Fischer Károly Antal
Gül-Baba, die mohammedanische Wallfahrtsstätte in Budapest
EINLEITUNG
Auf einem der schönsten Punkte Budapests, auf dem Rosenhügel, steht ein kleines achtseitiges, kuppelförmig überwölbtes und mit dem Halbmonde geziertes Gebäude mit altersgeschwärzten Mauern aus Quadersteinen. Die acht Seiten sind in abgefaserte Felder getheilt und das Hauptgesims ist mit Plattel und Hohlkehle versehen. Der Typus des Baues ist, nach der die Kuppel krönenden, aus Brettern zusammengefügten Laterne zu urtheilen, der einer römisch-katholischen Kapelle. Aber dieser Aufsatz ist keine eigentliche Laterne, weil sie ja mit dem Innern in keiner Verbindung sfceht, indem die Kuppel innen geschlossen ist; der laternenförmige Aufsatz ist also jedenfalls eine Zuthat neuerer Zeit.
Überhaupt hat dieses Gebäude heute nicht mehr seine ursprüngliche Gestalt. Bei der letzten durch den nunmehrigen Besitzer des Grundes, Herrn Architekten Johann Vagner vorgenommenen Renovierung zeigten sich beim Entblößen des inneren Verputzes schon zwei Adaptierungen. Bei dieser neueren Renovierung wurden auch die früheren zwei seitlichen Bogenfenster vermauert und durch oben angebrachte ovale Lichtlöcher ersetzt Ein nun neben der Thüre liegender Säulenschaft, welcher früher beim Eingänge als zweite, obere Stufe diente, lässt muthmaßen, dass der Eingang durch ein von Säulen getragenes Vordach geschützt war.
Das Gebäude ist jedenfalls ein Überrest der türkischen Herrschaft in dieser Stadt und gelangte, ob nun als ein Gott geweihter Orb oder als Grabmal, zu hohem Rufe im Islam und war, wie die Geschichte bezeugt, seit seinem Entstehen ein in hohem Ansehen stehender Wallfahrtsort mohammedanischer Pilger.