Rezeptive Mehrsprachigkeit
INHALT, EINLEITUNG
Inhalt
1 EINLEITUNG
2 LERNEN UND FREMDSPRACHENLERNEN
2.1 Lernen als Forschungsgegenstand
2.2 Lernen im Kontext der Sprachentwicklung
2.2.1 Lernen-Erwerben-Dichotomie
2.2.2 Hypothesen zum Spracherwerb
2.3 Zur Problematik der Bezeichnung der Sprachen in der Sprachentwicklung
3 MEHRSPRACHIGKEIT
3.1 Definition, Abgrenzung
3.2 Mehrsprachigkeitsforschung und -didaktik
3.2.1 Mehrsprachigkeit als Forschungsgegenstand
3.2.2 Etablierung der Spracherwerbsforschung
3.3 Erforschung der kognitiven und neuronalen Grundlagen der Mehrsprachigkeit
3.3.1 Mentale Repräsentation der Sprachen im Gehirn
3.3.2 Das mehrsprachige mentale Lexikon
3.3.3 Ertrag der Mehrsprachigkeitsforschung
3.4 Mehrsprachigkeit in der Fremdsprachendidaktik
3.4.1 Mehrsprachigkeit in der Lehrerforschung
3.4.2 Didaktische Ansätze zur Förderung sprachlicher Handlungsfähigkeit in mehreren Sprachen
3.5 Forschungsmethodologie in der Mehrsprachigkeitsforschung
4 LESEN
4.1 Lesen: Definition, Abgrenzung
4.2 Lesen im Kontext der Erstsprache
4.3 Lesen im Kontext der Fremdsprache
4.3.1 Verstehensprozess beim Lesen in der Fremdsprache
4.1.2 Besonderheiten fremdsprachigen Lesens
4.3.3 Lesen als Lernprozess
4.4 Lesekompetenz
4.4.1 Die Beschreibung der Lesekompetenz
4.4.2 Lesestrategien
4.5 Lesen als Forschungsgegenstand
4.5.1 Lesen in der psycholinguistischen und pädagogischen Forschung
4.5.2 Lesen in der neurologischen Forschung
4.5.3 Lesen in der kognitionspsychologischen Forschung
4.5.4 Weitere Ausprägungen der Leseforschung
5 DER TEXT
5.1 Der Text als Forschungsgegenstand
5.2 Textbeschreibung
5.3 Textverarbeitung
5.4 Textanalyse
6 BESONDERHEITEN DER REZEPTIVEN INDIVIDUELLEN MEHRSPRACHIGKEIT BEI LERNENDEN MIT L1 UNGARISCH
6.1 Ziele, Fragen und Hypothesen der Forschung
6.2 Forschungsgegenstand und Datenerhebung - Kriterien der Textauswahl
6.3 Forschungsmethoden
6.3.1 Der Text als Objekt linguistischer Analyse
6.3.2 Text in der Textverarbeitung
6.3.3 Der verstandene Text
6.3.4 Reflexion über den Verstehensprozess in mehreren Sprachen
6.4 Probandensicht
6.5 Datenanalyse
6.5.1 Themenbereich 'Bildungssysteme'
6.5.2 Themenbereich 'Schulfächer'
6.6 Forschungsergebnisse in ihrer Bedeutung für die individuelle Mehrsprachigkeit
6.6.1 Textuelle Funktion der sprachlichen Mittel für die Bezugnahme auf die Themawörter
6.6.2 Textuelle Funktion der sprachlichen Mittel für die Konnexion
6.6.3 Realisierung der Sprachhandlungen aus der Rezipientenperspektive
6.6.4 Der Beitrag der Sprachhandlungen zum Textverstehen
7 ZUR ERFORSCHUNG DER INDIVIDUELLEN MEHRSPRACHIGKEIT VON SPRACHLERNENDEN MIT L1 UNGARISCH. FAZIT
8 AUSBLICK
LITERATURVERZEICHNIS
ANHANG
1 Leitfaden zum reflektierten Interview
2 Fragebogen zur Reflexion des eigenen
Verstehensprozesses
Einleitung
Die Erforschung der Besonderheiten der individuellen Mehrsprachigkeit lässt viele Herangehensweisen zu. Die vorliegende Arbeit stellt die Förderung der individuellen Mehrsprachigkeit in den Fokus und fügt sich dadurch in die Fachdiskussion über die Relevanz individueller Mehrsprachigkeit auf europäischer Ebene ein. Die Arbeit beschränkt sich auf den rezeptiven schriftlichen Bereich.
Die vorliegende Abhandlung wurde durch die Analyse der gegenwärtigen bildungs- und sprachenpolitischen Situation angeregt, wozu festzustellen ist, dass der Förderung der Mehrsprachigkeit der Lernenden heute in Ungarn auf der bildungspolitischen Ebene große Bedeutung zugeschrieben wird. Für die erfolgreiche Umsetzung dieser Ziele sind empirische Arbeiten notwendig, die das komplexe Phänomen der Mehrsprachigkeit spezifisch im ungarischen Kontext untersuchen und neue Ergebnisse erbringen. Die vorliegende Untersuchung fokussiert die Erforschung der individuellen Mehrsprachigkeit im rezeptiven Bereich.
Rezeptive Mehrsprachigkeit beinhaltet eine spezifische Sprachhandlungsfähigkeit, die für den Bildungserfolg und für das erfolgreiche Agieren in der Wissensgesellschaft eine unabdingbare Voraussetzung bedeutet. Die Förderung der sprachlichen Handlungsfähigkeit ist eine vorrangige Zielsetzung im Fremdsprachenunterricht (FSU), in dem seit der pragmatischen Wende Sprache als soziales Handeln betrachtet wird. Die individuelle Sprachhandlungsfähigkeit wird in dieser Arbeit im Kontext der Mehrsprachigkeit behandelt.
Mit den Fragestellungen der Entwicklung und der Förderung der individuellen Mehrsprachigkeit befassen sich zahlreiche Wissenschaften in unterschiedlichen Annäherungen. Die vorliegende Arbeit knüpft an diese vorhandenen Forschungen an und untersucht die Besonderheiten bzw. die spezifischen Merkmale der sprachlichen Handlungsfähigkeit von Sprachlernenden mit L1 Ungarisch in mehreren Sprachen im rezeptiven Bereich.
Um die Besonderheiten der sprachlichen Handlungsfähigkeit in mehreren Sprachen erforschen zu können, sind vor allem Erkenntnisse und Forschungsergebnisse der Lernpsychologie, der Spracherwerbsforschung, der Mehrsprachigkeitsforschung, der Leseforschung und der Textlinguistik von hoher Relevanz. Dementsprechend gliedert sich die Arbeit in vier theoretische Kapitel, in denen die empirische Forschung theoretisch begründet und eingebettet wird.
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Nach der theoretischen Grundlegung werden im als Kernstück der Arbeit zu betrachtenden sechsten Kapitel die von mir durchgeführte fremdsprachendidaktisch angelegte empirische Forschung zu den Besonderheiten der rezeptiven individuellen Mehrsprachigkeit von Lernenden mit L1 Ungarisch und deren Ergebnisse in ihrer Bedeutung für die individuelle Mehrsprachigkeit vorgestellt.
Die Forschung setzte sich zum Ziel, die spezifischen Merkmale der sprachlichen Handlungsfähigkeit von Sprachlernenden mit der L1 Ungarisch im rezeptiven Bereich in mehreren Sprachen zu untersuchen. Im Rahmen der Forschung wurde der Frage nachgegangen, über welche Besonderheiten die sprachliche Handlungsfähigkeit von Lernenden in den drei untersuchten Sprachen (L1 Ungarisch, L2 und L3 Deutsch bzw. Englisch) verfügt und wie sich die rezeptive Mehrsprachigkeit der Rezipienten äußert.
Dabei wird davon ausgegangen, dass Textverstehen eine einzelsprachspezifische sprachliche und eine sprachenunabhängige kognitive Arbeit voraussetzt. Es wird angenommen, dass Textverstehen eine sprachenunabhängige, zwischen den Sprachen transferierbare kognitive Fähigkeit ist und dass Unterschiede zwischen den Sprachen in der sprachlichen Realisierung der Inhalte bestehen. Die sprachenspezifischen Besonderheiten der sprachlichen Arbeit ergeben sich aus den etymologischen, sprachtypologischen und sprachstrukturellen Unterschieden zwischen den Sprachen, die zu unterschiedlichen Sprachfamilien gehören. Außerdem wird angenommen, dass Lernende mit L1 Ungarisch bei der Ausführung ihrer sprachlichen Handlungen (in diesem Fall beim Lesen von Texten in germanischen Sprachen) wegen der sprachenspezifischen Besonderheiten und der zwischen den Sprachen bestehenden Unterschiede eine andere kognitive Leistung erbringen müssen.
Den Forschungsgegenstand der empirischen Untersuchung stellen Texte dar, auf die sich die Datenerhebung bezieht. Die in die Forschung einbezogenen Texte wurden nach den Kriterien des Sprachniveaus, des Themenbereichs, der Textlänge und der Textsorte ausgewählt. Die Texte wurden aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht, die sich als eine Einheit betrachten lassen.
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Die durch die Forschung gewonnenen Ergebnisse werden sowohl qualitativ, als auch quantitativ ausgewertet. Die Ergebnisse der Textanalyse, der Befragung zur Sprachhandlung und der Textverständniskontrolle werden qualitativ gedeutet. Die aus den Fragebögen zur Reflexion des eigenen Verstehensprozesses gewonnenen Ergebnisse wurden einer computergestützten quantitativen Datenanalyse mit dem SPSS-Programm unterzogen.
Nach der Darstellung der Datenanalyse, die aus Platzgründen lediglich die exemplarische Vorstellung von zwei kompletten Analysen umfasst, werden die Forschungsergebnisse in ihrer Bedeutung für die individuelle Mehrsprachigkeit vorgestellt. Bei der Vorstellung steht der Handlungscharakter bzw. die Handlungsqualität der Sprache im Mittelpunkt. Aufgrund der Forschungsergebnisse lassen sich die Qualität und die Besonderheiten der sprachlichen Handlungsfähigkeit der Probanden feststellen. Bei der Erfassung der Besonderheiten der sprachlichen Handlungsfähigkeit wird zum einen die textuelle Funktion der sprachlichen Mittel für die Bezugnahme auf die Themawörter als Sprachhandlung und zum anderen die textuelle Funktion der sprachlichen Mittel für die Konnexion aus der Forscherperspektive berücksichtigt. Darüber hinaus werden die Realisierung der Sprachhandlung aus der Rezipientenperspektive und der Beitrag der Sprachhandlungen zum Textverstehen vorgestellt.
Die Arbeit endet mit einem Fazit und einem Ausblick, in dem die Forschungsergebnisse in ihrer Bedeutung für die Förderung der individuellen Mehrsprachigkeit im institutionellen Fremdsprachenunterricht im ungarischen Kontext umrissen werden.