Fischer Károly Antal
Erklärung der skythisch-sarmatischen Namen und Wörter aus der ungarischen Sprache
INHALT, VORWORT
Inhalt
I. Band
Vorwort
Verschiedene Theorien über die Nationalität der Skythen
Stämme und Tribuse der Skythen und Sarmaten
Auswüchse der vergleichenden Sprachforschung
Die ungarische Sprache
Bestimmung des Lautwertes der skythischen Vokale und Konsonanten
Die verschiedenen Lesarten der sarmatisch-skythischen Namen und Wörter
Bedeutung und Eigenschaften der ungarischen Orts- und Personennamen
Griechische und andere fremde Benennungen für skythische Ortschaften, Flüsse und Tribuse
Bedeutung und Eigenschaften der skythisch-sarmatischen Namen und Wörter
Die skythisch-sarmatischen Wortwurzeln
II. Band
Erklärung der skythisch-sarmatischen Namen und Wörter
Skythische Namen in andern Ländern unter skythischer Herrschaft
Nachwort
Tabelle für diejenigen, welche die Erklärung der skythischen Namen und Wörter nach ihrer griechischen beziehungsweise lateinischen Schreibart aufsuchen wollen
Vorwort
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Groß war das Ansehen der Skythen bei Griechen und Römern; Dichter und Geschichtschreiber lobpreisen ihre hehren Eigenschaften auf gleiche Art. Kein Wunder, daß sich neuerer Zeit solche Forscher melden, welche ihre Rasse von den Skythen abstammen lassen wollen; diejenigen aber, welche dies zu beweisen gar nicht denken können, trachten wenigstens das abzustreiten, was die Geschichte sagt, daß die Abkömmlinge des Skythenvolkes die Ungarn (Magyaren) seien.
Es ist ein sonderbares Zeichen unseres Zeitalters, daß in Erforschung der Wahrheit der Geschichte beinahe niemand sich von den alten Autoren führen lassen will, so auch in der Aufklärung der Nationalität der Skythen nicht, wo doch die byzantinischen und armenischen Quellen unbestreitbare Aufklärung hierüber geben und klar und bestimmt behaupten, daß die Abkömmlinge der Skythen die Ungarn seien. Byzantiner und Armenier mußten dies doch am besten wissen, weil sie ihre Angaben aus persönlicher Erfahrung schöpften, indem sie sowohl Skythen als auch deren Abkömmlinge kannten, weil sie mit ihnen direkte verkehrten. Aber die modernen Historiker meinen die Wegweisung der alten Autoren entbehren zu können, weil sie von der Unfehlbarkeit ihres eingebildeten hohen Wissens mehr halten, als von den Beweisführungen jener; so entstanden und entstehen noch immer die sonderbarsten und drolligsten Theorien.
Der größte Teil der "Modernen" hält das Etymologisieren und die vergleichende Sprachforschung für verläßlicher, als die Angaben und klaren Beweise der Geschichte, die Berichte der Zeitgenossen. In diesem ihren Wirken haben sie jedoch noch kein annehmbares Resultat errungen und werden auch keines erringen. Ein Teil behauptet, die Ungarn seien die Verwandten der sogenannten finnisch-ugrischen Völker; ein anderer Teil hält sie für Abkömmlinge der Türken (wohl zu unterscheiden von den Türken der Byzantiner); andere wieder halten sie für Mischlinge beider.
Treffend sind die auf diese Theorien zielenden Worte Jókais im Anhange zu seinem Drama "Levente", in dem er die Frage aufstellt: Was sind die Magyaren vor tausend Jahren gewesen? Seine eigene Antwort auf diese Frage ist: "Mein, durch die von allerwärts herbeigeholten Zeugenschaften bestärktes Bewustsein antwortet auf diese Frage, daß die Magyaren auch vor tausend Jahren Magyaren waren, und anderes auch nicht sein konnten. Mit auf der Brust gekreuzten Händen beuge ich mich vor der wertvollen ethnographischen Datenfülle, vor dem Wortregister der vergleichenden Sprachforschung; mit stummem Erstaunen blicke ich auf die, einesteils von den finnisch-ugrischen, andernteils von den ural-altaischen und türkischen Sprachforschern aufgestellten Theorien, sage aber auf all dieses nur: eppur si non muove! Die Sprache der Magyaren war stets die magyarische und dies kann nach keiner Richtung hin bewegt werden".
Jókai hat recht; Eppur si non muove!
Es ist wahrlich an der Zeit, daß es mit diesem Theorienschmieden sein Ende nehme, denn im Auslande belustigt man sich bereits über dieses Herumtappen im Finstern und ohne Führer. Sehr gut charakterisiert diese bedauernswerte Verirrung der Neuzeit ein ungarisches Tagblatt in dem es heißt: "Die Chronisten haben nicht nur eine Erinnerung, ob nun eine echte oder gefälschte bleibe unerörtert, sondern auf für das Selbstbewustsein der Nation bedeutungsvolle Tradition aufbewahrt, welche eine Reihe von Generationen für heilige Schrift hielt. Und eine hochnäsige, aufgeblasene, aber gehaltlose Generation bestritt im Namen der Wissenschaft diese Traditionen, zerstörte alles, indem sie die Aufzeichnungen der Chronisten als dummes Geschwätz darstellte, ohne daß es ihr jedoch gelungen wäre, an Stelle des erschütterten Glaubens an die heiligen Traditionen etwas anderes zu bieten, als eine unermeßliche Menge von dunklen, auf wissenschaftlichem Wege nicht zu beweisenden Problemen und bedenklichen Voraussetzungen."
Aus diesem Grunde erlauben wir nicht, daß die geschichtlichen Traditionen beiseite gelegt werden, diese, und gerade nur diese können unser Leitstern sein im Dunkel der Vergangenheit. Eine einzige ihrer Angaben ist mehr wert, als hundert, wenn auch noch so sinnig ersonnene Theorien und Kombinationen. Die Sprachforschung aber kann auch nur für die Geschichte zeugen, nie aber gegen dieselbe. Hievon werden wir uns im gegenwärtigen Falle überzeugen.
Wenn wir also über die Skythen etwas wissen wollen, so müssen wir uns an die griechischen, römischen und armenischen Historiker und Geographen wenden; denn diese kannten dieselben aus persönlicher Anschauung oder hatten ihre Angaben von solchen griechischen Kaufleuten erhalten, welche unter den Skythen wohnten und sie ebenfalls kennen mußten, jedenfalls besser, als irgend einer der modernen Gelehrten.
Die Byzantiner geben uns das übereinstimmende Zeugnis, daß Hunnen und Ungarn die Nachkommen der Sarmaten, beziehungsweise der Skythen seien; Herodot, Strabo, Plinius. Ptolemaeus Claudius und andere Griechen und Römer überlieferten uns eine derartige Fülle von sarmatiscb-skythischen Wörtern und Namen, daß wir mit ihrer Hilfe imstande sind, zu prüfen, ob die Angaben der Byzantiner richtig seien oder nicht.
Dieser Umstand und die vollkommene Kenntnis der ungarischen Sprache ermächtigten mich, diesen Versuch zu wagen, mit dem Motto an der Stirne: "Veritas non quaerit angulos". Ich schob jede Theorie bei Seite und begann meine Forschung - wie schon früher erwähnt - mit dem Studium der alten Geschichtsquellen, und sammelte, was an Wörtern und Namen nur zu sammeln war. Schon die ersten Versuche der Vergleichung mit ungarischen Analogien überzeugten mich, daß der Pfad, welchen ich eingeschlagen hatte, der richtige sei. Als dann kompliziertere Namen selbst zu sprechen begannen, da öffneten sich mir die Augen gänzlich; der Pfad wurde zur breiten Straße, auf der ich zum Ziele gelangte. Mein Glaube an die Wahrheit der Geschichte hatte sich dadurch gestärkt und mein ohnehin sehr lockeres Vertrauen zu gewissen Autoritäten mit ihren veralteten Lehren und abstrakten Ideen schwand vollends; ich erkannte die Wahrheit des russischen Sprichwortes, das sagt: "Nicht alle jene sind Ordenspriester, die das Kloster bewohnen", (denn es gibt ja in demselben auch Laien).
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