Madách Imre
Die Tragödie des Menschen
Dramatische Dichtung
Vorwort
Wir Ungarn sind stolz auf unseren Madách. Sein einziges maßgebendes Werk: "Die Tragödie des Menschen" ist die edle Frucht eines vielgeprüften Lebens, welches Alexander Fischer in einem vortrefflichen Essay (in Sacher-Masochs Zeitschrift "Auf der Höhe" IV. Jahrgang, Band XVI. Heft 47. im August 1885 erschienen) dem deutschen Publikum in großen Zügen geschildert hat.
Eine so tief empfindende und scharf denkende Nation, wie die deutsche, wird diesen Stolz gewiß begreifen und würdigen, wenn ihr durch vorliegendes Büchlein Madáchs Werk vollinhaltlich bekannt geworden.
Der mächtige philosophische Geist, der darin waltet, die zarte poetische Empfindung, die es durchduftet, können kaum unerkannt bleiben.
Es steht dem deutschen (Geiste um so näher, da es denselben großen Ideenkreis behandelt, den (Goethe im zweiten Teil seines Faust mehr angeregt als zu gemeinverständlichem Ausdruck gebracht hat.
Daß Madách die gigantische (Gedankenwelt des unsterblichen deutschen Dichterfürsten und prophetischen Denkers in konkrete Form gefaßt, und die ewigen Wahrheiten, die im Faust niedergelegt sind, in klaren Bildern jedermann zugänglich gemacht hat, darf wohl als unvergängliches Verdienst gelten, ohne den Vorwurf der Nachahmung zu verdienen.
Die ganz getreue, mit encyclopädischem Wissen durchgeführte, auch poetisch dem Original nicht nachstehende Übersetzung meines Compatrioten Professor Julius von Lechner ist sicherlich geeignet, Madáchs "Tragödie des Menschen" als ein Werk erscheinen zu lassen, das würdig ist dem Riesenschatze der deutschen Litteratur bleibend einverleibt zu werden, wozu die gegenwärtige Ausgabe in der "Universal-Bibliothek", diesem in seiner Art einzigen, mächtigen Hebel klassischer Bildung, wohl der bestgewählte Weg sein dürfte.
Budapest, am 16. Februar 1888
Maurus Jókai