Quelle & Deutung V
INHALT, VORWORT
Inhalt
Gabriele Bartz (Wien): Der 'Erfurter Judeneid' - ein chimärenhaftes Dokument
Klára Berzeviczy (Budapest): Bild und Text. Eine Luther-Darstellung aus dem Jahre 1817
Maria Stieglecker (Wien): Schlüssel zur Handschrift. Wo schrieb Johannes von Speyer seine Bücher?
Katrin Janz-Wenig (Wien): Die Katharinenpredigt aus der Sermonessammlung 'Hortulus Reginae' des sog. "Meffreth" von Meißen in der volkssprachigen Bearbeitung des Peter Eckel von Haselbach
Christine Glaßner (Wien): Colligite fragmenta ne pereant. Bemerkungen zur (germanistischen) Fragmentenforschung
Péter G. Molnár (Budapest): Die deutschen Reisebeschreibungen des Felix Fabri. Die Handschriftn von Dessau und Kalocsa
Tünde Katona (Szeged): Die Ganzheit des Fragments. Zu Stammbüchern und Stammbucheinträgen
Regina Cermann (Wien): Im Streiflicht: Die deutschen Handschriften des Fondo Rossiano der Biblioteca Apostolica Vaticana
Vorwort
Die vorliegende Sammlung ist der nunmehr fünfte Tagungsband der EC-Reihe Beiträge zur Erforschung deutschsprachiger Handschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, der die Druckfassung der Referatstexte der vom Germanistischen Seminar des Eötvös-József-Collegiums am 19. April 2018 veranstalteten Tagung Quelle und Deutung V enthält. Für das Zustandekommen des Bandes haben wir uns vor allem bei den diesmal insgesamt acht unermüdlichen österreichischen und ungarischen Experten der kodikologischen, paläographischen und philologischen Erforschung älterer deutschsprachiger Handschriften zu bedanken, die uns ihre in minutiöser Kleinarbeit verfassten manuscripta de manuscriptis nicht nur zur Verfügung gestellt, sondern auch die Bürde der zeitweise mühsamen und aufreibenden Korrekturrunden helden- und beispielhaft getragen haben.
Es ist an dieser Stelle naturgemäß kaum möglich, von den in den einzelnen Studien behandelten zahlreichen "Quellen- und Deutungsbereichen" auch nur annähernd eine Vorstellung zu geben. Die auch diesmal äußerst reichhaltigen und facettenreichen Forschungsansätze zu thematischen Schwerpunkten der Handschriften- bzw. Schriftträgerforschung vom 13. bis 19. Jahrhundert bieten diesmal Einblicke in die Probleme der Funktionsbestimmung einer einzigartigen hochmittelalterlichen Urkunde, die keine ist (Gabriele Bartz), in die Ergebnisse der Lokalisierung von Autographen eines Schreibers aus dem 15. Jahrhundert auf vorwiegend filigranologischer Basis (Maria Stieglecker) oder in die Ermittlung der Entstehungsumstände einer Mikrographie in Stahlstich aus der Neuzeit (Klára Berzeviczy). Als weitere Schwerpunkte des Bandes sind die kommentierte zweisprachige Textedition einer Katharinenpredigt-Übersetzung aus dem 15. Jahrhundert (Katrin Janz-Wenig), ein programmatischer Aufsatz zum gegenwärtigen Stand, zu den Perspektiven sowie künftigen Aufgaben der Fragmentenforschung (Christine Glaßner) und die kontrastive Untersuchung zweier Handschriften mit dem Pilgerbericht eines Dominikaners aus dem 15. Jahrhundert (Péter G. Molnár) zu nennen; des Weiteren werden Stammbucheinträge als vielversprechende Quelle für prosopographisch-kulturhistorische Untersuchungen (Tünde Katona) sowie das abenteuerliche Schicksal mittelalterlicher deutschsprachiger Handschriften aus einer Privatsammlung des 19. Jahrhunderts (Regina Cermann) unter die Lupe genommen.
Teilweise als kurzer Arbeitsbericht über die vergangenen anderthalb Jahre sei an dieser Stelle vermerkt, dass die im Jahre 2013 A gestartete Q&D-Reihe und die mit der fachkundigen Unterstützung unserer österreichischen Mentoren seit 2019 betriebene, in jeder Hinsicht lehr- und erlebnisreiche mediävistische Forschungsarbeit im Germanistischen Seminar des Collegiums kontinuierlich neuen Nachwuchs anzieht und insgesamt Anlass zu weiterer Zuversicht gibt: Seit der letzten Tagung im April2018 fanden im Eötvös-Collegium unter der Leitung von Frau Katrin Janz-Wenig, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Mittelalterforschung der ÖAW, im November 2018 und im Mai 2019 gleich zwei je viertägige Forschungsseminare zur paläographisch-kodikologischen Untersuchung einer bislang als unikal zu betrachtenden frühneuhochdeutschen Passionsbetrachtung aus dem 16. Jahrhundert (Padua, Biblioteca Universitaria, Ms.711) statt; eine dritte Arbeitssitzung des Forschungsteams ist noch für den November 2019 vorgesehen, die Leseedition mit einer Begleitstudie wird als zweiter Band der Textausgaben-Sonderreihe der Q&D-Sammlung voraussichtlich nächstes Jahr erscheinen.
Darüber hinaus gilt den Wissenschaftlichen Mitarbeitern des IMAFO der ÖAW: Nikolaus Czifra, Maria Theisen und Irina von Morzé, die unsere bisherigen Projekte mit Rat und Tat - mit wertvollen Materialien sowie der für uns unentbehrlichen fachlichen Betreuung und Beratung vor allem im Rahmen von Projektkursen - unterstützt und gefördert haben, nach wie vor unser herzlichster Dank. Für den nachhaltigen fachlichen Beistand und ihre stets zuvorkommende Hilfsbereitschaft bei allen unseren Unternehmen danken wir hierbei in erster Linie wieder einmal der ersten Mentorin der Paläographie-Projekte des Germanistischen Seminars Frau Christine Glaßner, Leiterin der Abteilung Schrift-und Buchwesen des IMAFO, die sich nach zwei ähnlichen früheren Lehrveranstaltungen im Collegium anlässlich der diesjährigen Q&D-Tagung erneut bereit erklärt hat, für den studentischen Nachwuchs der EC-Werkstatt für Germanistik einen Einführungskurs in die germanistische Paläographie älterer deutschsprachiger Handschriften zu halten.
Ebenso herzlich darf ich mich im Namen aller Beteiligten bei Frau Regina Rusz, Direktorin des Österreichischen Kulturforums Budapest, für die Förderung unserer Vorhaben durch das Kulturforum und das Engagement ihrer Mitarbeiter für die wissenschaftlichen Projekte und Veranstaltungen des Collegiums bedanken. Zu aufrichtigem Dank verpflichtet sind wir des Weiteren Frau Direktorin Antje Bauer aus dem Stadtarchiv Erfurt für die Genehmigung der Reproduktion der Archivalie 0-0./XLVII-1 ('Erfurter Judeneid') auf dem Cover dieses Bandes sowie der Fotografin des Stadtarchivs Frau Kerstin Richter für die großzügige Zurverfügungstellung ihrer künstlerisch hochwertigen Fotoaufnahme von diesem wertvollen Exponat. Zu guter Letzt darf ich mich im Namen aller Kollegen und Studenten des Germanistischen Seminars bei Herrn Collegiumsdirektor Dr. László Horváth für seinen langjährigen, unermüdlichen Beistand sowie seine zuverlässige Unterstützung unserer Projekte auch diesmal aufs Allerherzlichste bedanken.
In wachsender Vorfreude auf die bevorstehende Tagung in Budapest, zugleich in der begründeten Hoffnung auf das Fortleben der Q&D-Reihe, die mit einem in der Folge des diesjährigen Kolloquiums für den Herbst 2020 geplanten sechsten Band nunmehr als etabliertes Forum für Publikationen im Bereich der Handschriftenkunde in Österreich und Ungarn gelten dürfte, legen wir hiermit allen kultur-, sprach- und literaturgeschichtlich interessierten Lesern die fünfte Sammlung spannender und fesselnder Ergebnisse der germanistischen Handschriftenforschung mit nachvollziehbarer Freude - und wohl nicht unverdientem Stolz - vor.
Budapest, den 10. November 2019
Balázs Sára