Victor Roth
Kunstdenkmäler aus den sächsischen Kirchen Siebenbürgens
I. Goldschmiedearbeiten
INHALT, VORWORTInhalt
Kreuze
Monstranzen
Kelche
I. Romanische Zeit
II. Gotische Zeit
III. Kelche des 17. Jahrhunderts
IV. Kelche des 18. Jahrhunderts
V. Kelche des 19. Jahrhunderts
Pokale
I. Renaissance - Pokale
II. Barocke Pokale
Becher
Gotische Becher
Renaissance-Becher
Barocke Becher
Biedermeier-Becher
Ziborien
I. Gotische Ziborien
II. Barocke Ziborien
III. Ziborien des 18. Jahrhunderts
IV. Ziborien des 19. Jahrhunderts
Oelgefäße
Weihrauchfässer
Agnus Dei
Kannen
Taufbecken
Schalen und Schüsseln
Patenen
Abendmalstafeln
Sanduhren
Leuchter
Bucheinbände
Löffel und Löffelsiebe
Meßglöckchen
Ringe
Nachtrag (Monstranz)
Literatur
Namen- und Sachverzeichnis
Verzeichnis der Abbildungen im Text
Berichtigungen
Vorwort
Das vorliegende Werk geht als Festgabe der Generalsynode an die ev.
Landeskirche A. B. in Siebenbürgen zur Erinnerung an die vierhundertste Wiederkehr des Thesenanschlags und des Reichstags zu Worms in die Oeffentlichkeit. Die behandelten Gegenstände haben zum allergrößten Teile reinen kirchlichen Charakter und sind in dieser Eigenschaft Zeugnisse des hochentwickelten kirchlichen Lebens, das seit den Tagen der Einwanderung das festeste Band gewesen ist, durch das die deutsche Volksgemeinde in Siebenbürgen zusammengehalten wurde. Zukunft und Bestand der siebenbürgischen Sachsen bleiben nach wie vor von der unentwegten Pflege und tieferen Gründung der kirchlichen Gesinnung abhängig. Die meisten gottesdienstlichen Geräte gelangten als fromme Stiftungen in den Besitz der Gemeinden, und so sollen denn diese Denkmäler aus alter und neuer Zeit mit dazu beitragen, daß auch das Geschlecht der Gegenwart an den Born und Quell seines Lebens erinnert werde. Wahre kirchliche Gesinnung ist im lebten Grunde eine Bezeugung des Glaubens, und so lange wir glauben und für diesen Glauben auch nur mit einem Funken jenes Mutes und jener Treue einstehen, wie sie Martin Luther durch seinen Thesenanschlag und durch sein Bekenntnis vor Kaiser und Reich in Worms an den Tag gelegt hat, braucht es Uns um unsere Zukunft nicht bange zu sein!
Das Urteil über den wissenschaftlichen Werk dieses Buches bleibt der Fachkritik überlassen, doch glaubt der Verfasser nicht Unbescheiden zu sein, wenn er hervorhebt, daß nun erst Gelegenheit geboten ist, einen Zweig der Kulturbetätigung der Deutschen in Siebenbürgen überblicken und würdigen zu können, wie er in den fast ausschließlich aus den Werkstätten siebenbürgisch-sächsischer Goldschmiede hervorgegangenen Kultgeräten vorliegt. Wenn auch die Aufgabe mit Rücksicht auf die vielen im Besitz der übrigen Konfessionen befindlichen, in sächsischen Werkstätten erzeugten Kultgeräte nicht vollständig gelöst erscheint, so sind dennoch die vasa sacra der ev. Landeskirche mit Ausschaltung der künstlerisch und geschichtlich unbedeutenden Arbeiten ausnahmslos behandelt worden.
Im ganzen genommen offenbaren die hier beschriebenen Denkmäler eine doppelte Tatsache:
Die siebenbürgischen Sachsen sind von Anbeginn nicht außerhalb des mitteleuropäischen Kulturstromes gestanden, sondern haben an ihm ihren vollen Anteil gehabt. Trotz der vielfach hervortretenden individuellen Auffassung der Form und Verzierung reihen sich die Erzeugnisse des Kunstgewerbes in diesem Lande dem großen Kreise des deutschen Kulturgebietes ein, was bei der ununterbrochenen Verbindung Siebenbürgens mit dem deutschen Mutterlande selbstverständlich ist. Weiterhin findet das gesamte Kunstleben der Deutschen in diesem Lande darin seine Erklärung, daß sich die einzelnen Einwanderergruppen bald zu einer Volkseinheit zusammengeschlossen haben. Nur ein seiner geistigen, staatlichen und nationalen Ausgaben bewußtes Volk ist imstande, aus allen Gebieten der Kunst ein eigenes Leben zu entwickeln und auszubauen. Deshalb sind auch die Denkmäler des Kunstgewerbes nicht Ergebnisse des Zufalls, sondern Erzeugnisse einer auch auf diesem Felde voll entfalteten Lebensbetätigung. Hier ist die Ursache zu suchen, daß die Einfuhr von Werken der Goldschmiedekunst reichsdeutscher, österreichischer und italienischer Meister außerordentlich gering gewesen ist, weil eben in der im Boden der politischen Volkseinheit fußenden zünftigen Organisation der Goldschmiede, deren Namen nach Hunderten zählen, die Vorbedingung für eine zufriedenstellende Beschaffung der benötigten Kultgeräte in der eigenen Mitte gegeben war.
Was die Art der Bearbeitung anbelangt, so hat sich der Verfasser aus die Feststellung des Tatsächlichen beschränkt und die ästhetische Würdigung sowie die Zeichnung der besonderen Eigentümlichkeiten der einzelnen Stücke aus dem Plan des Werkes ausgeschaltet. Dieser Plan bestand darin, ein kritisch beschreibendes Verzeichnis bestimmter Gruppen der siebenbürgisch-sächsischen Kultgeräte anzulegen. Aus diesem Grunde mußte davon Abstand genommen werden, die reiche Fülle an Zeugnissen zur Geschichte des geistigen Lebens, der Theologie, der Symbolik, der Sprache, der Kultur und der Kunst, wie sie in den kirchlichen Denkmälern der Goldschmiedekunst vorliegen, in zusammenfassender Darstellung auszuschöpfen. Ausführliche Erklärungen der Verwendung des einen und des anderen Gerätes mußten mit Rücksicht aus die Anlage des Werkes ebenso unterbleiben, wie Deutungen der Fachausdrücke, deren Verständnis bei einem Vergleich der Beschreibung mit der betretenden Abbildung keinen Schwierigkeiten begegnen dürfte. Trotz des umfangreichen Abbildungsmateriales ist es zu bedauern, daß der Wiedergabe von Inschriften und dekorativen Einzelheiten, durch die das Buch an fesselndem Inhalt gewonnen hätte, die Herstellungskosten hinderlich im Wege standen.
Für die Feststellung der Lebensumstände der Goldschmiede konnten nur die Arbeiten vou Friedrich Müller, Adolf Resch und Tihamér Gyárfás, sowie die Urkunden der Hermannstädter Goldschmiedezunft benützt werden, so daß die Auflösung der Meisterzeichen an Werken, die aus Bistritzer und aus Schäßburger Werkstätten hervorgegangen sind, nicht in allen Fällen gelang. Für die Mediascher Arbeiten hat ein von Pfarrer Dr. Victor Werner zusammengestelltes Verzeichnis der dortigen Meister schätzbaren Dienst geleistet.
Zum Schlusse erübrigt es dem Verfasser, dem Hochwürdigen Herrn Bischof D. Dr. Friedrich Teutsch für die Anregung zu diesem Werke, der hochwürdigen Generalsynode für die Bereitstellung der Geldmittel, den lieben Amtsbrüdern für die vielfache Inanspruchnahme und die gastliche Aufnahme auf den Pfarrhöfen, seinem verehrten Freunde Herrn Dr. G. A. Schuller für das Mitlesen der Verbesserungsbogen und für die aus seinem reichen Wissen bereitwillig gebotenen Winke, der Verlagsanstalt für die trotz der in der Kriegszeit und unter ihren Auswirkungen erfolgten Drucklegung zufriedenstellende Ausstattung herzlichsten Dank auszusprechen.
Mühlbach, am 28. Dezember 1921.
Victor Roth