Quelle & Deutung VI
Beiträge der Tagung Quelle und Deutung VI am 27. November 2019
INHALT, VORWORTInhalt
Regina Cermann (Wien): Ohne Anfang und Ende: Zum fragmentarischen Andachts- und Gebetbuch Cod. 102/3 in der Stiftsbibliothek St. Paul im Lavanttal
Christine Glaßner (Wien): Eine übersehene Quellengattung. Bemerkungen zu den deutschsprachigen Professurkunden des 15. Jahrhunderts im Benediktinerstift Melk
Márta Vass (Budapest): Zur Frage der intentionalen Zusammenstellung von Sammelhandschrift Ms. 66 der Diözesanbibliothek St. Pölten
Katrin Janz-Wenig - Maria Stieglecker - Maria Theisen (Wien): Ein Codex, zwei Städte, drei Königreiche. ÖNB, Cod. 2828 und der Versuch einer Einordnung
Tünde Katona (Szeged): "...ob man sich ... Stammbücher zulegen müsse". Ein früher wegweisender Essay von Theodor Lebrecht Pitschel über Freundschaftsalben (1743)
Péter G. Molnár (Budapest): Euer Mayestät... - Die Korrespondenz zwischen Kaiser Josef II. und der Oberin Clara Anger
Klára Berzeviczy (Budapest): Der Nachlass eines Zipser Dichters. Ein erster Überblick
Vorwort
Seit dem letzten Budapester Kolloquium der vom Germanistischen Seminar des Eötvös-József-Collegium 2013 begründeten Tagungsreihe Quelle und Deutung sind nun pandemiebedingt leider mehr als zwei Jahre vergangen - eine im Vergleich zu unserer anfänglichen Praxis mit jährlichen Treffen außerordentlich lange Periode, die jedoch mit der nach aktuellem Stand für den Mai 2022 geplanten siebten Q&D-Sektion zur Erforschung deutschsprachiger mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Handschriften hoffentlich in absehbarer Zeit ihr Ende findet.
Erfreulicherweise konnten diese beiden Jahre mit ihren wiederkehrenden Lockdowns dem Forschungseifer allerdings kaum etwas anhaben. Anerkennung verdient aus herausgeberischer Sicht vor allem das Engagement der Vortragenden, die trotz der erschwerten Arbeitsbedingungen bereit waren, uns ihre wertvollen Beiträge zur Verfügung zu stellen und die Mühen der richtliniengemäßen Gestaltung ihrer Manuskripte sowie die Bürde der anschließenden Korrektur- und Optimierungsrunden auf sich zu nehmen. In den vorliegenden, sechsten Tagungsband konnte somit die schriftliche Fassung von sieben der insgesamt acht Vorträge der letzten Tagung aufgenommen werden, während die in einem umfangreicheren Referat präsentierten Ergebnisse unserer von Frau Dr. Katrin Janz-Wenig betreuten studentischen Forschungsgruppe zur Handschrift einer in Padua aufbewahrten deutschsprachigen Passionsbetrachtung aus Raumgründen in einer kommentierten Textausgabe der Q&D-Sonderreihe für Texteditionen veröffentlicht werden.
Gegenstandsbedingt zeichnet sich auch der hier vorgelegte Sammelband durch die für die gesamte Q&D-Reihe charakteristische Vielfalt der behandelten Themen aus und umfasst auch diesmal ein breites Spektrum an betroffenen Teildisziplinen, speziellen Aspekten und Schwerpunkten dieses grundsätzlich interdisziplinär orientierten Forschungsgebietes. Zeitlich vom 15. bis zum 19/20. Jahrhundert europäischer Schreib- und Schrifttradition, räumlich von Österreich über Böhmen, Ungarn und Deutschland bis nach Italien, quellenmäßig von Passionstraktaten und Beichtspiegel über Professurkunden, Freundschaftsalben und Korrespondenzen hinaus bis zur Aufarbeitung eines umfangreichen literarischen Nachlasses aus neuerer Zeit zielen die Beiträge aufgrund der Erkenntnisse von Schriftkunde und Handschriftenphilologie, Kodikologie und Filigranologie, Geschichte und Kunstgeschichte sowie Literatur- und Sprachwissenschaft auf eine möglichst ganzheitliche Erfassung direkter und mittelbarer Überlieferungsstränge, historischer, geistesgeschichtlicher und intertextueller Einbettung sowie weiterer spezieller Charakteristika der untersuchten Handschriften ab.
Für das Zustandekommen des neuen Bandes sind wir neben den neun österreichischen und ungarischen Referentinnen und Referenten der am 27. November 2019 in der Paepcke-Borzsák-Bibliothek des Collegiums veranstalteten Tagung ganz besonders der ersten Mentorin und Betreuerin von Paläographie-Projekten des Germanistischen Seminars Frau Dr. Christine Glaßner, Leiterin der Abteilung Schrift- und Buchwesen des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW, die unsere Projekte seit mehr als zehn Jahren unterstützt, zu aufrichtigem Dank verpflichtet. Ebenso herzlich bedanke ich mich im Namen aller Beteiligten - der Vortragenden, des interessierten Publikums unserer Symposien und im Namen der Collegiumsleitung - bei ÖKF-Direktorin Frau Regina Rusz (bis 2020) und Herrn Direktor Christian Autengruber sowie bei allen ÖKF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Förderung unserer Tagungen, Buchpräsentationen und Forschungsseminare durch das Österreichische Kulturforum Budapest. Innigsten Dank schulden wir des Weiteren Frau Janz- Wenig für ihre ehrenamtliche fachliche Betreuung der Arbeit unseres "Padua-Forschungsteams" und für ihre zuvorkommende Hilfe bei gelegentlichen Lektorierungsarbeiten, nicht zuletzt und nach wie vor Herrn Collegiumsdirektor László Horváth für seine umsichtige Unterstützung der germanistischen Sektion im Rahmen der Byzanz und das Abendland-Veranstaltungsreihe und für seinen unermüdlichen Einsatz für das Germanistische Seminar am Eötvös-Collegium.
In aufrichtiger Vorfreude auf unsere künftigen Quelle und Deutung- Symposien und die nachfolgenden Tagungsbände sowie in der Hoffnung, dass Forschung, Lehre und wissenschaftliche Foren zum Austausch neuer Ergebnisse nach einer Periode zwangsläufigen "monastischen" Daseins allmählich zu ihren alten Formen zurückfinden, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern des vorliegenden Bandes eine unterhaltsame und vergnügliche, vor allem aber fruchtbare und anregende Lektüre.
Budapest, den 15. Dezember 2021
Balázs Sára