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NEULATEIN Schopenhauer liebte es, gegen die Professorenphilosophie der Philosophieprofessoren zu donnern. Ähnliche Lehren erklingen manchmal gegen das Professorenlatein der Lateinprofessoren. "Latein ist tot", heißt es, "denn es kann mit der modernen Wissenschaft nicht Schritt halten." Das unpersönliche "es" kann tatsächlich nichts. Das Latein Ciceros und Caesars, jenes zitierte Professorenlatein, hat nicht einmal ein Wort für Fahrrad, Auto, Eisenbahn und Zigarette! Aber - wollen wir eilig dazusetzen - Goethes Deutsch hatte diese Wörter auch nicht. Ein wiedererstandener Goethe wäre unfähig, die Teile einer Rechenmaschine zu beschreiben. Bedeutet das, daß es besser gewesen wäre, zu Beginn des Jahrhunderts der Industrie die deutsche Sprache zu begraben und eine ganz andere zu schaffen? Latein konnte mit der Wissenschaft so schön Schritt halten, daß nicht nur Newton sein Weltbild in ihr entwarf, sondern auch der erste Entwurf einer nichteuklidischen Geometrie, Wolfgang Bólyais Tentamen, lateinisch erschien. Die Fähigkeit des Lateins, nicht nur rückwärts, sondern auch vorauszuschauen, beweist ein 1768 erschienenes Büchlein über Luftschiffahrt (Navis Aexia von Boscovich) und eines über Elektrizität (Electricorum Libri VI von Parthenius) aus dem Jahre 1767. Im vorigen Jahrhundert bauten die Naturwissenschaftler ihren privaten Turm von Babel. In der holden Illusion, daß die Forschung jenseits der Landesgrenze eigentlich nicht wichtig wäre, wurden in den modernen Sprachen die Nomenklaturen der Technik aufgebaut. Anatomen und Botaniker und Zoologen blieben dem Latein treu, die Mathematiker und Chemiker verließen sich mit mehr oder weniger Erfolg auf die Formeln, die Hauptleidtragenden wurden die Techniker und die Physiker, die irgendwie doch noch das Wort zur Ergänzung der Formel brauchten. Heute wird geseufzt: "Wenn doch die ganze moderne theoretische Physik mit einer gleichzeitig wachsenden, lateinischen Nomenklatur aufgebaut worden wäre!" Die Physiker können sich nicht einmal der bewährten Übersetzer internationaler Kongresse bedienen, da diese in der unmittelbaren Nähe des Atomkerns unsicher werden! Tatsache ist, daß um das Revolutionsjahr 1848 herum, als es auch auf deutschen Hochschulen gestattet wurde, die Prüfungen in der Alltagssprache abzulegen, das Latein einschlief. Daß wir nicht "starb" sagen müssen, liegt - außer an den Professoren, die über die fünf Deklinationen und vier Konjugationen wachten - an den Dichtern, oder, wenn wir bescheiden sein wollen, an den Dichtenden. Ein großer Teil der Lyriker dichtet in der melancholischen Gewißheit, daß er kaum gelesen wird. Bei Iateinischen Lyrikern fällt das kaum weg: auf die Persiussche Frage: Quis leget haec?/vel duo vel nemo! - Wer wird das Iesen? Zwei Leute oder niemand! - antwortet jetzt ein einfaches "nemo". Wer in seiner Muttersprache kein Dichter ist, wird es auch durch die Kenntnis lateinischer Formen nicht. Daher gab es unter den fünfhundert lateinischen Dichtern unseres Jahrhunderts - das ist die stattliche Zahl, die der fleißige holländische Humanist Jisewijn-Jacobs gesammelt hat - eigentlich nur einen wirklichen Dichter: Pascoli, der auch in seiner italienischen Muttersprache zu den größten seiner Zeit gezählt wird. Bemerkenswert ist es jedenfalls, daß eine ganze Reihe kühner Latinisten ihre Feder aktuellen Ereignissen widmeten, wie zum Beispiel dem Burenkrieg, der eine ganze Sammlung von Oden und Epen inspirierte. Jisewijn-Jacobs schreibt über diese kaum beachteten Dichter: "die neu-humanistische Dichtung kennzeichnet sich in erster Linie durch ihren erstaunlichen Wortreichtum. Auch wer die klassische Periode der römischen Dichtung beherrscht, muß bei der Lektüre dieser Schriftsteller oft zum Wörterbuch greifen. Die Neohumanisten benutzen den ganzen lateinischen Sprachschatz ohne puristische Vorurteile . . . ihre Sprache bleibt aber sauberes Latein, auch wo sie zu Formen übergehen, die notwendigerweise neu sind." Und neue Formen mußten die Dichter finden, unter denen Papst Leo XIII. mit einem Gedicht über Fotografie, andere mit Lehrgedichten über die Pockenimpfung, das Bierbrauen, das Radfahren und "Radiotelephonie" figurieren! Zu Beginn unseres Jahrhunderts schien es so, als ob das alte Latein mit diesen Poeten ausklingen würde. Die Musik beginnt und endet mit dem Lied. Die lateinische Literatur beginnt - der Sage nach - etwa um 700 vor Christi mit Fragmenten, die Numa Pompilius zugeschrieben werden, dann kommen Dichter wie Livius Andronicus, Naevius, Ennius . . . warum sollte die Literatur nicht auch lyrisch ausklingen? Tatsache ist, daß sie nicht ausklang. Latein lebt, lateinische Kinderbücher erscheinen und erreichen hohe Auflageziffern, die neuen Dichter schreiben weder für die Schublade noch für kleine Kollegenkreise. Wie kam es? Die Historiker vom Fach haben sich noch nicht darüber geeinigt, wie der Gang der Ereignisse abläuft: sind es die großen Männer, die aufstehen und die Massen in Bewegung bringen? Sind es die Namenlosen, deren gemeinsame Regungen auf einmal zur Bewegung werden und irgendeinen an die Spitze, auf die Bühne der Geschichte stellen? Die Anhänger beider Theorien können aus der Chronik des Neohumanismus Argumente für ihre Ansichten finden. Die von der formlosen Masse sprechen, werden in den Geschichten über Fischfang in der Straße von Messina, in den Versen, die der erste Weltkrieg, der Faschismus, in einem Falle sogar der Zionismus inspirierten, in den Übersetzungen aus so gut wie allen europäischen Sprachen eine Materialsammlung sehen, die einmal ausgewertet werden müßte. Die anderen werden die Namen jener aufschreiben, mit denen man einen Anfang kennzeichnen kann. Die letztere Gruppe hat es schwerer, denn im Anfang steht immer die Fortsetzung. Ist der erste der, der ein Wagnis unternahm? Der, der gehört wurde und Erfolg hatte? Wir wagen es nicht, zu entscheiden. Jedenfalls sprang auf einmal die Idee auf, wieder einmal ein lateinisches Buch zu drucken - nicht ein Lehrbuch, eine Grammatik, ein Übungsbuch, ein Buch über Latein, eine Anthologie - nein: ein Buch! Der ungarische Latinist Mogyoròssy (lies: Modjorohschi), der in Philadelphia die Zeitschrift Praeco Latinus herausgab, übersetzte "Robinson Crusoe" ins Lateinische! Da mogyoró (modjoroh) auf ungarisch die Haselnuß bedeutet, verdolmetschte er seinen eigenen Namen als Avellanus auf dem Titelblatt. Hier könnten wieder zwei Schulen historischer Interpretation eine Diskussion beginnen. War es ein reiner Zufall, daß ein Ungar in den Vereinigten Staaten auf einmal an ein neulateinisches Buch dachte? Oder regiert in der Literaturgeschichte das Gesetz vom zureichenden Grund? Es spricht manches dafür, daß die Kultur am Ende der Kulturperiode notwendigerweise an die Peripherie flieht: Als in Rom schon die Barbaren hausten, las man am Limes noch die klassischen Dichter, und daß gerade die Ungarn fleißigst Latein studierten, hat auch seinen zwingenden Grund: weil sie sonst hilflos in ihre eigene kleine Sprache eingeschlossen sind. - Als unter Pius XII. auf einmal etwa dreißig Kardinäle kreiert wurden, war es der Ungar Mindszenthy, der im Namen aller dankte, denn er war es, der frei lateinisch sprechen konnte. Das Buch wurde kaum beachtet; wie ich hörte, gelangte ein Exemplar davon nach Rom, und der Maler Chierico las es gerne, wenn er nicht gerade wieder sein Selbstporträt oder zwei Pferde mit langen Mähnen malte. Dann folgte wieder eine stille Periode im neulateinischen Schrifttum, die in der Außenwelt durch einen neuen Weltkrieg ausgefüllt war. Im Jahre 1950 erwachte der Gedanke an das Buch zum Lesen (kein Lesebuch!) in Fidenza in Italien. Der Priester und Lateinlehrer Enrico Maffacini fand nach endlosen Ablehnungen einen Verleger für die Übersetzung des italienischen Kinderbuches "Pinocchio", für einen "Pinoculus"! Der Erfolg war erstaunlich: Tausende lasen, sechs Auflagen folgten einander. Das Eis war gebrochen. Erstaunlich? Eigentlich nicht. Wenn ungezählte Leute einen Schlüssel erhalten, der zu keinem Kästchen paßt, und wenn dann jemand endlich so ein Kästchen fabriziert, wird er allerhand Geschäfte machen. Millionen von Oberschülern hatten Latein gelernt - gewiß nicht umsonst, denn sie sprachen dadurch richtiger Italienisch - aber sie hatten nie ein Buch gelesen, das ihnen richtig Spaß machte. Jetzt war eines da. "Pinocchio" ist ein sonderbares Märchen: Grillen sprechen, ein Greis lebt jahrelang im Bauche eines Haifisches, Katzen, Füchse, Puppenspieler und Drachen erscheinen auf der Bühne der Ereignisse - aber es ist doch ein modernes Buch, denn alle Märchengestalten erscheinen in einem Italien, in dem es auch Volksschulen, Carabinieri und Tribunale gibt. Man speist - was sonst in Fabeln nicht vorkommt - Spaghetti mit Tomatensauce, pasta tubularia oder farina aqua subacta ac tubulata, suco lycopersico condito - so heißt dieses Gericht, das Caesar nicht kannte, zumal die Tomate eine Frucht aus Peru ist; dann tritt der Besitzer des Marionettentheaters, der neurospasticus auf, und die blauhaarige Fee, puellula caesicapilla will auch übersetzt werden: Reverendo Maffaccini brauchte bereits alle Kunst der Neulateiner, um die Abenteuer der Holzfigur, des pupulus ligneus zu beschreiben, dessen Nase bei jeder Lüge wuchs. Ideen liegen in der Luft . . . während im Pinoculus das Neulatein sich als Sprache vorstellte, arbeitete im Vatikan Monsignore Bacci an einem Wörterbuch - richtiger: an einem Buch der Wörter, die im Wörterbuch nicht enthalten sind, dem Lexicon vocabulorum, quae difficilius latine redduntur. In der Zwischenzeit ist das Lexikon um fünftausend Worte gewachsen, und der einfache Monsignore, der die lateinischen Briefe und Enzykliken Pius XII. schrieb, wurde Kardinal, und das Lexikon ist ein überzeugender Beweis dafür, daß man moderne Texte sehr verständlich übersetzen kann. Wenn wir aufs Geratewohl in Baccis Lexikon hineinblicken, finden wir für Luftschiff cymba volans, für Flugzeug velivolum und aerovehiculum . . . der Flughafen ist aeronavium portus, das Sturzkampfflugzeug velivolum ex improviso ad perpendiculum aggrediens, der Helikopter velivolum magnae helicae libramento suspensum. Wir finden gleich drei Wörter für die Pfeife: infumibulum, infurnibulum und infundibulum, und wer für Rauchen nicht einfach fumificare sagen will, darf auswählen: nicotinianum fumum sugere, tabaci fumum haurire und tabaci vapores sumere - wobei es freisteht, diese als odoratos, wohlriechende, oder foetentes, stinkende, zu bezeichnen. Der Radioempfänger entpuppt sich als "wellenklingende Büchse" = scrinium undisonum, es sei denn, man sagt sachlich: radiophonicum instrumentum. Etwas schwieriger scheint es radar zu sagen: radioelectricum instrumentum exploratorium ac praemonens, während die Television einfach als imaginum transmissio per electricas undas ist. Die Wörter, die die "modernen" Sprachen in den letzten hundert Jahren einführten, fließen spielend in die "alte" über. Inflation? Chartae nummariae nimiae ac vilescentis editio - oder einfacher: nummariae chartae nimietas. Nähmaschine? Sartoris machina. Auto? Autoraeda. Und um zu zeigen, daß auch die letzten Errungenschaften menschlichen Scharfsinns beschrieben werden können: die Atombombe ist globus atomica vi diplodens oder pyrobolum atomicum! Die Wasserstoffbombe wäre demnach atomicus hydrogeni pyrobolus, noch genauer: terrificus ab hydrogeno pyrobolus. Terrificus, schauderhaft, sine dubio, zweifellos! Pinoculus, der Kasperl mit seinem Anzug aus Tapetenpapier (vestis ex charta floribus ornata), seinen Hosen aus Baumrinde (iugum calceamentorum ex cortice arboreo), seinem Hut aus Brotteig (pilleum ex medulla panis), hatte einen Weg gewiesen, das Wörterbuch des Kardinals gab die Mittel - es galt nur weiterzugeben. Grenzen auf der Landkarte sind leider mehr als Striche, und um die Idee in der angelsächsischen Welt zu verwirklichen, mußte ein englisches Buch in "modernem" Latein gezeigt werden. Es war naheliegend, dazu das beliebte Kinderbuch von Milne, den "'Winnie the Pooh", zu verwenden. Der Humor dieser Märchen, die eigentlich nur aus Gesprächen zwischen Spielzeugtieren, dem Bären Pu, dem Schweinchen, der Eule, dem Känguruh bestehen, liegt eben darin, daß sie auch im Zauberwald gewählt und wohlerzogen sprechen, wie Dons in Oxford, wie Lords im Oberhaus, wie - das ist der springende Punkt - Senatoren in Rom. Cicero hilft sofort, wenn es gilt zu übersetzen: "Das weißt du doch genau wie ich, Pu", sagte das Schweinchen, und der Bär sagte: "Bin durchaus deiner Meinung", und Schweinchen sagte: „Demgegenüber wäre zu bedenken", und der Bär sagte: "Du hast vollkommen recht, es war mir nur augenblicklich entfallen." Porcellus dixit: "neque tu is es, qui nescias, nonne Pu", et Pu dixit: "mihi crede nihil sentio nisi de sententia tua, o Porcelle", et Porcellus dixit: "Sed contra nos recordari oportet", et Pu dixit: "recte me admones, Porcelle, etiam si id per punctum temporis oblitus essem." "Kinder lesen kein Latein, Erwachsene lesen keine Kinderbücher" - hatten vorsichtige Verleger gemeint. Kaum war aber das Büchlein gedruckt, las man anders: Lateiner lesen "Winnie ille Pu"-hieß es nun, und in zwei Jahren waren hundertfünfzigtausend Exemplare verkauft, wobei die Vereinigten Staaten hunderttausend, England, Deutschland und die skandinavischen Länder den Rest bezogen hatten. Die Anzahl wirklicher Leser lag hoch über dieser Ziffer, denn einzelne Kapitel wurden vervielfältigt und in den Schulen nebenbei zur Belebung des Lehrplans verwendet. Es gibt Zehntausende von Lesern für lateinische Bücher! - das war die Erkenntnis, die in unserer in Zahlen denkenden Zeit überzeugender klang, als es die Hexameter der lateinisch Dichtenden tun. Die unmittelbare Folge waren neue lateinische Kinderbücher. Auf dem angelsächsischen Gebiet wurden "Peter der Hase" und "Ferdinand der Stier" latinisiert, in Frankreich "Der kleine Prinz" Saint-Exupérys und in Italien erschien "Pinoculus II": der hervorragende Humanist Ugo Enrico Paoli hatte das Buch statt jeder weiteren Kritik noch einmal übersetzt. Kein Zweifel, daß die Sprache des Universitätsprofessors besser klingt als die des inzwischen verstorbenen Lateinlehrers - aber ebenso sicher ist es, daß das vollkommene opus ohne die Idee Maffaccinis nie entstanden wäre. Bücher finden Leserkreise und schaffen neue. Auch wo die Zahl der Latein Studierenden zurückging, wuchs die Zahl der Lateinleser. Dem Erfolg der Prosa folgte der zahlenmäßig geringere, gefühlsmäßig intensivere der Lyrik. Es zeigte sich aber wieder, wie im Falle Pascolis, daß die lateinische Muse nur dann einen Dichter inspiriert, wenn er ein Liebling seiner heimatlichen ist. Josef Eberle, der deutsche Dichter, der mit dem schwäbischen Sebastian Blau identisch ist, schuf auch als Josephus Eberle glänzende, geistvolle, klingende Verse - seine Laudes und Amores sind reine Lyrik. Die geringste Absicht zu lehren, das letzte Schulmeisterliche ist abgestreift - es sind lebendige Gedichte in einer lebenden Sprache. Eigene Rhythmen klingen in dieser Sprache so frei wie die längst verhallten Lieder des Archipoeta, wie die mittelalterliche Studentenpoesie. Eberle tat noch mehr: er trat aus dem elfenbeinernen Turm, in dem Poeten zu leben pflegen, und rief die lebenden lateinischen Lyriker zu einem Sammelband. Es kamen ihrer fünfzig - aus dem Vatikan und aus Leningrad, aus Italien und Südamerika, Dichter, die über Europa, den Stadtlärm, die allzu hohe Weinsteuer, römische Gräber und die Münchner Weißwurst schreiben - die alle, so verschieden ihre Werte und Worte sind, die Fähigkeit Camenas beweisen, die Sprache unseres Jahrhunderts zu sprechen. Lateinische Kinderbücher, ein buntes Spiel von Rhythmen und Reimen, sagen viel; es fehlte noch ein Buch für Erwachsene im Satze. Es kam jetzt vor Weihnachten gleichzeitig in Stockholm und in Paris heraus: es ist die Übersetzung von Françoise Sagans "Bonjour tristesse", Tristitia Salve. Die Wahl dieses Buches hat gute Gründe: es ist ein modernes Buch, ein Buch, von dem es heißt, es schildere den Krankheitszustand unseres Jahrhunderts, aber es ist im Grunde antik. Wenige Personen, die kurze Sätze sprechen, bewegen sich auf einer engen Bühne: eine Villa, ein Pinienwald, ein Stück Strand sind die Kulissen. Wie im antiken Drama naht das Verhängnis trotz aller menschlichen Bemühungen, und eine Katastrophe - deus ex machina - bringt die Lösung. So ist es auch nicht schwer, in der Übersetzung Modernes und Altes zu paaren, wenn auch gelegentlich von Whisky - aqua vita more Scotorum parata - oder vom Dornröschen - puellula in silva sopita - die Rede ist, wenn auch die Personen auf dem Bahnsteig - in crepidine stationis - den Zug - agmen ferreum - erwarten, wird der Sprache kaum Gewalt angetan. Die nächste Zukunft wird entscheiden, ob der Versuch geglückt ist. Die kurze Aufzählung neulateinischer Versuche wäre noch unvollständig, wenn wir das Werk nicht nennen würden, das am häufigsten - fünfmal! - lateinisch gedruckt wurde: Wilhelm Buschs "Max und Moritz". Da diese Ausgaben leicht zu haben sind, vor allem die treffliche von Steinl, der vor kurzem das Meisterwerk auch ins Altgriechische übersetzte, wollen wir die Einleitung aus einer noch ungedruckten Version lesen: Quantum
est mandatum scriptis Unnütze Scherze? Vielleicht führen sie leichter als die verschlungenen Pfade der Grammatik zu den Alten, die schon fragten: ridentem dicere verum quis vetat? Wer will's verwehren, lächelnd den richtigen Weg zu zeigen?
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