Inkey Béla
Geschichte der Bodenkunde in Ungarn
INHALT, VORWORT
Inhalt
Vorwort
ERSTER TEIL.
I. Von der Geologie zur Pedologie
II. Die Bodenkunde an der kön. ungarischen geologischen Anstalt
III. Die erste internationale Konferenz der Agrogeologen in Budapest
IV. Die Sodaböden Ungarns
V. Der Flugsand und seine Kultur
VI. Die im Interesse des Weinbaues unternommenen Bodenuntersuchungen
VII. Das landwirtschaftliche Versuchswesen
VIII. Torf- und Moorforschung
IX. Theoretische Arbeiten
ZWEITER TEIL.
Verzeichnis der agrogeologischen Literatur Ungarns
Vorwort
Wenn sieh die Kenntnis vom Boden erst in jüngster Zeit zu einem selbstständigen Zweig des menschlichen Wissens entwickelt hat, so folgt daraus nicht, daß ihr Gegenstand, der Boden, früher keinerlei Beachtung gefunden habe. Sobald sich die Menschheit auf die Kulturstufe des Feldbaues erhoben hatte - und dieser Zeitpunkt rückt bekanntlich bis in das Dunkel praehistorischer Zeiten zurück, - mußte der Mensch seine Aufmerksamkeit der Basis des Pflanzenwuchses zuwenden. Und je höher die Kultur stieg, je rationeller der Feldbau betrieben wurde, umso eingehender war die Kenntnis, die der Mensch von den Eigenschaften des Bodens empirisch erwarb. Als nun gar die Rolle, welche die mineralische Zusammensetzung des Bodens bei der Ernährung der Pflanzen spielt, durch Liebig erkannt wurde, bemächtigte sich die Wissenschaft der Chemie dieses Gegenstandes in der Hoffnung, durch ihre Analysen der Praxis des Ackerbaues zuhilfe kommen zu können. Dies war der eine Weg, auf welchem die Wissenschaft zur Bodenuntersuchung gelangt ist: er führte über die Pflanzenphysiologie und die Chemie zur Erforschung eines der Hauptfaktoren des Pflanzenwuchses, zur Bodenkunde.
Allein es gab noch einen anderen Weg, der demselben Ziele zustrebte, gleichsam in entgegengesetzter Richtung, von unten nach oben, von der Gesteinsunterlage zur Bodendecke; und die Wissenschaft, welche diesen Weg betrat, war die Geologie. Aus der Geologie, im Verein mit der physikalischen Geographie, ist im Laufe der Zeit ein neuer Wissenszweig erwachsen und dort, wo die beiden Wege zusammentrafen, wo also der Boden in seinen beiden Beziehungen - einerseits zur Pflanzendecke, andererseits zum Untergrund - untersucht wurde, dort liegt der Geburtsort der Wissenschaft, die wir Bodenkunde nennen.
Wer die allgemeine Geschichte dieser Wissenschaft darlegen will, muß diese zwei verschiedenen Ausgangspunkte berücksichtigen, und es steht ihm frei, welchen der beiden Wege er zuerst betreten will, da ja der Kreuzungspunkt, an welchem sich die beiden Tendenzen trafen und zu einer neuen Wissenschaft vereinigten, je nach den verschiedenen Ländern bald auf dem einen, bald auf dem anderen Weg früher erreicht wurde.
Wo es sich, wie hier, speziell um die Geschichte der Bodenkunde in Ungarn handelt, scheint es angemessen, dem zweiten Wege, dem der geologisch-geographischen Forschung den Vorrang zu geben. Wenn es auch schwer ist zu entscheiden, welcher der beiden Wege hier frühzeitiger betreten worden ist, so geht doch aus der Übersicht aller Literaturangaben hervor, daß in Ungarn die eigentliche wissenschaftliche Bodenforschung früher und ausgiebiger an die Untersuchung des Untergrundes und der physikalisch-geographischen Bedingungen als an die chemisch-physiologischen Bodeneigenschaften anknüpfte.
Im Folgendem soll daher zuerst der Gang der Bodenforschung auf geologischer Grundlage vollständig verfolgt werden, worauf dann zurückgreifend geschildert werden kann, welchen Anteil die Wissenschaften der Chemie und Pflanzenphysiologie, sowie die landwirtschaftliche Praxis an dieser Entwicklung genommen haben.
Wer sich auf die Geschichte der streng wissenschaftlichen Pflege der Bodenkunde beschränken wollte, hätte in Ungarn beim Auf suchen, der literarischen Quellen kaum auf mehr als ein halbes Jahrhundert zurück zu greifen. Ist es doch im Auslande auch nicht viel anders. Zieht man jedoch in Betracht, daß sich die Anfänge dieser Wissenschaft, hier wie dort, in der Geschichte der verwandten Disciplinen viel weiter zurück verfolgen lassen, so muß es auch uns gestattet sein, diese ersten Keime dort aufzusuchen, wo sie Spuren hinterlassen haben. Und wenn wir dabei all das berücksichtigen wollen, was auch in den älteren Werken auf die Kenntnis des heimatlichen Bodens Bezug hat, mag es nun von den Söhnen des Landes selbst oder von Ausländern herstammen, so gelangen wir in der Quellenforschung fast bis in die Mitte des XVIII. Jahrhundertes. Dementsprechend habe ich als Anhang zu dieser geschichtlichen Darstellung ein Literaturverzeichnis zusammengestellt und dasselbe so vollständig zu machen getrachtet, als es mir möglich war.
Die Literaturangaben sind chronologisch geordnet und laufend nummeriert, so daß im Text der historischen Darstellung von diesbezüglichen Fußnoten Abstand genommen konnte, indem diese durch Angabe der Nummer (in Klammern) ersetzt wurden.
Sowohl die geschichtliche Ausführung wie das Literaturverzeichnis schliessen mit Ende des Jahres 1913 ab.
Taródháza, Dezember 1913.
Der Verfasser.