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VisszaCÍMLAP

Széchenyi István

Kreditwesen

INHALT, EINLEITUNG


Inhalt


Vorwort
Einleitung
Einige dem Gegenstande selbst vorangehende Bemerkungen
Der ungarische Grundeigenthümer ist ärmer als er es seinem Besitze nach seyn müßte
Der Ungar ist nicht so wohlhabend als seine Verhältnisse es erlaubten
Der ungarische Landwirth kann gegenwärtig seine Grundstücke nicht bis zum höchstmöglichen Blühen bringen
Ungarn hat keinen Handel
Was sollen wir thun und womit beginnen
Schlußwort



Einleitung

Soll man es lächerlich, oder eher traurig nennen, wenn Jemand im Besitze von zahlreichen Viehheerden, und vollgefüllten Fruchtgruben kümmerlich darbt, oder beinahe Hungers stirbt? Ist es lächerlich oder traurig, wenn ein großer Grundbesitzer, der Eigenthümer weitläufigen, fruchtbaren Ackerlandes, schöner Wiesen, Wälder, Weingärten, u. s. w., der eben so wenig Steuern entrichtet, als irgend eine and're Last des Landes trägt, und dem so Viele unentgeltlich Arbeit leisten, wenn ein Solcher dergestalt verarmt, daß ihm endlich Schulden wegen, weniger bleibt als Nichts? Gibt dieß mehr Stoff zu einem Lust- oder einem Trauerspiele, frag' ich den Leser. Was mich anbetrifft, weiß ich wahrhaftig nicht, soll ich lachen, oder darüber entrüstet seyn, daß aber bei Vielen in unserm Vaterlande die Sachen nicht viel anders stehen, weiß ich zuverlässig.

In Ungarn ist so viel, so ausgedehnter fruchtbarer Boden, daß allein der unbenützte Theil desselben genügte, eine andre Nation zu bereichern, was keinem Zweifel unterliegt, indem es keine Hypotheke, kein bloßes Räisonnement, sondern der Gegenstand einer trockenen und untrüglichen Berechnung ist. Daß aber nicht leichtlich ein Reich zu finden, wo mehr ansehnliche Grundeigenthümer, hinsichtlich ihres Besitzes von Tag zu Tag - lächerlich oder traurig - immer tiefer und tiefer herabsinken, ist unläugbar, wenn wir nur unsere Augen gebrauchen wollen.

Die Erörterung dessen: Warum dieß so sei, und ob es so seyn müsse, oder nicht, wird daher den Gegenstand dieser kurzen Abhandlung bilden.

...

Untersuchen wir also ordnungsgemäß und nach richtiger Methode, wie es zugeht, daß viele unserer Grundherren, troz ihrer Viehherden und vollen Kornspeicher, doch arm sind, warum Viele, bei jährlichen Einkommen von hundert tausend Gulden, und darüber, dem Bettelstande nahe, oder schon gar dem Erbarmen des Samariters verfallen sind? Erörtern wir unpartheiisch und leidenschaftlos, weßhalb unsere Landwirthe, unerachtet alles Strebens, ihre Wirthschaft nicht auf einem, der Vortrefflichkeit des Himmelsstriches und des Bodens entsprechenden Höhenpunkt erheben, oder erheben können? Warum unser Vaterland keinen Handel hat, oder wenigstens keinen solchen, wie es ihn haben sollte und konnte. Es muß irgendwo ein Fehler liegen, so scheint es, der das Gute hindert, oder irgend ein Mangel eine Lücke seyn, die verursacht, daß keine ersprießlichen Resultate sich ergeben. Dieß zu ergründen, sei unser Streben. Die Sache ist nicht besonders langweilend, und sich damit zu beschäftigen kommt dem Ungar sicher mehr zu, und ist für ihn ein weit mehr ziemender Zeitvertreib, als so viel Anderes. Nichtiges, Werth- und Gehaltloses missenden zu wollen. Hierin dächt' ich, ist Jedermann mit mir eines Sinnes, denn, jeder Edelgesinnte erröthet über das Zurückbleiben seines Volkes, und leidet schwer, sieht er dessen Verfall, so wie es ihn mit Freude durchdringt, schreitet es vorwärts, mit höchster Zufriedenheit, ist es glücklich.

Soll ich meine Meinung geradezu, und unumwunden ausprechen, so halte ich dafür, daß alle die traurigen Ergebnisse, welche wir berührten, und noch weitläufiger auseinander setzen werden, deren tägliche Zeugen wir leider sind, ans keinem andern Hauptgrund entspringen, als aus der fehlerhaften Einrichtung und Gestaltung unserer Geldverhältnisse, und dem natürlich hieraus fließenden, gänzlichen Kredit-Mangel. Diesen Mangel halte ich für die Ursache jeder physischen Unnatürlichkeit, wenn z. B . der Besitzer von hundert tausend oder mehr Joch Landes nicht einmal für einen Gulden Kredit zu gewähren vermag, und Geldnoth leidet, der Kapitalist dagegen kaum einen Platz sendet, wo er auf sichere Interessen, oder seiner Zeit, und nach seinem Belieben auf pünktliche Heimzahlung des Kapitals rechnen dürfte. Eben so ist in meinen Augen der Kredit-Mangel auch eine der Hauptquellen der Sittenverderbniß und Seelenniedrigkeit, denn verleiht einer sein Geld gegen 20, 50 und 100 Prozent, oder noch größeren Wucher, so ist er sicher auch ein Genosse des Satans selbst, wer aber von Hundert 20, 50, ja 100 und mehr noch verschreibt, geht gewiß nicht redlich zu Werke, sondern führt Betrug und Prellerei im Schilde. Wie kann aber zwischen solchen Kontrahenten wovon der eine seinen Mitmenschen schindet, der andre ihn betrügt, wo Mephistopheles in Person die Hauptrolle gibt, wie kann da der Keim der Humanität und Bürgertugend sich entfalten? Und wenn dieser hübsche gesellschaftliche Gebrauch durch mehre Generationen herab sich immer weiter fortpflanzt, und mit der Muttermilch schon, der Geist dieser herrlichen altherkömlichen Einrichtung eingesogen wird, braucht es da noch mehr zum Ruin, zur Auflösung einer ganzen Nation? dieses unser altes, auf dumpfem Moder hingebaute Geldsystem, klemmte es in Schuldensachen nicht so oft schon viele unserer Mitbürger in ein so gräuliches Dilemma, daß sie zwischen dem dumm oder schurkisch Handeln, kaum ein Drittes mehr zu wählen halten? die Hand auf's Herz, und läugnen wir es, wenn wir kennen. Die Ohren aber laßt uns verschließen vor denen, die nicht einmal recht wissend, von was es sich denn eigentlich handle, nur fort und fort lärmen: Laßt uns beim Alten bleiben!


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