Frühneuzeitforschung in der Habsburgermonarchie
INHALT, VORWORT
Inhalt
Vorwort anstelle einer Einleitung
ADEL UND WIENER HOF
Maja Toš: Die Wurmberger Linie der Stubenberg im Zeitalter der Konfessionalisierung
Irene Kubiska: "Zwischen Anspruch und Gnade" - Die Altersversorgung Wiener Hofbediensteter und ihrer Witwen und Waisen im 18. Jahrhundert
Michael Pölzl: Der Witwenstand von fünf Kaiserinnen am Wiener Hof (1637-1750)
Stefan Seitschek: Religiöse Praxis am Wiener Hof: Das Beispiel der medialen Berichterstattung
Zsolt Kökényesi: Privilegierte im Dienst des Staats und des Gemeinwohls. Der Adel in den Schriften des Joseph von Sonnenfels
DAS KONFESSIONALISIERUNGSPARADIGMA (1) - KIRCHLICHE AKTEURE
Johannes Kritzl: Die Jurisdiktionskonflikte zwischen geistlicher und weltlicher Macht im Land unter der Enns von 1580 bis 1659 im Spiegel der Passauer Protokolle
Zsófia Kádár: Jesuitische Kolleggründungen im westungarischen Raum in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Beispiele von Raab/Győr und Ödenburg/Sopron
Béla Vilmos Mihalik: Qui in foro, et e fenestris vicinarum domorum omnes Patris actiones curiosius observabant. Die Rekatholisierung des städtischen Raumes in Kaschau/Košice/Kassa, Erlau/Eger und Frauenbach/Baia Mare/Nagybánya, 1670 bis 1699
Monika Bizoòová: Society of Jesus and Counter Reformation in Spiš Region
Jarmila Kašpárková: Klöster der Klarissen und Franziskaner-Tertiarinnen in den böhmischen Ländern zwischen den Konventualen und Observanten im Laufe der nachtridentinischen Reformen
Elisabeth Watzka-Pauli: Die Trinitarier in der Habsburgermonarchie von 1688 bis 1783
Viliam štefan Dóci OP: Eine "pseudopolitische Rede" des Kaschauer Dominikaners. Rupert Zöhrer am Fest der heiligen Elisabeth von Ungarn 1790
András Forgó: Der ungarische Klerus des 18. Jahrhunderts im Spannungsfeld zwischen konfessionellem und konstitutionellem Ständewesen
DAS KONFESSIONALISIERUNGSPARADIGMA (2) - BRUDERSCHAFTEN
Vladimír Maòas: Fromme Bruderschaften der Olmützer Diözese in der Frühen Neuzeit
Zdenik Orlita: Gemeinschaft der Frommen im Wandel. Marianische Kongregationen in Mähren zwischen dem Tridentinum und der Aufklärung
Irene Rabl: Chrysostomus Wieser von Lilienfeld (1664-1747) als Präses der Lilienfelder Josephsbruderschaft
Julian Schmidt: "Guarnison der Peters=Burg" oder doch nur "versamblung viller Mentschen"? Die Dreifaltigkeitsbruderschaft bei St. Peter in Wien (1676-1783)
SIEBENBÜRGEN ALS TEIL DER HABSBURGERMONARCHIE
Zsuzsanna Cziráki: Die Rolle der Siebenbürger Sachsen in der Ostpolitik des Hauses Habsburg von 1611 bis 1616
Zsófia Szirtes: Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen am Anfang der Habsburgerherrschaft im Spiegel einer Denkschrift aus dem Jahr 1699
VERMISCHTE BEITRÄGE
Petra Rausch-Mátyás: Beiträge zur Beziehung zwischen der Zipser Kammer und der Niederösterreichischen Kammer. Kurzer Grundriss der Verwaltung der Bergkammer und der Münzstätte (Ungarisch) Neustadt (oder Frauenbach)/Baia Mare/Nagybánya, 1571 bis 1613
Sarah Pichlkastner: Das Ende der Wiener StadtzeichnerInnen. Die Einführung des generellen Bettelverbotes sowie der Beginn des Großarmenhauses 1692/93
Ines Weissberg: Ein Freistädter Blasphemieprozess 1716/17. Der Umgang mit dem Delikt der Blasphemie im rechtshistorischen Kontext
Siglen und Abkürzungen
Adressen der Beiträgerinnen und Beiträger
Publikationen der ungarischen Geschichtsforschung in Wien
Vorwort
Österreich und Ungarn, heute zwei benachbarte Staaten in Mitteleuropa, können auf eine lange gemeinsame, sich seit 1526 intensivierende Geschichte zurückblicken. Die gemeinsame staatliche Existenz fand mit dem Zerfall des Habsburgerreiches 1918 ihr Ende, die Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Region und die Nachbarschaft verleihen jedoch der Erschließung der gemeinsamen Vergangenheit für beide Seiten große Bedeutung. Die Erforschung der Geschichte des Vielvölkerstaates, des Habsburgerreiches mit seiner großen Ausdehnung und seiner langen Geschichte, übersteigt das Potential der nationalen Geschichtsschreibungen und erfordert mehr als andere Forschungsthemen eine vielschichtige internationale Kooperation. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit wird jedoch dadurch erschwert, dass man sich dazu über den Rahmen nationaler Geschichtsschreibungen erheben muss, die das Denken der Historikerinnen und Historiker der mittel-osteuropäischen Länder grundsätzlich determinieren.
Trotz mehrerer Verbindungsglieder, wie sie das Institut für Ungarische Geschichtsforschung in Wien (1920-1948 bzw. ab 2000), die ungarischen Archivdelegationen in Wien (ab 1926) oder das vielschichtige System für Stipendiaten (z. B. Stipendien des Collegium Hungaricum, der Aktion Österreich-Ungarn und des Erasmus-Programms der Europäischen Union) darstellen, verfügen die ungarische und die österreichische Geschichtsschreibung über unterschiedliche Fragestellungen und Schwerpunkte, arbeiten mit unterschiedlichen Methoden und sind forschungsorganisatorisch unterschiedlich verankert. Zwar wuchs in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Gebiet der Erforschung der Frühen Neuzeit in beiden Ländern eine neue Generation heran, doch Zusammenarbeit besteht auch hier nur punktuell und beruht in erster Linie auf persönlichen Kontakten. Auch deshalb sind die auf Initiative des Instituts für Ungarische Geschichtsforschung in Wien ins Leben gerufenen Workshops von großer Bedeutung. Mit ihnen wird angestrebt, dass die österreichischen, ungarischen, tschechischen, slowakischen und sonstigen mitteleuropäischen jungen Historikerinnen und Historiker gegenseitig ein Bild von Themenwahl und Zielsetzungen in der Forschung und den angewandten Forschungsmethoden erhalten. Häufig gehen diese Forscherinnen und Forscher in den Archiven aneinander vorbei oder sitzen nebeneinander an verschiedenen Fragestellungen, ohne aber Kontakt aufnehmen zu können. Durch die Tagungen sollen persönliche Beziehungen entstehen, die später die Grundlage einer engeren Zusammenarbeit bilden können. Die verschiedenen Schauplätze bieten auch dafür die Möglichkeit, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer neue Eindrücke von dem Land gewinnen, das den jeweiligen Schauplatz sicherstellt. Kleine Exkursionen in die Archive der Umgebung waren immer Bestandteil dieser Symposien, die auch die unterschiedlichen Forschungseinrichtungen der Region in den Blick nehmen sollen. Der erste Workshop ("Frühneuzeitforschung in Ungarn und Österreich") wurde am 2. und 3. Mai 2011 im Gebäude des Collegium Hungaricum Wien (Wien, II.) in der Hollandstraße veranstaltet. Ihm folgte vom 22. bis zum 25. Oktober 2012 das Symposium "Religion im politischen und sozialen Kontext (16.-18. Jahrhundert)" im Bildungshaus des Zisterzienserklosters Zwettl (Niederösterreich).
Der vorliegende Band umfasst insgesamt 22 Vorträge dieser beiden Workshops. Die Herausgeber gliederten die Vorträge in fünf Abschnitte. Ein Teil der Mitwirkenden befasste sich mit verschiedenen Aspekten der Geschichte des Adels und des Wiener Hofs. Es ist kein Zufall, dass die Mehrheit der Vorträge dem Themenbereich der Konfessionalisierung, dem "großen" Paradigma der Erforschung der deutschsprachigen Frühen Neuzeit, zugeordnet werden kann. Auch innerhalb dessen bilden die Studien, die sich mit der Geschichte der Bruderschaften beschäftigen, eine gesonderte Einheit. Ein weiterer Schwerpunkt des Bandes liegt auf Siebenbürgen. Die letzte Einheit stellen die gemischten Studien dar, unter denen gleichermaßen Arbeiten über die Verwaltungs-, die Sozial- und die Rechtsgeschichte zu finden sind.
Das Buch erscheint in der Reihe der "Publikationen der ungarischen Geschichtsforschung in Wien", die üblicherweise über ein Personen- und Ortsregister verfügen; aufgrund der großen regionalen und thematischen Breite des Bandes erschien es uns allerdings vertretbar, auf ein Register zu verzichten, weil der Mehrwert für den Band nicht besonders groß wäre. Obwohl die Themenwahl der Studien stark voneinander abweicht, sind die Herausgeber zuversichtlich, dass der Band einen nützlichen Überblick über Schwerpunkte und Fragestellungen zur Erforschung der mitteleuropäischen Frühen Neuzeit bieten wird und sogar künftigen Forschungen Impulse liefern kann. 2013 war die Katholische Universität Piliscsaba (nördlich von Budapest) Gastgeber des dritten Workshops, an dem auch die Universitäten Salzburg und Pardubice teilnahmen. Das Hinzukommen der neuen Partner veranschaulicht den Bedarf an gemeinsamer Arbeit wie Kooperation und die Lebensfähigkeit der Initiative, die universitäre und außeruniversitäre Institutionen in beiden Ländern zusammenführt.
Die sprachliche Überarbeitung und Redaktion der Studien sind den Wiener Kollegen Martin Scheutz und Thomas Winkelbauer zu verdanken. Bei der Redaktion des Bandes wirkte dankenswerterweise Sarah Pichlkastner (Wien) mit. Unterstützung erfuhren die Tagungen auch durch Mittel der Universität Wien. Unser Dank gilt zudem Friedel Moll und Martin Haltrich für ihre Führungen im Stadtarchiv bzw. im Stiftsarchiv Zwettl.
Wien, im Juni 2013
István Fazekas, Martin Scheutz, Csaba Szabó und Thomas Winkelbauer