Fuchs Frigyes
Ungarns Urwälder und das Wesentlichste zur Kenntniss, Beurtheilung und Einführung eines rationellen Forstbetriebs in ungarischen Privatwaldungen : für solche, die ohne Forstmänner von Fach zu sein, als Waldbesitzer oder deren Bevollmächtigte, Rechtsfreunde, Oekonomiebeamte oder sonstwie...
INHALT, VORREDE
Inhalt
Erster Abschnitt: Ungarns Urwälder in naturhistorischer und volkswirtschaftlicher Hinsicht.
Über Urwälder überhaust und die ungarischen insbesondere; deren Ausdehnung, Verhältnis zu den schon forstmäßig bewirtschafteten, Charakteristik der darin vorkommenden Holzarten, gewöhnliche Stärke der alten Bäume in denselben, Hochwild und größere Raubtiere, die darin noch angetroffen werden
Ganz besonders abnorme darin vorwaltende forstliche Behältnisse und Zustände.
Was mit diesen gegenwärtig ein meist beinahe noch wertloses Besitzthum für den Waldbesitzer bildenden Wäldern anzufangen sei, um ihnen nach und nach eine entsprechende Rentabilität abzugewinnen
Über Rodungen eines Teils dergleichen Wälder zur Anlage von Colonien oder zu sonstigem ökonomischen Behuf
Über Einführung von holzkonsumirenden Gewerben in dieselben
Über Anlage einfacher: und zweckmäßiger Waldwege. Auslagen, welche deren Herstellung und Erhaltung, je nachdem man damit einen oder den andern Zweck erreichen will, erfordert
Einfluß der Wälder auf die Agrikultur des Landes
Zweiter Abschnitt.
Unghvárer Vortrag des Verfassers über die Hindernisse der Entwickelung eines rationellen Forstbetriebs in ungrischen Privatwaldungen, und darüber, melde Anbahnungen zur Behebung derselben wünschenswerth wären
Nachtrag zu denselben
Dritter Abschnitt. Über Walderziehung, Holzzucht.
Über Holzzucht im Allgemeinen und den Gang, welchen die Natur bei der Fortpflanzung der Wälder einzuschlagen pflegt
Durchforstung, worin sie besteht, und zu welchem Ende sie unternommen wird
Plenterwirthschaft, deren Eigentümlichkeit, Bor- and Nachteile derselben für den Wald und den Waldbesitzer, Umstände, unter welchen diese primitive Waldwirthschaftsart als zweckmäßig beibehalten werden dürfte
Waldverjüngung durch den Fahlen Abtrieb
Waldverjüngung durch den sukzessiven Sau
Waldverjüngung durch Dunkel- Licht- und Abschläge
Waldverjüngung durch den Coulissenhieb
Über künstliche Holzzucht durch Saat und Pflanzung
Die Riemannsche Kulturmethode
Die Buttlarsche Kulturmethode
Einiges Über den Wechsel der Holzarten
Vierter Abschnitt. Forsttaxation, Forstregulirung.
Das Wesentliche einer superfiziellen Taxation
Genaue Taxation, und zwar Taxation oder Gehaubestimmung auf den ganzen Turnus
Periodische Gehaubestimmung
Einiges über eine Gehaubestimmung durch eine quinquenne proportionierte Schlageintheilung
Über die Auslagen die eine superficielle und diejenigen auch eine genaue Taxation erfordert
Kurze Beschreibung des altern Befahrens bei der Waldabschätzung Beschreibung des neuern Befahrens biebei
Erfahrungstabelle über den Holzertrag, complet geschlossener Fichten und Buchenbestände auf dem Karpathensandsteingebürge, nebst Folgerungen die daraus gezogen werden können
Anhang über die Berechnung des Geldwerths eines Waldes
Fünfter Abschnitt. Forstschuß.
Über Forstschuß überhaupt
Borkehrungen zur Vermeidung von Sturmschäden
Beschränkung des Borkenkäfers in den Fichtenwaldungen
Verheerungen durch Waldbrände, und die Mittel, sie zu vermeiden und ihnen Einhalt zu thun
Über die Wichtigkeit der Einführung und Aufrechthaltung zweckmäßiger Präventivmaßregeln zum Schutz des Waldes
Über Holzverschwendung durch fehlerhafte Forstadministration selbst
Holzverschwendung bei der Schindelerzeugung
Holzverschwendung bei der Erzeugung von Bretthölzern
Beeinträchtigung des Holzertrags der Waldungen durch zahllose Beschädigungen an jüngerm und älteren Holz
Einiges Über Convention und Dienstemolumente der Waldstrafgeldern
Über die Gehalte der Förster und die unerbittlichen Anforderungen des Lebens auch an sie, als Familienväter
Über Betheiligung des Forstpersonals an den Waldstrafgeldern
Vorschlag von Renumerationen statt der Beteiligung an den Waldstrafgeldern
Über jährliche Forstrevisionen und deren Rothwendigkeit
Sechster Abschnitt. Forstbenutzung.
1. Benutzung des Waldes zu Brennholz
2. Benutzung desselben zu Kohlholz. Rothwendige Einrichtungen zum Hortheilhaften Betrieb einer Köhlerei
Auslagen welche der Betrieb einer Köhlerei erfordert, Kohlausbringen von der Kubikklafter weichen und harten Holzes, pekuniäre Resultate der Köhlerei in eigener Regie oder auf eigene Rechnung des Waldbesitzers
3. Das Holz als Bau- und Floßholz. Über das Imprägniren des Holzes zur längern Dauer desselben
4. Brettsägen, deren Leistungsfähigkeit bei zerfurchenden Einrichtungen derselben
5. Schindelerzeugung. Über Schielmaschinen
6. Waldbenutzung auf Werk- und Zeugholz
7. Die Eichelmast und Knoppernsammlung
8. Die Waldweide als Prozent. Schlüssel zur Berechnung eines angemessenen Viehstandes zur Benutzung der Waldweide, bei einem regelmäßigen Zustand des Waldes, bei verschiedenen Holzarten und verschiedener Waldwirtschaft
9. Die Pottaschsiederei
Siebenter Abschnitt. Von der Ablösung und Regelung der Forstservituten.
Bemühungen des ungrischen Forstvereins und dessen Verdienste um die zweckmäßige und gründliche Lösung dieser Aufgabe
Kurze Überfischt des Verfahrens bei der Durchführung der Ablösung der Urbarialholzung mittelst Ausscheidung einer entsprechenden Waldfläche
Beispiel zur Erläuterung dieses Verfahrens
Was dort zu machen, wo der ausgeschiedene Gemeindewald gegenwärtig noch seiner gleichförmigen nachhaltigen Bewirtschaftung fähig ist
Über das Servitut der Waldweide
Über die Regelung der Urbarialholzung mittelst Fixirung der jährlichen Holzabgabe
Achter Abschnitt. Ein Wort über Forstschulen, Schulen für Förster und Waldheger.
Einiges über diesen Gegenstand überhaupt
Mittheilungen über den auf Anregung des Forstvereins ausgefertigten Entwurf zur Errichtung einer eigenen höhern Forstlehranstalt für Ungarn
Mittheilung des Programms der diesfallsigen permanenten ungrischen Forstvereins Commission zur Errichtung von drei Försterschulen im Lande
Einiges über Schulen aber praktische Unterrichtsanstalten für Waldheger. Grundzüge zu deren etwaigen Errichtung in den bewaldeten Comitaten des Landes
Anhang.
Erklärung der in diesem Werke vorkommenden technischen Forstausdrücke, nebst deren Angabe in ungrischer Sprache
Vorrede
Daß in einem Lande wie Ungarn, das an der äußersten Ost-Grenze europäischer Zivilisation und Kultur gelegen, durch Jahrhunderte die Aufgabe zu erfüllen hatte, als Vormauer gegen die Invasionen asiatischer Barbarei zu dienen, selbst jetzt noch, wo die vom Halbmonde drohende Gefahr längst verschwunden, manche Spuren der früher geführten blutigen Kämpfe zurückbleiben mußten und daß unter solchen Umständen und bei dem Genius seiner Bevölkerung viele Behältnisse anders, als in den westlichen Nachbarländern sich gestalteten, ja selbst die Natur des Landes einen eigenen Charakter annehmen mußte, ist wohl ganz natürlich. Der noch heute bemerkbare halbasiatische Typus so vieler Gegenden in den ausgedehnten Theiß und Donauebenen, das Bestreben die fehlenden Menschenhände durch Triebkräfte zu ersetzen, die massenhafte Anhäufung der Bevölkerung in großen Ortschaften mit ungeheuren Territorien, und die meilenweite Entfernung dieser Ortschaften von einander, dies und manches Andere find genugsam bekannte und sattsam besprochene Eigentümlichkeiten des Landes und feiner Bewohner. Niemand dagegen - so viel ich weiß - hat es bisher noch als bemerkenswert hervorgehoben, daß Ungarn nicht bloß in seinen Feldern, Röhrichten und Viehweiden (Büßten), sondern auch in seinen bewaldeten Theilen - in seinen großen, wahren Urwäldern einen eigentümlichen Character der Vorzeit aufbewahrt habe; - dies wohl nur deshalb, weil - mit Ausnahme des einst berühmten Bakony - unsere entlegenen Waldregionen dem Auge wissenschaftlich forschender Männer zu sehr entrückt find. Erst in den letzten Jahren wurde durch den vom ungarischen Forstverein ausgehenden Impuls das Interesse für diese naturhistorisch und volkswirtschaftlich werkwürdige und wichtige Tatsache rege gemacht und gelangten einige wertvolle Mittheilungen über die Urzustände eines großen Theils unsrer Waldungen in die Öffentlichkeit.
Wenn ich es hiermit wage, eine sowohl aus eigener Anschauung und Erfahrung, als auch aus den Vereins - Verhandlungen und aus Privatmittheilungen einiger Freunde geschöpfte Beleuchtung des abgeregten Gegenstandes, mit dem ich mich bei meiner von Jugend an gehegten innigen Vorliebe für den Wald vertraut zu. machen vielfach Gelegenheit hatte, dem Publikum in diesem Werkchen, oder eigentlich in dem ersten Abschnitte derselben zu übergeben; so hat mich hiezu hauptsächlich der ganz überraschende Beifall ermutigt, der einem von mir im Jahre 1857 in der Unghvarer Hauptversammlung des ungarischen Hauptversammlung gehaltenen Vortrage "über die Hindernisse der Entwickelung eines rationellen Forstbetriebes in ungarischen Privatwaldungen" zu Theil geworden.
In diesem Vortrage hatte ich unserer Urwälder - in deren ehrwürdigem Schatten wir Tags darauf selbst auf meilenlange Strecken wandelten - und der darin vorkommenden, ganz eigentümlichen, von denen anderer Länder oft sehr abweichenden Verhältnisse und Zustände bloß im Allgemeinen mit einigen Worten als höchst beachtungswerth erwähnt, ohne mich bei der ähnlichen Vorträgen in den Hauptversammlungen nur knapp zugemessenen Zeit in nähere Details einzulassen. Hier soll nun, gleichsam als Komplement meines Unghvárer Vertrages, diese Lücke ausgefüllt werden, indem sich) aus näherer Kenntnis der Beschaffenheit unsrer Urwälder und der darin auf große Strecken vorwaltenden primitiven forstlichen Verhältnisse so Manches in unserer mitunter ganz abnormen Forstverwaltung in solchen Gegenden, wo die große Masse des Holzes, nämlich das Klafterholz, noch gar keinen Preis und Werth erlangt hat, erst recht erklärt. Manches, was anderwärts bei schon geregelten Verhältnissen und der bereits vorhandenen Möglichkeit, alles Holz zu annehmbaren Preisen abzufegen und zu verwenden, als absolut verdammungswürdig erschiene, wird hier, sobald man die Verhältnisse kennt, als ganz zweckmäßig und rationell anerkannt werden müssen.
Ich habe in diesem Aussatz über unsere Urwälder dem Wald-Weg bau eine etwas eingehendere Behandlung gewidmet, indem ich mich davon überzeugt habe, daß die selbst bei einem großen Theile unseres Forstpersonals noch mangelhafte Kenntnis dieser Sache und die überspannte Vorstellung, die man sich gewöhnlich von der Schwierigkeit und Kostspieligkeit solcher Weganlagen macht, eine Hauptursache find von dem Mangel an zweckmäßigen Kommunikationsmitteln und der daraus resultierenden Werthlosigkeit des Waldbesitzes in dem größten Theile unserer Urwälder und der ihnen, ihrer Natur nach, nahe kommenden Waldungen.
Erschöpft ist dieser interessante Gegenstand - ich meine unsere Urwälder überhaupt - noch bei weitem nicht, weder in naturhistorischer, noch in forstlicher Hinsicht; und es ist auch wohl nicht so leicht in einer Sache, in der außer einigen wertvollen Mittheilungen keine Vorarbeiten zu finden, beim ersten Versuch etwas Gediegenes, Gründliches und Ausführliches zu leisten.
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