Die Kunst von Ilka Gedő im Spiegel ihrer Schriften, Notizen und anderer Dokumente
INHALT, EINLEITUNG
Inhalt
1. Statt einer langen Einleitung
2. Vorwort (Péter György-Gábor Pataki-Júlia Szabó-Endre Bíró)
3. Gedős Briefe an ihre Eltern (1936-1943)
4. Anna Lesznai an Ilka Gedő, 1939
5. Róbert Berénys Ratschlag für Ilka Gedő, den 12. Juni 1939
6. Empfehlungsbrief von Gusztáv Végh, den 31. August 1939
7. Brief von Olga Kovács Székely an Gedő
8. Milán Füsts Brief an Ilka Gedő, 23. Mai 1943
9. Gedős Brief an Milán Füst, 30. Juni 1943
10. István Örkényi-Strasser über Gedő, 1942
11. Ein Brief aus Hódmezővásárhely, 1944
12. Mein Leben, Autobiographischer Bericht aus 1951, Auszüge
13. Brief an Ernő Kállai und Kállais Antwort, 1949
14. Mándy Stefánia: Zur Vorgeschichte von Ilka Gedős Studie über Lajos Vajda
15. Mándy Stefánia: Reflexionen, November 1954
16. Gedős Studie über Lajos Vajda, 1954
17. Der Entwurf eines Briefes an Lenke Haulisch, 1979
18. Drei Briefe des Kunstfonds der Ungarischen Volksrepublik an Ilka Gedő , 1971, 1972, 1982
19. Júlia Vajdas Brief an Iván Dévényi über Gedő, 1974
20. Tagebuchaufzeichnungen über die Entstehung des Gemäldes mit dem Titel Equilibristen, 1977
21. Endre Bálint über Ilka Gedő, 1984
22. Ilka Gedős Brief an Mikós Szentkuthy, 1984
23. Gedős Brief an Péter Surányi (Ausschnitte)
24. Sándor Lukácsys Ausstellungseröffnungsrede, 1980
25. Ilka Gedő über den Hintergrund ihrer Studie über Lajos Vajda, 1983
26. Der Brief von László Beke an Ilka Gedő, 1980
27. Gedő beantragt die Nutzung eines Ateliers in der Künstlerkolonie Szentendre, 1985
28. Ibolya Urys Eröffnungsrede bei Gedenkausstellung Gedős, 1985
29. Endre Bíró: Ilka Gedős Atelier, wie es zum Zeitpunkt ihres Todes hinterlassen wurde, 1985
30. Ágnes Gyetvai: Die Kunst von Ilka Gedő
31. Endre Bíró: Die Gruppe der Intellektuellen um Lajos Szabó, 1985
32. Endre Bíró: Erinnerungen an die künstlerische Laufbahn von Ilka Gedő, 1985
33. Júlia Szabó: Ausstellungseröffnungsrede in der Kunsthalle von Budapest, 1987
34. Die Ausstellungeröffnungsrede von György Spiró, Kunsthalle, Mai des Jahres 1987
35. Péter György - Gábor Pataki: Die offizielle Kunstpolitik in Ungarn zwischen 1945-1988
36. Júlia Szabó: Die Zeichnungen von Ilka Gedő, 1989
37. Die Serie der Ganz-Fabrik Zeichnungen
38. Árpád Göncz: Die Bilder einer Ausstellung
39. János Frank über Ilka Gedő, 1996
40. Júlia Szabó über die Zeichnungen von Ilka Gedő, 1997
41. Júlia Szabó über die Serie der Gettozeichnungen, 1997
42. Júlia Szabó über die Serie der Selbstportäts (1944-49), 1997
43. Maurice Tempelsmans drei Briefe über Gedő
44. Márta Kovalovszky über Gedős Ausstellung in Szombathely, 1989
45. Gyula Rózsa: Der Preis, des Lebenswerkes, 2004
46. Ágnes Horváth: Das Oeuvre als Vorwand
47. Dávid Bíró: "Der Preis des Lebenswerkes" oder "Das Lebenswerk als Vorwand", 2005
48. Géza Perneczky: Ein farbenprächtiges Album für Ilka Gedő
49. Géza Perneczky: Eine Mappe voller Zeichnungen, 2007
50. Júlia Szabós Eröffnungsrede im Museum Kiscell, 2001
51. Kriszta Dékei: Kann eine Künstlerin eine echte Frau sein oder umgekehrt?
52. Eröffnungsrede von Ursula Prinz an der Berliner Ilka Gedő Ausstellung, 2006
ANHANG
Einzelausstellungen
Gruppenausstellungen (Auswahl)
Werke in öffentlichen Sammlungen
Liste der Ölgemälde
Ölgemälde in öffentlichen Sammlungen
Ungarische Nationalgalerie
Museum des Königs Heiliger Stephan, Székesfehérvár, Ungarn
Werke auf Papier in öffentlichen Sammlungen (eine detaillierte Liste)
1. Ungarische Nationalgalerie
2. Museum des Heiligen Königs Stephan, Székesfehérvár
3. Graphische Sammlung des British Museums
4. Israel Museum, Jerusalem
5. Jüdisches Museum, Budapest
6. Kupferstichkabinett, Berlin
7. Graphische Sammlung des Museum Kunstpalasts, Düsseldorf
8. The Jewish Museum, New York
9. Yad Vashem Art Museum, Jerusalem
10. Grahische Sammlung des Albertina Museums
11. Graphische Sammlung des Museums der bildendern Künste (MFAH), Houston, Texas, USA
12. Albright-Knox Art Gallery, Buffalo, New York State, USA
13. Abteilung für moderne und zeitgenössische Kunst des Metropolitan Museums
14. Graphische Sammlung des Hezog Anton Ulrich Museums, Braunschweig
15. Graphische Sammlung des MoMA, New York
16. Städel Museum, Frankfurt am Main
Chronologische Übersicht
Literaturliste
Schriften von Ilka Gedő
Präsenz im Internet
Kataloge
Sammelausstellungskataloge
Bücher
Katalogeinführungen
Zeitschriftstudien
Zeitungsartikel
Die Manuskripte von Ilka Gedő
I. Tagebuchaufzeichnungen über die Enstehung der Ölgemälde
II. Notizbücher, Übersetzungen und Aufzeichnungen über die Farbenlehre
Ölfarben von Ilka Gedő
Bücher über Kunstgeschichte in Gedős Bibliothek
Biographische Angaben.380 Farbmuster
Ganz-Fabrik
Die Tisch-Serie
Eine Auswahl aus den Selbstporträts
1. Juvenilia Selbstporträts
2. 1944 entstandene Selbstbildnisse in dem Budapester Ghetto
3. Die Traumas des Kriegs-Bewältigungsversuche
4. Die Künstlerin zeigt ihre Würde
5. Die Künstlerin bei der Arbeit
6. Aktstudien
7. Liebe
8. Die letzten zwei Zeichnungen der ersten Schaffensperiode
9. Gemalte Selbstporträts
Sämtliche Ölgemälde
Einleitung
Aus dem Brief von László Beke, geschrieben an Gedő (10. August 1980)
Ich glaube, es ist völlig sinnlos, Parallelen zwischen Ihrer Kunst und den "zeitgenössischen" Trends zu ziehen, denn Ihre Kunst hätte jederzeit zwischen 1860 und 2000 geboren werden können. Sie bezieht ihre Inspirationen nicht von "außen", sondern von "innen", und ihre Kohärenz und Authentizität ergeben sich aus der Beziehung, die diese Kunst mit ihrem Schöpfer hat - und das kann unmöglich der Aufmerksamkeit der Betrachter dieser Werke entgehen.
Ausstellungseröffnungsrede von Sándor Lukácsy (Museum König Stephan des Heiligen, Székesfehérvár, 1980)
"Jeder, der spürt, dass es sich lohnt zu warten, kann warten", schrieb der berühmte ungarische Dichter Endre Ady in einem seiner späten Gedichte. Als die Periode des Schaffens von Schönheit im Leben von Gedő eintraf, hatte sie schon viel gewartet.
Endre Bálint: Életrajzi törmelékek (Erinnerungsfragmente) Budapest, Magvető Könyvkiadó, 1984, S. 150 & S. 242
Was die Farben betrifft, so ist es vielleicht Gedős Umgang mit den Farben , der sie in den Rang der besten Malerinnen erhebt: Ihre Farbakkorde sind so originell, dass sie in der ungarischen Malerei einzigartig ist. Die besten Farbakkorde von Gedő erinnern durch ihr Schillern vielleicht an den mutigen Umgang mit den Farben des alten Pierre Bonnards. / Es war schön, die Bilder von Ilka Gedő wieder zu sehen, denn diese Künstlerin hat seit ihrer Ausstellung in Székesfehérvár große Fortschritte gemacht. Sie hat keine bewährten Tricks, sie ist in allen ihren Bildern sowohl thematisch als auch farblich so präsent, dass sie mit niemandem verwechselt werden kann, und ihr Stil ist nur mit ihr selbst zu vergleichen, auch wenn man annimmt, dass es ein Kriterium gibt, das ein Maler befolgen sollte. Ihr einzigartiger Ansatz spiegelt sich in ihrem gesamten Werk wider.
Aus Ibolya Urys Ausstellungseröffnungsrede in der Gedenkausstellung von Gedő, 28. Juni 1985
Es besteht kein Zweifel: Diese Ausstellung zeigt die Werke einer Künstlerin, die von nichts und niemandem außerhalb ihrer inneren Kräfte abhängig ist. Es ist die malerische Herangehensweise von Ilka Gedő, die sie in besonderer Weise einzigartig macht, und deshalb ist ihre Kunst anders als die aller anderen.
Ausstellungseröffnungsrede von György Spiró, Műcsarnok, im Mai 1988
Ein Gemälde kann vieles sein: Es kann ein Dokument sein, ein Kampfplatz, religiöse und irreligiöse Symbolik, ein ideologisches Ausrufezeichen oder eine Geste wie das schwarze Quadrat. Am wenigsten kann es ein eigenständiges Kunstwerk sein. Das zwanzigste Jahrhundert zeigt, zumindest für mich, dass Kunstwerke, egal welcher Gattung sie angehören, nicht in erster Linie von Personen geschaffen wurden, die sich als Künstler betrachteten, sondern von versteckten, geheimnisvollen, besonderen Menschen, die nicht den Status eines Künstlers haben. (...) Vergeblich leben diese Menschen in den Grenzen der Zeit, was immer sie schaffen, ist zeitlos und alterslos. / Das malerische Oeuvre von Gedő existiert an und für sich, es zeigt den Triumph der schöpferischen Kraft über die Zeit, über die Zeitalter und den Tod. Wenn man diese Bilder hier zusammen betrachtet, hat man das Gefühl, als wäre nichts natürlicher. / Dies ist jedoch, muss ich sagen, das Wunder selbst.
János Frank: "Ilka Gedő" In: Anita Semjén Anita (Hrsg.): Áldozatok és gyilkosok (Victims and Perpetrators), Stiftung für Kulturaustausch, Budapest, 1996
Jeder Kunsthistoriker, der versucht, die Vorläufer der Kunst von Ilka Gedő zu finden, wäre in Schwierigkeiten, und das zu Recht. Er wäre nicht in der Lage, welche zu finden. Gedő ist von ihrer eigenen Welt, die aus mehreren hundert Zeichnungen und 152 Gemälden besteht.
Géza Perneczky's Buchbesprechung, Holmi, Dezember 2003, S. 1629-1630
Ich habe das Gefühl, dass der Rückzug von Ilka Gedő ein Akt war, der im künstlerischen Bereich stattfand. Als sie einen Punkt erreicht hatte, an dem der einzige Weg, der ihr offen stand, in Richtung steriler Planung oder der Verbreitung von Nachahmern ging, wandte sie sich ab und verstummte, denn nur so konnte sie sich selbst und der Welt ihrer früheren Zeichnungen treu bleiben.
Géza Perneczky's "A rajzmappa" (Die Mappe der Zeichnungen), Holmi, Band 19, Nr. 8. August 2007, S. 1042-1043
Die Avantgarde des 20. Jahrhunderts begann in der Tat, als der Künstler die seit der Renaissance existierenden sicheren Häfen verließ und sich den Gefahren stellte, die ihre menschliche und künstlerische Existenz brüchig machten. Die Sammlung und Nachahmung der Holzskulpturen afrikanischer und ozeanischer Völker, die paradoxe Unerklärbarkeit der geometrischen Darstellung oder die abenteuerlichen Reisen ins Unbewusste, all diese Versuche waren in der Tat Experimente, die diese Künstler in einen Nahtodzustand brachten. Dies ist zumindest im ästhetischen und moralischen Sinne sicher, da die Gesellschaft, die diese künstlerischen Versuche umgibt, diese Versuche für absurd und sogar unmoralisch hielt.
Als zu gegebener Zeit einige wirklich sündige Dinge geschahen, dann brauchten die Künstler diese künstlichen Schöpfungsmittel nicht mehr. Die alltägliche Realität war so absurd geworden, dass ihre Trägersysteme einfach zusammenbrachen, und in der Widerspiegelung alltäglicher Phänomene waren das Nichts und der Tod sichtbar geworden.
Ilka Gedő erlebte solche Situationen bereits in ihrer Jugend. Die Mappen zeigen, dass diese Männer und Frauen zusammen mit Ilka Gedő in dieser gefährlich zerbrechlichen Situation gewesen sind. Interessant ist hier, dass Ilka Gedő als Grafikerin nicht die Ismen brauchte, um etwas zu schaffen, das einem beim Betrachten ihrer Arbeiten auf Papier den Atem raubt. Bei diesen Arbeiten auf Papier ist keine Akrobatik nötig, denn die Spannung wird auch ohne akrobatische Tricks unerträglich. Es genügt, eine Mappe zu öffnen, und man sieht das sofort.
Gyula Rózsa's Ausstellungsrückblick über Ilka Gedő's retrospektive Gedächtnisausstellung in der Ungarischen Nationalgalerie (Népszabadság, Januar 29. 2005)
Ilka Gedő hätte eine politische Malerin sein können, sie hätte eine Malerin des Holocausts sein können. Ein Teil der ungarischen Kunstszene hat sie vertrieben, weil sie keine abstrakte Malerin war, während sie bei der anderen Gruppe von Malern nicht um Aufnahme gebeten hat, da sie keine realistische Malerin war. Die gesamte ungarische Kunstszene zwang sie ins Exil. Ihr Oeuvre ist unabhängig von den Kunstrichtungen und stellt eine autonome Kunst dar. In dieser Region Europas kann man einen hochgeschätzten Wert nur für einen hohen Preis erhalten.
Ausstellungseröffnungsrede der Kunsthistorikerin Ursula Prinz, stellvertretende Direktorin der Berlinischen Galerie im Berliner Collegium Hungaricum, 8. März 2006
Bei aller inneren Emigration ist sie doch Teil ihrer Welt geblieben. Nicht aus Unkenntnis hat sie sich den gängigen Kunstrichtungen nicht angeschlossen. Sie ist letztlich dem gefolgt, was Ernő Kállai ihr in seinem kurzen Brief schon 1949 geschrieben hatte: "Ich würde Ihnen raten, Ihre Augen zu benutzen und Ihrem Herzen zu folgen.... Nehmen sie keine Notiz von den cleveren Alleswissern und Snobs, denen van Gogh ein ausgelaufenes Konzept ist und nach deren Meinung Sie Picassos abstrakter Kunst folgen müssten." Ilka Gedő ist ihrem Herzen immer gefolgt, hat spät zu dem ihr ganz eigenen Stil gefunden und nun, noch später, zu dem verdienten Ruhm.
Péter György - Gábor Pataki: Die offizielle Kunstpolitik in Ungarn zwischen 1945-1988
Man muss auch bedenken, dass, während sich in Westeuropa die Diskussionen auf Fragen der tatsächlich existierenden Kunst konzentrierten, in Ungarn viele Jahrzehnte mit der sinnlosen Diskussion darüber verschwendet wurden, "wie Kunst sein sollte". Eine zu intensive, politisch inspirierte Auseinandersetzung mit der Frage, wie Kunst sein sollte, hatte fast zum Untergang der ungarischen Kunst geführt. Dass dies nicht geschah, ist das Verdienst von Ilka Gedő und ihrer Künstlerkollegen.