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Versuch einer Geschichte der abwechselnden Schicksale der protestantischen Religion in Ungarn

INHALT, VORREDE


Inhalt


Vorrede
Einleitung
I. Periode. Von Einführung der protestantischen Religion in Ungarn bis auf den Wiener und Linzer Frieden, von 1523-1647
II. Periode. Vom Linzer Friede bis auf Kaiser Josephs II. Toleranzpatent, und seinen Tod, von 1647-1790
III. Periode. von Josephs Tode bis auf die neuesten Zeiten



Vorrede

Eine der merkwürdigern Begebenheiten unserer an großen Ereignissen so reichen Zeiten ist unstreitig die glückliche Wendung, welche die Lage der Protestanten in Ungarn unter Leopolds II. Regierung genommen hat. Dritthalb Jahrhunderte waren verflossen, in welchen sie, unter kurzen Zwischenräumen von Ruhe, Kränkungen aller Art von ihren katholischen Mitbürgern erfahren hatten. Taub für die Stimme der Menschlichkeit und der Religion des Friedens, und blind für die wahre Vortheile des Staats wären die Beherrscher von Ungarn blos den Eingebungen bigotter und eigennütziger Priester gefolgt, deren Zweck auf nichts geringeres gieng, als die ganze, kirchliche sowohl als bürgerliche, Existenz der Protestanten zu vertilgen. Und die Folgen davon? Unterdrückung von mehr als einer Hälfte guter und fleißiger Unterthanen, immer steigende Erbitterung und Mißtrauen unter den getrennten Religionspartheyen, Entvölkerung des Staats, innerliche Empörungen und daraus entstandene oder damit verbundene auswärtige Kriege, die sogar die deutsche Staaten der ungrischen Regenten mehr als einmal in ihren Grund festen erschütterten.

Es ist ein ganz eigenes Verdienst Leopolds II. daß er die Quelle dieser unseligen Wirkungen des Verfolgungsgeistes verstopft, und das, was sein großer Bruder, wiewohl mit sehr schwachen Bemühungen, angefangen, glücklich zu Stande gebracht hat. Allein wodurch erreichte er diesen grossen und heilsamen Zweck? Wie besiegte er die Hindernisse, welche zu übersteigen Joseph II. sich zu schwach fand? Was bewirkte dabei der persönliche Charakter Leopolds und eines großen Theils des katholischen Adels? Alle diese und noch mehrere Fragen müssen beantwortet werden, um den Zusammenhang dieser großen Begebenheit richtig einzusehen.

In wie weit dies durch gegenwärtige Schrift geleistet worden, überlasse ich dem Urtheil unpartheyischer fachkundiger Richter. Ich habe nicht nur während meines Aufenthalts in Wien und Preßburg im Jahr 1791. den Ursachen dieser wichtigen Veränderung nachgeforscht, und manche dahin gehörige Aufschlüsse von einsichtsvollen Männern erhalten; sondern auch den größten Theil dessen, was schon hierüber geschrieben worden ist, sorgfältig zu benutzen gesucht. Indessen bin ich weit entfernt, meiner Arbeit einen größern Werth beizulegen, als den eines Versuchs, in dem, neben einigen vielleicht noch nicht bekannten Anmerkungen, die hieher gehörigen zerstreuten Nachrichten geordnet, und in ihrer gehörigen Verbindung vorgetragen sind. Eine vollständige pragmatische Geschichte dieser großen Begebenheit wird wohl, da sie noch zu neu ist, vor den ersten 10. Jahren nicht zu erwarten seyn.

Eine gründliche Einsicht in den, durch das Religionsedickt Leopolds II. so glücklich verbesserten, kirchlichen Zustand der Protestanten in Ungarn erfordert Kenntniß ihres vorigen Zustandes und ihrer mannigfaltigen Bedrückungen. Ich habe daher in den ersten zwey Abschnitten eine kurze, aus den beßten Schriften gezogene, Geschichte ihrer abwechselnden Schicksale bis auf die Regierung Leopolds vorausgeschickt. Auch habe ich hie und da in den Noten einige Bemerkungen über den neuesten Zustand der Protestanten in den übrigen deutschen Staaten der österreichischen Monarchie beygebracht, die vielleicht manchen Lesern nicht uninteressant seyn werden.

Geschrieben im Monat May 1792.


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