Einkommenstheorie auf den Außenhandel
   Konsumtion und Zahlungsbilanz
   Die monetäre Schule
   Anstelle eines Urteilsspruches

VII. Das internationale Währungssystem und seine Widersprüche
1. Der fixe Wechselkurs
   Der flexible Wechselkurs
2. Widersprüche bei der internationalen Geldschöpfung
   Das internationale Geld
   Das Gold, der Dollar und ein Dilemma
3. Wer trägt die Lasten des internationalen Geldes?
   Erzwungene Übernahme der allgemeinen Lasten internationalen Geldes
4. Der Dollar in Europa
   Der Eurodollar
   Der Eurodollar - ein Inflationsherd?

VIII. Postskriptum
1. Die Wirtschaftspolitik und ihre Opfer
2. Internationale Sachzwänge

Literaturverzeichnis


Geleitwort

Widmen sich - wie in diesem Falle - ungarische Autoren Problemen der internationalen Finanzen, können sie den folgenden Fragen sicherlich nicht ausweichen: Welchen Einfluß übt das internationale Währungssystem auf Ungarn aus, in welchem Maße werden die Aussichten der ungarischen Volkswirtschaft durch die Situation auf dem internationalen Kreditmarkt bestimmt, und inwieweit kann sich unser Land der rapiden Wandlung der internationalen Finanzwirtschaft anpassen?

Es ist allgemein bekannt, daß im Jahre 1968 in Ungarn eine Reform des Wirtschaftslenkungssystems durchgeführt wurde. Der Kern dieser Reform besteht darin, daß eine Kombination aus Plan- und Marktwirtschaft entwickelt wurde, bei welcher der Volkswirtschaftsplan für die einzelnen Unternehmen und Genossenschaften - im Gegensatz zur Vergangenheit - nicht mit Hilfe von Plandirektiven verwirklicht wird, sondern die auf Makro-Ebene vorgesehenen Zielsetzungen des Volkswirtschaftsplanes den Wirtschaftseinheiten durch ein ökonomisches Regelungssystem (steuerliche Regelungen, Subventionen, Kredite, Lohn- und Preisregulierungen usw.) vermittelt werden. In einem solchen System der Wirtschaftslenkung wird verständlicherweise den Kategorien Geld und Ware immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt und einem geregelten Markt immer größere Bedeutung beigemessen.

Aus diesen Gründen ist es verständlich, daß sich die ungarischen Wirtschaftsexperten in den vergangenen zwei Jahrzehnten in erhöhtem Maße mit den ökonomischen Problemen des Geldes auseinandergesetzt haben. Angesichts der Tatsache, daß der Anteil des ungarischen Exports am Bruttoinlandprodukt (BIP) ziemlich hoch ist (etwa 40 Prozent) und daß mehr als die Hälfte der Außenhandelsgeschäfte mit den entwickelten kapitalistischen und in bescheidenerem Umfang mit den Entwicklungsländern abgewickelt wird, ist von besonders großer Bedeutung, was sich in der westlichen Finanzwelt abspielt. Diese Zusammenhänge traten Anfang der 80er Jahre in den Vordergrund, als die internationale Finanzkrise die Wirtschaft Ungarns stark getroffen hat. Und obwohl die Wirtschaft des Landes mit all ihren Mängeln und Vorteilen auf dem erreichten Niveau weiterfunktionierte, haben das Kreditembargo, die Zurückziehung von Depositen, die hohen Zinsen sowie stark schwankenden Wechselkurse eine äußerst ungünstige Wirkung auf die ungarische Volkswirtschaft ausgeübt.

Es ist aber mit Hilfe von strengen Maßnahmen, Restriktionen, strukturellen Änderungen und monetären Transaktionen gelungen, die Liquiditätskrise von 1981/82 zu bewältigen. Dadurch wurde nur die alte Weisheit bestätigt, nach welcher die Palme unter der Last erst richtig wächst. All dies hat sich jedoch auf das Lebensniveau und die Investitionen stark ausgewirkt.

Bei der Bewältigung der oben angeführten Probleme spielte eine nicht zu unterschätzende Rolle, daß Ungarn im Jahre 1982 den Finanzorganisationen der UNO, dem IWF und der Weltbank, beitrat.

Durch alle diese Ereignisse wurde unsere Aufmerksamkeit in erhöhtem Maße auf die Probleme der Weltwirtschaft - mit welcher die ungarische Wirtschaft eng verbunden ist - und vornehmlich auf die Probleme des internationalen Geldmarktes gelenkt. Dieser Problematik wurden zahlreiche Artikel und Studien gewidmet, und auch das vorliegende Buch ist als Produkt dieser Auseinandersetzungen entstanden. Die Ökonomen erkannten, daß die Finanzwirtschaft der Welt durch schwerwiegende Widersprüche gekennzeichnet ist, welche durch die ungünstigen Veränderungen in der internationalen Politik der letzten Jahre nur noch vertieft wurden. In den Ost-West-Beziehungen, in dem früher entwickelten empfindlichen Entspannungssystem zeigten sich Brüche.

Als Folge des seit Beginn der achtziger Jahre eingetretenen Aufschwunges in den USA sowie des beachtlichen Haushalts- und Handelsdefizits wanderten Unmengen von Kapital in die Wirtschaft der USA, wobei diese auch die Interessen der verbündeten Länder mißachteten. Die Vereinigten Staaten vertraten auch in dieser Hinsicht demonstrativ ihre Machtpolitik.

Neben der geschilderten Entwicklung gab es weitere ungünstige Erscheinungen. Der Anfang der achtziger Jahre war durch eine Schuldenkrise solchen Ausmaßes gekennzeichnet, daß sie Gedanken über einen eventuellen Zerfall des Welthandels und des internationalen Währungssystems aufkommen ließ. Die Krise wurde dadurch weiter vertieft, daß politische Erwägungen immer mehr Einfluß auf die Finanzen nahmen. Das ständig gespannter werdende Verhältnis zwischen Gläubigem und Schuldnern führte zu einer spürbaren Verschlechterung der politischen Atmosphäre, und das immer ungünstiger werdende politische Klima wirkte sich auf das Vertrauen, auf welches die Finanzwirtschaft nicht verzichten kann, besonders schädlich aus. Auch das Floating der Wechselkurse trug - entgegen den Erwartungen - nicht zur Stabilisierung des internationalen Währungssystems bei, in manchen Fällen verstärkten sich sogar die Spannungen.

Kaum mehr als 10 Prozent des Welthandels werden heute von den USA getätigt, aber der Anteil des US-Dollars in der Abwicklung des Welthandels übersteigt dies um mehr als das Fünf- bis Sechsfache, und der Anteil der amerikanischen Valuta liegt bei den Transaktionen auf dem Geld- und Kreditmarkt noch höher. Obwohl der Dollar die Funktion einer "Weltwährung" hat, steht er unter dem starken Einfluß der amerikanischen Binnenwirtschaft. Das Haushalts- und Handelsdefizit der USA sowie deren Finanzierung, die Hochzinspolitik und der hohe Dollar-Kurs spiegeln die Lage und die Probleme der Wirtschaft der Vereinigten Staaten wider und üben daneben großen Einfluß auf die Finanzen der ganzen Welt aus. Trotz aller Versuche sind die Bestrebungen zur Schaffung eines stabilen internationalen Währungssystems bis heute erfolglos geblieben. Es hat sich auch klar gezeigt, daß die Politik stark auf die wirtschaftlichen Prozesse einwirken kann. Wenn aber die Politik auf längere Sicht in diesem Ausmaß in die Wirtschaft eingreift, kann dies in Zukunft zu schwerwiegenden Konflikten führen.

Wenn ich den vorliegenden Band dem werten Leser empfehle, tue ich es in der Hoffnung, daß die darin geschilderten Probleme in absehbarer Zeit einer Lösung näher kommen werden. Westeuropa sollte mit seiner traditionsreichen ökonomischen Kultur bei der Lösung der vor uns allen stehenden Probleme oder zumindest bei der Suche nach möglichen Lösungen eine entscheidende Rolle spielen. Das Nachbarland Österreich, mit all seinen historischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Ungarn, ist für uns auch in dieser Hinsicht ein wichtiger Partner. Wir sind stets bestrebt, die Gedanken der österreichischen Ökonomen kennenzulernen, und möchten auch sie mit unseren wirtschaftlichen Überlegungen bekannt machen.

Im Zeichen dieser Gedanken empfehle ich den Kollegen in Österreich das vorliegende Buch der zwei jungen ungarischen Wirtschaftsexperten Lajos Gubcsi und Imre Tarafäs.

Mátyás Timár
Präsident der Ungarischen Nationalbank


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