5. Die Slawen (600–895)


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Die große Slawenwanderung, welche die künftigen ethnischen Verhältnisse in der östlichen Hälfte Europas verändern sollte, begann zu Beginn des 6. Jahrhunderts. Die frühesten Spuren der slawischen Stämme, die nördlich der Karpaten bis zur Elbe, ins Böhmische Becken, ja bis zum Quellgebiet von Main und Weser vordrangen, können mangels schriftlicher Quellen nur von der Archäologie verfolgt werden. Von der unteren Donau aber berichten byzantinische Quellen bereits seit der Herrschaft Justins I. (518–527) über ihre Anwesenheit und ihre Angriffe. Ihre Einfälle wurden zur Zeit Justinians I. (527–565) immer häufiger und massiver, slawische Gruppen faßten auch südlich der Donau Fuß. Das durch den Gürtel der Karpaten geschützte und von gewaltigen Waldgebieten zu beiden Seiten des Gebirges umgebene Karpatenbecken blieb zunächst von der Slaweninvasion unberührt. Zur Zeit des Gepidenreiches waren die nach Siebenbürgen führenden wenigen Pässe durch Grenzsperren und starke Wachen geschützt, über die – wie gesehen – auch die Awaren nicht einzudringen vermochten. In den Gepidensiedlungen und -gräberfeldern sind aus der Zeit vor 568 keine Anzeichen des Kontaktes mit den Slawen zu finden, und das gilt auch umgekehrt: Außerhalb der Karpaten weist das slawische Fundmaterial aus der Zeit vor 568 keinen eindeutigen gepidischen Einfluß auf.

{98.} Die Vernichtung des Gepidenreiches schuf auch für die Slawen ganz neue Möglichkeiten. Die Herrschaft der Awaren reichte bis weit in die östlichen Steppen, und bis 635 stellten die Karpaten keine Grenze dar. Trotzdem gibt es bis um 600 in Siebenbürgen keine Spuren slawischer Ansiedler. Das Hauptziel der nach 582, auch häufig von den Awaren unterstützten Slaweninvasion war auch weiterhin die Balkanhalbinsel südlich der unteren Donau. Die Slawen hatten selbst riesige Waldgebiete verlassen und sehnten sich vorerst wohl kaum nach dem mit Wäldern bedeckten Siebenbürgen. Die Situation änderte sich erst, als es der byzantinischen Regierung und Armee gelungen war, die Awaren aus den Gebieten südlich der Donau zu vertreiben und die Flußgrenzen erneut abzusichern (601/02). Dadurch wurden die langsam vordringenden slawischen Gruppen gezwungen, Halt zu machen und seßhaft zu werden; die keinen Platz mehr fanden, mußten sich nach neuen Ländern umsehen.

Aufgrund des archäologischen Befunds tauchen die Slawen seit der Wende vom 6. zum 7. Jahrhundert zuerst in der äußeren Zone der Siebenbürgen umgebenden Karpaten auf. Ihre kleinen Dörfer aus in die Erde eingerieften Hütten mit Strohdach umgaben sozusagen die Karpaten von der Bukowina bis zum auch heute noch einen slawischen Namen tragenden Tal der Dîmboviţa (Kodyn-Suceava-Bostoşana-Bukarest). Ihre ärmlichen Häuser mit steinernem Herd enthalten eine genauso ärmliche Hinterlassenschaft wie die ihres früheren Siedlungsgebietes zwischen Dnjestr und Dnjepr: in erster Linie die für die frühslawische Welt charakteristischen, von Hand gefertigten einfachen Gefäße und runden Backteller, Erzeugnisse der in der Archäologie unter den Namen Prag-Penkovka und Prag-Kočak bekannten Kultur. Die heidnischen Slawen verbrannten ihre Toten und vergruben die Reste in kleinen Gruben oder setzten sie in Urnen bei. Das bisher bekannteste größte Urnengräberfeld der frühslawischen Welt wurde am südöstlichen Ausläufer der Karpaten in Monteoru gefunden (unveröffentlicht) und ist ein Beweis dafür, daß man in diesem Raum mit der Ansiedlung zahlreicher Slawen rechnen muß. Anwesenheit und Auftauchen der Slawen wird überall durch die bei anderen zeitgenössischen Völkern zu dieser Zeit nicht mehr übliche Totenverbrennung bestätigt.

In Siebenbürgen kommen die frühesten archäologisch greifbaren slawischen Überreste in den unter awarischer Herrschaft lebenden Gepidendörfern und in den awarischen Gräberfeldern zu Beginn des zweiten Drittels des 7. Jahrhunderts zum Vorschein. Es sind aus sog. Weißmetall (Potin) gegossene eigenartige Maskenkopffibeln (Marosgombás, Vitzel und Székelyhid), von der Außenseite der Karpaten stammende sog. romano-byzantinische Eisen- und Bronzefibeln (Pretai, Mühlendorf), für die slawische Frauentracht charakteristische Haarreifen und einst ins Haar eingeflochtene, byzantinische oder solche Vorbilder nachahmende stern- und traubenverzierte Anhänger (Marosgombás, Marosnagylak und Marosveresmart). All diese Gegenstände sind höchstens ein Beweis dafür, daß Gepiden und Awaren slawische Frauen geheiratet hatten. Diese unterschiedlichen Fibeln tauchen aber auch außerhalb des awarisch-gepidischen Siedlungsgebietes, in rein slawischen Siedlungen (Fiatfalva-Nagyerdõ, Kézdipolyán-Kõhát und Burgort/Grediste) auf, als Zeichen dafür, daß diese Slawen, deren Töchter Frauen von Gepiden oder Awaren wurden, nunmehr auch tatsächlich im Karpatenbecken anwesend {99.} waren. Nach Bandorf hatte eine slawische Frau sogar ihren Backteller mitgenommen.

Die über die östlichen Pässe (Békás, Tölgyes und Ojtoz) eindringenden und sich in den Tälern und Becken diesseits der Pässe ansiedelnden Slawen begannen, die seit Jahrhunderten unbewohnten östlichen und südöstlichen Randgebiete Siebenbürgens erneut zu bevölkern. Sie gaben hier den Flüssen und ihren ersten Dörfern Namen, von denen ein bedeutender Teil bis heute erhalten blieb (Flüsse slawischen Namens: Černavoda, Kvasena, Bystra/Bystrica, Lekenica oder Siedlungsnamen: Černaton, Poŀan). Daß das Karpatenland und untere Donau-Gebiet im 7. Jahrhundert das Land der Slawen wurde, darüber war am Ende des 7. Jahrhunderts auch der weit entfernt lebende armenische Geograph Pseudo Moses Chorenatzi unterrichtet: „An der arktischen (nördlichen) Seite des Danobr ist das Land Dakia, in dem Slawen wohnen, 25 Gentes.“* Géographie de Moise de Corena d’après Ptolemèe (Ed. P. ARSÉNE SUKRY, Venise 1881) „Europa“ X. p. 16.

Obwohl das in dem Vierteljahrhundert nach 1950 freigelegte bedeutende Fundmaterial nur teilweise veröffentlicht wurde, ist es doch einmalig. Die frühesten Slawendörfer vom Beginn des 7. Jahrhunderts wurden im Drei-Stühle-Becken (Kézdipolyán-Kõhát, Felsõcsernáton-Róberttag, St. Georgen-Bedeháza) gefunden, von wo sie sich aber recht schnell ins Burzenland (Kronstadt-Magura) und in die Altgegend des Fogarascher Gebietes (z. B. Alsókomána) ausdehnten. Über das Gyergyó- und das Hargitagebirge erreichten die slawischen Siedlungen Mitte des 7. Jahrhunderts den Oberlauf der Kokel, von dem ebenfalls eine Reihe gut erforschter Dörfer bekannt ist (Bözöd-Nagyszénafû: mit awarischen Einflüssen, Széklerzollesch-Hímesvölgy, Fiatfalva-Nagyerdõ, Kreutz-Fenyõalja). In den Siedlungen mit oft beträchtlicher Hüttenzahl (20-30) waren auch in frühester slawischer Zeit handgeformte Gefäße des Prager Typus in Gebrauch – eine aus Stein gemeißelte Gußform einer Hütte in Kreutz-Melegvölgy, die mit ähnlichen Gußformen aus slawischen Siedlungen außerhalb des Karpatenbeckens verwandt ist, belegt eine neuerliche Einwanderungswelle der Slawen. Ob diese sich nun im Alttal von Norden nach Süden oder über den Rotenturmpaß von Süden nach Norden ausbreiteten, ist nicht bekannt, doch tauchen ihre Siedlungen seit der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts bereits in der Nähe von Hermannstadt/Nagyszeben (der ungarische Name der Stadt geht auf das slawische Zibin zurück), Kleinscheuern und Salzburg auf. Im B. Jahrhundert entstanden im slawischen Gebiet Siebenbürgens neue Dörfer (Marienburg) oder sie lebten wieder auf (Kézdipolyán, Siménfalva-Cserealja, Honigberg), und im Inneren des Beckens setzte sich die Ausbreitung der Slawen fort (Schäßburg-Weingärten, Kreutz-Melegvölgy, Nagymedesér-Temetõhágó, Ocfalva-Mihályfalva und Székelyszenterzsébet-Szénásföld), ja auch schon im Tal der oberen Theiß, des Samosch und des Lápos.

Die archäologische Forschung stand von Anfang an der Armut der frühslawischen materiellen Kultur ziemlich verständnislos gegenüber. Diese Menschen lebten in kleinen, rauchigen, dunklen, in die Erde eingetieften Hütten, häufig ohne jede Pfostenkonstruktion mit einfachem Zeltdach, und benutzten anfangs nicht einmal Handtöpferscheiben. Ihre Gräber sind noch ärmlicher als ihre Siedlungen. Vielleicht kann man diese Armut damit {100.} erklären, daß die Slawen Siebenbürgens – trotz ihrer scheinbaren zentralen geographischen Lage – an den Rand der slawischen Welt verdrängt worden waren, isoliert von den benachbarten Zivilisationen (Byzanz, Italien, Merowingerreich), in deren Nähe oder auf deren Gebiet sich die anderen Slawen weitaus schneller entwickelten. Es ist auffallend, daß sie in Siebenbürgen nicht einmal mehr auf die Relikte des gepidischen Handwerks stießen. Was ihre Kenntnisse im Ackerbau und in der Viehzucht anbelangt, waren sie den anderen frühen Slawen gegenüber nicht im Rückstand, ihre Schmiede beispielsweise waren in der Entwicklung viel weiter als ihre Töpfer (Pflugschar und drehbarer Mühlstein in Siménfalva, Spateneisen oder Pflugschar in St. Georgen). Auf die Effektivität ihres Ackerbaus verweist, daß ihre Dörfer großenteils jahrhundertelang kontinuierlich bewohnt waren und in einem Dorf oft 30 bis 40 Hütten freigelegt wurden.

Die in Siebenbürgen eindringenden Slawen verbrannten ihre Toten genauso wie ihre Vorfahren. Ihre frühesten Urnengräber fanden sich – eigenartiger- und zufälligerweise – am Nordrand und in der nördlicher Hälfte Siebenbürgens (Piskolt, Nádasdaróc, Bistritz und Doboka), während aus Südostsiebenbürgen – mangels entsprechender Forschungen – bisher keine Gräberfelder der frühen Siedler bekannt geworden sind. Seit der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts kommen aber auch im Kokeltal slawische Urnengräberfelder vor (Thorendorf, Großprobstdorf und Petersdorf) und bald sogar im Alt-und Müllenbach/Sebeschtal (Salzburg, Hermannstadt-Hammersdorf und Michelsdorf) – vom letzteren Fundort datiert eine awarisch-byzantinische Bronzeschnalle den Beginn der Bestattungen in diesem Urnengräberfeld auf die Zeit nach 670.

Das Zusammenleben von Awaren und Slawen hat wenig Spuren hinterlassen; sein bedeutendster Beweis ist das Urnengräberfeld von Pretai 2. Sichere Zeichen für ein solches Zusammenleben bilden die Gleichheit der Schmuckgegenstände aus dem B. Jahrhundert sowohl in slawischen Urnen als auch neben awarischen Skeletten und im Töpferhandwerk die leichten Handscheiben. Die Mehrheit der Gräberfelder ist aber noch ärmlicher als die Siedlungen. Üblicherweise enthalten die Urnen eiserne Messer, Feuerstahl und einige Perlen. Einige Gemeinschaften übten wahrscheinlich auch noch die archaische slawische Tradition des Witwenopfers (Salzburg).

Erst im 9. Jahrhundert wurde mit den Bestattungen in jenem slawischen Urnengräberfeld begonnen, mit dem die Archäologen seit 1960 die slawische Kultur Siebenbürgens bezeichnen: das Gräberfeld von Mediasch-Galgenberg. Durch den Einfluß der in Siebenbürgen eindringenden bulgarischen Siedler veränderte sich in den auch im 9. Jahrhundert weiterbestehenden slawischen Siedlungen (Kézdipolyán-Kõhát, Kreutz-Melegvölgy und -Fenyõalja, Fiatfalva-Nagyerdõ, Siménfalva-Cserealja oder Sztrigyszentgyörgy) die slawische Kultur Siebenbürgens; so häufen sich im Töpferhandwerk die schweren Handscheiben, am Boden der Urnen tauchen Bodenstempel der Töpfermeister auf, und es verbreiten sich – infolge der Handscheibentechnik – Verzierungsarten, die auf die Töpferkunst der Donaubulgaren zurückgeführt werden können. Im Gräberfeld von Mediasch und in gleichaltrigen Teilen (9.–10. Jahrhundert) anderer Gräberfelder (Michelsdorf, Thorendorf und Urnengräberfeld von Pretai 2 – wahrscheinlich auch die Urnengräber von Csongva, die unveröffentlichten großen Gräberfelder von Blutroth und die Urnengräber von Karlsburg) ist eine gewisse innere {101.} Anordnung der Grabreihen zu beobachten, die möglicherweise die bulgarische Militärherrschaft widerspiegelt. Die um die bulgarischen Zentren herum siedelnden Slawen wurden zu bitteren und harten Dienstleistungen gezwungen, unter anderem zum Salzabbau und Holzschlagen.

Das Volk der Kurgane von Szilágy-Nagyfalu

Durch planmäßige archäologische Ausgrabungen gelang es 1878–1880 erstmals, die Anwesenheit der Slawen im Karpatenbecken mit Sicherheit nachzuweisen.* Diese bahnbrechenden Ausgrabungen wurden von den versiertesten ungarischen Archäologen des vergangenen Jahrhunderts, von Professoren der Budapester Universität (F. Römer, K. Torma, J. Hampel) und dem Direktor des Ungarischen Nationalmuseums (F. Pulszky) geleitet.

Schauplatz der Ausgrabungen war Szilágy-Nagyfalu, wo von einer aus 43 Hügelgräbern bestehenden Gruppe 6 freigelegt wurden. Die Beobachtungen aus dem vergangenen Jahrhundert helfen die 1958 freigelegten weiteren 3 Hügel zu interpretieren. 1957/58 wurden 6 Gräber einer ähnlichen Hügelgruppe in dem heute zu Klausenburg gehörenden Szamosfalva freigelegt, nicht weit von dort, in Apahida, wurden zu Beginn des Jahrhunderts ähnliche Hügel untersucht. Alle diese Ausgrabungen beleuchten die einstige Existenz und die Hinterlassenschaft einer separaten, selbständigen slawischen Population in Nordwestsiebenbürgen.

Die großen, 3 bis 6 m hohen Tumuli enthielten in der Mehrheit quadratische oder rechteckige aus Balken zusammengefügte Totenhäuser, einige kleinere Hügel bargen ähnlich konstruierte sarggroße Grabkammern, und nur von einem einzigen Hügel wird erwähnt, daß er ohne Holzkonstruktion war. Sämtliche Hügel waren Gemeinschaftsgrabstätten mit 3 bis 22 Gefäßbeigaben. Die Gefäße dienten teils als Urnen, teils ebenso wie häufig von Eisenreifen zusammengehaltene Holzeimer als Nahrungsbehälter. In einigen Hügeln war die Asche auf den lehmverschmierten Boden oder auf einen Teppich gestreut, unter den Totenspeisen befand sich auch Schweinefleisch, das den Awaren fremd war.

Aus einigen Hügeln sowohl in Szilágy-Nagyfalu als auch in Szamosfalva kamen gut datierbare awarische Gürtelbeschläge aus Silber- und Bronzeguß nach bekannter Form zum Vorschein – diese und die Pferdebestattungen von Szilágy-Nagyfalu bezeugen, daß das Volk der Hügelgräber sich hier ansiedelte, als das Awarenreich noch bestand. Es mag sich bei ihnen um von den Awaren anerkannte (awarische Gürtel) freie slawische Verbündete handeln, die in seit der Vernichtung der Gepiden – zum Teil bereits schon vorher – unbewohnten Gebieten siedelten. Aus anderen unbeachtet gebliebenen Gräbern (z. B. Mojgrád) stammende Schmuckstücke sowie scheibengedrehte, mit eigenartigen Wellen und Linienbündeln verzierte Gefäße, ähnlich der in den Hügeln gefundenen, sind auch aus Häusern und Siedlungen bekannt (Nagyiklód, Csomafája, Szilágy-Nagyfalu, Kisnyíres, Bihar, Érszakácsi, Lázári usw. – in letzterem lag in einem halb in die Erde vertieften Haus auch eine eiserne Pflugschar). Die Funde des Szilágy-Gebietes sind mit den Funden aus den Siedlungen im Bodrog- und oberen Theißgebiet (Karcsa, {102.} Anarcs) sowie ihren Hügelgräberfeldern (Királyhelmec/Královský Chlmec und Tarpa) verwandt.

Zur genaueren Herkunftsbestimmung dieser slawischen Gruppe bedarf es noch weiterer Untersuchungen. Die Brandbestattung in Hügeln, das spezifische Töpferhandwerk und der Ursprung einiger Schmuckgegenstände deuten auf ein Gebiet außerhalb der Karpaten hin. Wahrscheinlich läßt sie sich mit neu eingewanderten „Ostslawen“ in Verbindung bringen, obwohl dieser Begriff sich bei der im 8. Jahrhundert noch einheitlichen slawischen Sprache nur auf eine stammesmäßig-politische Abstammung beziehen kann.

Im zweiten Drittel des 9. Jahrhunderts zog sich diese Siedlergruppe am Kleinen Samosch – offensichtlich vor den im Miereschtal erscheinenden feindlichen Bulgaren – auf die nordwestliche Seite des Meszeschgebirges zurück. Mit dem unter bulgarischer Herrschaft stehenden Miereschtal hielten sie nur eher losen Kontakt. Gerade die Funde von Szilágy-Nagyfalu lassen vermuten, daß sich in der nahen Siedlung auch vor den Bulgaren geflohene Slawen befanden. Die archäologischen Angaben belegen, daß die slawische Bevölkerung vom Szilágy-Nagyfalu-Typ im Samosch- und Krasznagebiet die ungarische Landnahme erlebte und überlebte, obwohl ihr Siedlungsgebiet auf Hügel und Waldlichtungen zurückgedrängt wurde. Bis heute erinnern zahlreiche slawische Fluß- und Ortsnamen an sie, die erst ins Ungarische und dann ins Rumänische übergingen. Diese sich nur langsam magyarisierende slawische Bevölkerung in den mittelalterlichen Komitaten Sathmar und Kraszna spielte in der ungarischen Siedlungsgeschichte Siebenbürgens keine Rolle – die frühungarische Ansiedlung vollzog sich überall südlich der slawischen Bevölkerung von Szilágy-Nagyfalu. Bisher fanden sich auch keinerlei Spuren einer über die Stammesgesellschaft der hiesigen Slawen hinausweisenden politischen Organisation; wie es scheint, haben sie auch keine Burgen errichtet.